Tram fährt über eine Bogenbrücke

Einstimmig hat eine paritätisch besetzte deutsch-französische Jury am 20. Dezember 2012 die Bogenbrücke des Konzerns Bouygues ausgewählt, der seinen Entwurf in Kooperation mit der deutschen Firma Früh Ingenieurbau entwickelt hat.Bei der Brücke handelt es sich um eine so genannte "Doppel-Bowstring-Konstruktion" mit zwei je 20 Meter hohen Bögen. Die Bögen bestehen aus kleinen kastenförmigen Stahlelementen.Die Brücke ruht - wie die Europabrücke und die Eisenbahnbrücke - auf einem Mittelpfeiler im Rhein. Die Arbeitsgemeinschaft verpflichtet sich, die Brücke für rund 24,3 Millionen Euro zu errichten. Die Europäische Union fördert das Bauwerk mit zwei Millionen Euro aus dem Interreg-Fonds.

Trambrücke

Der Jury, der als deutsche Mitglieder Oberbürgermeister Dr. Günther Petry, Baubürgermeister Harald Krapp sowie die Gemeideräte Hans-Jürgen Sperling und Wolfgang Maelger angehörten, gefiel die elegante Erscheinung der Brücke. Entscheidende Kriterien für die Auswahl des Entwurfs waren neben der Architektur die Funktionalität und der Preis des Bauwerks.

Unter den vier Entwürfen, die in der Endauswahl des Wettbewerbs waren, war die Bogenbrücke von Bouygues diejenige, welche an Land den geringsten Flächenverbrauch aufweist. Nachdem Straßburg und Kehl für ihre beiden gegenüberliegenden Zollhöfe einen gemeinsamen städtebaulichen Wettbewerb ausgeschrieben haben, wurde diese Tatsache ebenso positiv bewertet wie der Umstand, dass die Brücke sowohl auf französischer als auch auf deutscher Seite einen 15 Meter breiten Durchlass zum Garten der zwei Ufer ermöglicht. Eine durchgängige Verbindung zwischen Park und den neu zu gestaltenden Zollhöfen ist Bestandteil der Vorgaben für den städtebaulichen Wettbewerb.

Aufgrung des Zeitdrucks, der sich für die Verlängerung der Tramlinie D von Straßburg nach Kehl auf beiden Rheinseiten aufgrund der Abhängigkeit von staatlichen Zuschüssen ergibt, war bei der Auswahl auch der Umstand wichtig, dass die Brückenteile vorgefertigt zur Baustelle gebracht werden. Damit ist der Bau der Brücke, der mit 18 Monaten veranschlagt wird (ohne Verlegung der Tramgleise), weniger witterungsabhängig, was den Zeitplan verlässlicher macht.

Dass die Bauteile umweltschonend über den Wasserweg transportiert werden und auf dem Kehler Zollhof montiert werden, ohne die Rheinschifffahrt zu beeinträchtigen, war für die Jury ein weiterer Punkt, der für den Entwurf von Bouygues sprach.

Trambrücke zwischen Eisenbahnbrücke und Europabrücke

Unvermeidlich ist, dass für die Tram eine eigene Brücke gebaut wird: Über die Eisenbahnbrücke darf sie nicht fahren, weil sie aus technischen Gründen einer Begegnung mit einem TGV oder ICE nicht standhalten kann. Der Umbau der Europabrücke wäre sehr teuer, außerdem könnte die Tram auf der bestehenden Brücke nur eingleisig über den Rhein geführt werden, weil die stark befahrene Brücke auch den Autoverkehr aufnehmen muss. Eingleisige Strecken sind allerdings sehr störungsanfällig.

Trambrücke zwischen der Eisenbahnbrücke und der Europabrücke sowie der Passerelle

So fügt sich die neue Tram-Brücke in das Bild mit den drei bereits bestehenden Rheinbrücken ein. Zu den Wettbewerbsaufgaben gehörte es, dass die Teilnehmer die neue Brücke so konstruierten, dass eines fernen Tages, wenn die Europabrücke neu gebaut werden muss, diese in Richtung der Tram-Brücke verschwenkt werden kann. Dann würde sich die Zahl der Brücken auf dem kurzen Rheinabschnitt optisch wieder von vier auf drei reduzieren.

Simulation: Trambrücke mit neuer Europabrücke

Planung und Bau der Brücke sind nach französischem Recht ausgeschrieben worden, weil dieses - im Gegensatz zum deutschen - erlaubt, die Kosten zu deckeln. Laut der Ausschreibung durften sich die Baukosten auf maximal 28 Millionen Euro belaufen - alle vier Wettbewerbsteilnehmer in der Endrunde traten mit Brücken an, die billiger waren. Möglich ist die Kostendeckelung, weil Planung und Bau der Brücke gemeinsam ausgeschrieben wurden, also der Erfindungsgeist der Unternehmen gefordert war.

Im April 2014 sind die Brückenbauarbeiten eingeleitet worden.

 
 
 

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