Gute Gründe für die Tram

Verkehrsvergleich

36 000 Fahrzeuge überqueren an Wochentagen täglich die Europabrücke, an Samstagen sind es 42 000. Rund 65 Prozent dieses Verkehrsaufkommens wird nicht - wie der Name Europabrücke vermuten lässt - vom Transitverkehr verursacht, sondern von Verkehrsteilnehmern, die sich im Ballungsraum Straßburg-Kehl bewegen. Das haben Verkehrszählungen und Befragungen der Auto- und Lkw-Fahrer ergeben. Im Durchschnitt sind die Fahrzeuge mit 1,3 Personen besetzt. Geht man davon aus, dass 20 Prozent von ihnen auf die Tram umsteigen, ergibt sich allein aus dem Individualverkehr ein Fahrgastpotential für die Tram von mindestens 6000 Passagieren täglich.
Durch die Verlängerung der Tramlinie bis zum Kehler Rathaus könnten damit jährlich rund 350 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid eingespart werden. Auch 30 500 Buskilometer jährlich fallen weg.

Verkehrsaufkommen

Etwa 2100 Menschen überquerten zur Zeit der Voruntersuchungen für den Bau der Tram täglich mit der Straßburger Buslinie 21 den Rhein, wie die untenstehende Grafik zeigt. Bis zum Juni 2013 ist das Fahrgastaufkommen allerdings so stark angestiegen, dass die Taktzeiten für den grenzüberschreitenden Bus in den Hauptverkehrszeiten von 15 auf neun Minuten verkürzt werden mussten: In der Regel nutzen inzwischen rund 4000 Menschen täglich den zwischen der Kehler Stadthalle und der Tram-Endhaltestelle Aristide Briand verkehrenden Bus, an manchen Tagen werden mehr als 5000 Fahrgäste gezählt.Weil die Buslinie 21 freilich in dem Moment eingestellt wird, in dem die Tram ihren Betrieb aufnimmt, würden die Fahrgäste zwangsläufig auf die Tram umsteigen.
Zusammen mit dem Potential der Autofahrer, welche nach den Berechnungen der Verkehrsplaner die Tram nutzen, erhöht sich die Zahl der möglichen Fahrgäste der Tram auf mehr als 10 000. Dazu kommen 1600 Passagiere, die täglich mit der Ortenau-S-Bahn den Rhein überqueren. Die Ortenau-S-Bahn verkehrt in Spitzenzeiten im 30-Minuten-Takt - allerdings mit großen Taktlücken. Montags bis freitags queren jeweils 22 Züge den Rhein, samstags und sonntags sind es nur je 14.

Die Nutzer des grenzüberschreitenden öffentlichen Nahverkehrs beklagen häufig, dass nach 22 Uhr kaum noch Verbindungen bestehen. Mit der Tram würde sich dies ändern: Bei einer Verlängerung der Linie D nach Kehl ist vorgesehen, dass diese im 12-Minuten-Takt fährt. Eingestellt wird der Betrieb nur in der Zeit von ein Uhr nachts bis fünf Uhr morgens. Samstags fahren genau so viele Tramzüge wie an Wochentagen, nur an Sonn- und Feiertagen sind die Verbindungen ausgedünnt.

Welche Auswirkungen die Verbesserung des Angebots auf die Fahrgastzahlen hat, lässt sich eindrücklich anhand der Verkürzung des Takts bei der Buslinie 21 nachweisen: Als im August 2007 die Verlängerung der Tramlinie D bis zur Haltestelle Aristide Briand in Betrieb genommen und der Takt auf der Buslinie 21 von 20 auf 15 Minuten verkürzt wurde, stieg das Fahrgastaufkommen auf der Buslinie innerhalb eines Jahres um 30 Prozent. Seither wuchs die Zahl der Fahrgäste jährlich jeweils um weitere drei Prozent. Von der Inbetriebnahme der Endhaltestelle der Tram Aristide Briand bis Ende 2012 ist die Zahl der Fahrgäste um 65 Prozent angestiegen - solche Zuwächse verzeichnen die Straßburger Verkehrsbetriebe auf keiner anderen Linie in ihrem Netz.

Mit dem Bus beträgt die Fahrzeit von der Stadthalle bis zur Tram-Haltestelle Aristide Briand heute rein rechnerisch 18 Minuten. Diese Zeit wird aber nur dann erreicht, wenn der Bus nicht im Stau steckt.

Mit der Tram beträgt die Fahrzeit von der Haltestelle vor dem Kehler Rathaus bis zur Haltestelle Aristide-Briand elf Minuten; vom Kehler Rathaus bis zum Straßburger Kleber-Platz wären es 20 Minuten.

Fahrgastzahlen Bus

Bis die Tram im Straßburger Wohnviertel Port du Rhin angekommen ist, ist am Rande des Gartens der zwei Ufer neuer Wohnraum für mehr als 1500 Menschen entstanden. Die deutsch-französische Kinderkrippe auf dem Gelände der Rheinhafenschule ist im April 2014 eingeweiht und eröffnet worden.
Wenn die Tram im April 2017 den Kehler Bahnhof erreicht, ist das Wohn- und Geschäftshaus mit 53 Wohnungen, das die Straßburger Wohnungsbaugesellschaft Habitation Moderne errichtet, ebenfalls bereits bezogen.
Bis 2020 werden die großen Wohnbauvorhaben entlang der Achse auf Straßburger Seite weit vorangeschritten sein, so dass sich das Fahrgastpotential entlang der Strecke sukzessive erhöht. Ein Publikumsmagnet wird der Klinikneubau, den drei bislang selbstständige kirchliche Kliniken im Rheinhafen-Viertel gemeinsam errichten. Die Eröffnung ist für 2017 geplant. In dem Klinikkomplex werden rund 800 Menschen arbeiten.

Fahrgastpotential

Untenstehende Grafik zeigt die Einzugsbereiche der drei möglichen Kehler Tram-Haltestellen. Der gestrichelte Pfeil zeigt an, aus welchen Richtungen und Bereichen sich Fußgänger und Radfahrer zu den Haltestellen begeben, der grüne Pfeil steht für die Fahrgäste von Bussen und Bahnen, die auf die Tram umsteigen, der braune Pfeil symbolisiert die Autofahrer, die an den Park-& Ride-Plätzen ihre Fahrzeuge abstellen und mit der Tram weiterfahren.

Einzugsbereiche Kehl

Durch die Anbindung an die Tramlinie D eröffnet sich Fahrgästen aus Kehl der direkte Zugang zur Straßburger Innenstadt: Das unmittelbare Stadtzentrum - Langstross/Grand'Rue oder Homme de Fer - sind ohne Umsteigen ebenso zu erreichen wie der Straßburger TGV-Bahnhof. Auch zur großen Straßburger Veranstaltungshalle Zénith gelangen die Nutzer der Linie D auf direktem Wege - nur auf dem letzten Stück ist ein Shuttlebus eingesetzt.
Wer an der Station Jean-Jaurès in die Linie C umsteigt, gelangt über das Uni-Viertel zum Place de la République und zur Rheinoper.

Anbindung

Mit der Ankunft der Tram am Kehler Bahnhof entwickelt sich dieser zum multimodalen Verkehrsknotenpunkt:
Autofahrer können ihre Fahrzeuge auf dem Park- & Ride-Platz hinter dem Bahnhof abstellen und auf die Tram umsteigen; wer mit der Ortenau-S-Bahn oder einem Regionalzug ankommt, hat Tram-Anschluss.
Außerdem ist der Bahnhof Haltepunkt für sechs regionale und eine überregionale Buslinie; auch hier ergeben sich vielfältige Umsteigebeziehungen.
Schon jetzt werden am Kehler Bahnhof pro Jahr rund 2,2 Millionen Fahrgäste gezählt, die im öffentlichen Nahverkehr aus-, ein- oder umsteigen.

Wenn die Tramlinie D bis zum Kehler Rathaus verlängert wird, ist eine Verlegung des Rendez-vous-Punktes mit den Bussen ans Rathaus vorgesehen.

 
 
 

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