Geschichte der ehemaligen Tulla-Realschule

Das Gebäude in der Kinzigstraße 36 wurde ursprünglich von Julius Brischler im Art-Deco-Stil entworfen, um dem Schulraummangel entgegenzuwirken, der sich zu Beginn der 1920er-Jahre ankündigte. Zwischen 1920 und 1925 war die Zahl schulpflichtiger Kinder in Kehl von 170 auf 350 angewachsen – das waren deutlich mehr Kinder, als die bestehenden Schulen aufnehmen konnten. Daher beschloss der Gemeinderat im Jahre 1925 den Bau einer neuen Gewerbeschule, welche ebenfalls die Handelsschulräume beherbergen sollte. Die Schule wurde mit Werkstätten für Schreiner, Schlosser, Schmiede, Mechaniker, Elektrotechniker, Installateure, Maler und Friseure ausgestattet. Die gesamten Baukosten, inklusive der Einrichtung, beliefen sich damals auf 520 000 Reichsmark.
Im September 1967 zog schließlich die Tulla-Realschule aus der Wilhelmschule in das von Grund auf renovierte Gebäude der Gewerbeschule in der Kinzigstraße. 1974 wurde das Schulgebäude für 3,1 Millionen DM erweitert, da mehrere Klassen auf Grund von Platzmangel in die Sonderschule ausgelagert werden mussten. Eine zusätzliche Erweiterung für 2,5 Millionen DM wurde im Dezember 1981 eingeweiht. Vor allem der Neubau war es, der Probleme bereitete und immer wieder saniert werden musste, weil Wasser eindrang. Der schlechte Zustand dieses Gebäudes, neue Brandschutzbestimmungen und der gewachsene Raumbedarf der Tulla-Realschule führten schließlich dazu, dass der Gemeinderat im Jahr 2000 beschloss, für die Realschule einen Neubau an der Vogesenallee und damit in unmittelbarer Nachbarschaft zu Einstein-Gymnasium und Hebelschule zu errichten.

Das historische Schulgebäude in der Kinzigstraße, als es noch als Gewerbeschule genutzt wurde.Es handelt sich um ein Postkartenmotiv aus dem Stadtarchiv.

Im April 2006 konnte die Tulla Realschule aus ihrem historischen Gebäude aus- und in ihr neues Haus an der Vogesenallee einziehen. 12,3 Millionen Euro hat der Neubau der Realschule gekostet; 90 Prozent davon wurden durch ein Bundesprogramm zum Bau von Ganztagsschulen gefördert. Mit dem Umzug wurde die Realschule zur gebundenen Ganztagsschule – der ersten in Baden-Württemberg.
Nach dem Wegzug der Realschule aus der Kinzigstraße versuchte die Stadt zunächst, das Gelände, auf dem heute das City-Center steht, gemeinsam mit dem denkmalgeschützten Schulgebäude zu vermarkten. Gesucht wurde ein Investor, der auf dem freien Grundstück ein Einkaufszentrum bauen und in der ehemaligen Tulla-Realschule ein Hotel unterbringen sollte. Ein Konzept, das sich nicht realisieren ließ, wie sich schließlich zeigte. Während die Bauarbeiten für das City-Center liefen, meldeten sich immer wieder Investoren bei der Stadt, die Wohnungen und/oder Büros in das Gebäude einbauen wollten – Vorhaben, die meist an den Vorgaben des Denkmalschutzes und der Gebäudestruktur scheiterten. Durch das großzügige Treppenhaus fallen von den 3300 Quadratmetern Gebäudefläche 1300 Quadratmeter Verkehrsflächen weg.
Parallel dazu verfestigte sich im Gemeinderat die Meinung, dass die Stadt das historische Gebäude nicht aus der Hand geben und selber nutzen sollte. Und weil gerade im kulturellen Bereich in Kehl Räume fehlen, entstand die Idee vom Kultur- und Bildungszentrum. Ursprünglich sollten auch das Hanauer Museum und die Mediathek mit einziehen, doch die Lasten, welche gerade Bücherregale mit sich bringen, hätte das historische Gebäude statisch nicht verkraften können. Nach reiflichen Überlegungen, langen Diskussionen und im Dialog mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern entstand das Nutzungskonzept, das vorsieht auf den rund 2000 Quadratmetern Nutzfläche auf vier Stockwerken Volkshochschule, Musikschule, Jugendkunstschule und das städtische Kulturbüro unterzubringen.

Das historische Schulgebäude in der Kinzigstraße, als es noch als Gewerbeschule genutzt wurde.Es handelt sich um ein Postkartenmotiv aus dem Stadtarchiv.
 
 
 

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