Energie-Werkstatt: Leuchtturm-Projekte zum Klimaschutz erarbeitet

Hoch konzentriert haben sich rund 30 Kehlerinnen und Kehler am Freitagabend fünf Stunden lang mit Klimaschutz-Ideen für Kehl beschäftigt. An vier Thementischen erarbeiteten sie gemeinsam mit Mitarbeitern des Fachbüros endura kommunal kreative Sofortmaßnahmen und Leuchtturm-Projekte wie zum Beispiel einen Energie-Spielplatz mit Rallye-Stationen im Rheinvorland, ein grenzüberschreitendes Fahrradkonzept mit Ausleihmöglichkeiten in Kehl, Aktionstage für eine regionale und saisonale Ernährung und die Nutzung der Abwärme von Industrie-Unternehmen mithilfe einer neuen Wärmeträgersubstanz.

Bürgermeister Harald Krapp und Teilnehmer der Energie-Werkstatt

„Das Ziel der Energie-Werkstatt ist, dass ganz konkret Projekte formuliert werden, die so auch vom Gemeinderat beschlossen werden könnten“, sagte Bürgermeister Harald Krapp zur Begrüßung der Bürgerinnen und Bürger in der Stadthalle. Mit dieser Aufgabe verteilten sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf vier Tische mit den Themen „Industrie und Gewerbe“, „erneuerbare Energien“, „private Haushalte“ und „Stadtverwaltung“. Nach fünf Stunden angeregten Austauschs präsentierten sie die folgenden Vorschläge:

Industrie und Gewerbe:
Als Sofortmaßnahme soll die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Industrie optimiert werden. Eine Liste soll aufzeigen, welche Unternehmen wie viel Abwärme produzieren und welche Betriebe diese Abwärme nutzen könnten. Zweimal pro Jahr finden Treffen statt, bei denen sich Industrie und Kommune auch über technische Neuerungen austauschen.
Darüber hinaus schlug die Gruppe, in der unter anderem Stadtrat Wolfgang Maelger, Vertreter der Badischen Stahlwerke und der Papierfabrik Koehler sowie der Städtischen Wohnbau mitarbeiteten, ein Leuchtturm-Projekt in Kooperation mit der Universität Stuttgart vor. Dort wird derzeit nach einem Wärmeträgermedium geforscht, mit dessen Hilfe Abwärme von einem Industrieunternehmen zu einem Abnehmer transportiert werden kann, ohne dass dafür Leitungen verlegt werden müssen. Kehl könnte für den Einsatz dieser Trägersubstanz Pilot-Standort werden.

Energie-Werkstatt

Erneuerbare Energien:
Einen Energie-Spielplatz für Kinder und Jugendliche im Rheinvorland stellte sich der Thementisch „Erneuerbare Energien“, an dem auch zwei Schülerinnen des Einstein-Gymnasiums mitwirkten, als Sofortmaßnahme vor. Die Modelle, die dort gezeigt werden, könnten im Rahmen eines Schulprojekts von Schülern selbst gebaut werden. Bei einer Rallye entlang von Infotafeln und bei einer Dauerausstellung im UFO könnte man sich über erneuerbare Energien und ihren Einsatz in Kehl informieren.
Als Leuchtturm-Projekt könnte das geplante Wohngebiet Schneeflären ausschließlich mit erneuerbaren Energien versorgt werden. Bauherren und Mieter in dem Gebiet sollten Mitglieder bei der Bürger-Energiegenossenschaft werden.

Energie-Werkstatt - erneuerbare Energien

Private Haushalte:
Unter dem Motto „Kehl ohne Plastiktüten“ schlug der Thementisch eine Aktionswoche vor, in der der Einzelhandel eine Woche lang keine Plastiktüten ausgibt. Parallel sollte ein Themenabend zu Plastikmüll auf dem Marktplatz stattfinden und es sollten Flyer verteilt werden, die über die Problematik informieren. Dadurch sollten Bürgerinnen und Bürger animiert werden, wiederverwertbare Einkaufstaschen zum Einkauf mitzubringen.
Ein mögliches Leuchtturm-Projekt wäre eine Energieberatung für Mieter. Dazu könnten ehrenamtliche Energieberater ausgebildet werden, die Haushalte aufsuchen und vor Ort erklären, an welchen Stellen Energie gespart werden kann – beispielsweise durch das Ausschalten von Geräten, die auch Strom verbrauchen, wenn sie nicht in Betrieb sind oder den Austausch eines alten Kühlschranks. Als weiteres Projekt schlug die Gruppe Aktionstage zur regionalen und saisonalen Ernährung vor. Energie würde in diesem Fall gespart werden, weil der Transport von Lebensmitteln aus anderen Regionen und Ländern verringert werden würde und weniger Lebensmittel gekühlt werden müssten. Bauernhöfe aus der Region könnten beispielsweise Schulklassen einladen und ihnen zeigen, welches Obst und Gemüse vor Ort und zu welcher Zeit angebaut und geerntet wird. Restaurants könnten speziell als „regional und saisonal“ gekennzeichnete Gerichte anbieten und auch die Marktbeschicker könnten ihre regionalen und saisonalen Waren kennzeichnen und dazu Rezeptideen verteilen.

Stadtverwaltung:
Ein grenzüberschreitendes Fahrradkonzept in Kooperation mit Straßburg und mit mehreren Velo-Stationen in Kehl sowie kostenlosen Radtourenvorschlägen wäre ebenfalls als Leuchtturm-Projekt denkbar. Zusätzlich zu normalen Fahrrädern könnten auch Pedelecs ausgeliehen werden, um möglichst attraktive Alternativen zum motorisierten Verkehr zu bieten. Die großen Kehler Firmen sollten bei der Konzeption mit einbezogen werden, damit die Fahrräder an allen sinnvollen Standorten verfügbar wären.
Sofort umsetzbar wäre die Formulierung von Leitlinien zum Energiesparen in öffentlichen Einrichtungen, die an städtische Mitarbeiter ausgegeben werden könnten.

Energie-Werkstatt

Bürgermeister Harald Krapp war mit all diesen Ergebnissen mehr als zufrieden: „Die Vorschläge sind sehr konkret und sehr Kehl-spezifisch. Einiges davon kann man sicher diskutieren und vielleicht auch umsetzen“, sagte er und bedankte sich für die gute Mitarbeit.

Die Ideen, die bei der Energie-Werkstatt erarbeitet wurden, werden nun vom Fachbüro endura kommunal aus fachlicher Sicht geprüft. Ergänzt um weitere Maßnahmen, die das von der Stadt beauftragte Büro selbst vorschlägt, werden diese Ideen dann dem Klimaschutzkonzept-Projektbeirat als Aktionsplan vorgelegt werden. Anschließend wird endura kommunal das Klimaschutzkonzept fertigstellen, das im Juli dem Gemeinderat vorgelegt wird. Im Juli oder im September werden die Inhalte des fertigen Klimaschutzkonzeptes bei einer öffentlichen Abschlussveranstaltung vorgestellt.

25.03.2013

 

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