Geschichte, Tanz und Friedenskraniche: Grenzrose an der Söllingschule feierlich eingeweiht

Auf beeindruckende Weise haben die Schülerinnen und Schüler der Söllingschule am Freitagnachmittag gezeigt, wie sich schon Grundschulkinder mit schwierigen historischen Themen auseinandersetzen können: Zur Enthüllung der Grenzrose vor ihrem Schulgebäude, die sie gemeinsam mit ihren Eltern und Lehrern, Rektorin Alexandra Busam, Bürgermeister Harald Krapp, Stadträten, Bernd Wiegele und Zaid Yaqoob von den BAG sowie den Paten der Grenzrose feierten, gestalteten sie eine bewegende Zeremonie.

Mithilfe zweier Bildungspaten der Söllingschule, der BSW Anlagenbau und Ausbildung (BAG) und Kiefer Schalungsbau, hatten sich die Jungen und Mädchen zum einen handwerklich mit den Grenzrosen auseinandergesetzt: Das Ergebnis ist ein Grenzrosen-Miniaturgarten, in dem jede der neun Grenzrosen des Künstlers Thomas Rother noch einmal im Kleinformat zu sehen ist. Für die Minirosen aus Stahl hatten die Kinder unter professioneller Anleitung einen Unterbau aus Holz gezimmert. Am Rhein hatten sie Steine für den Garten gesammelt, der nun auf Rollen steht und künftig an wechselnden Standorten in Kehl zu sehen sein soll. Darüber hinaus hatten die Kinder Rosen aus Beton gegossen und sie in bunten Farben bemalt. Bei der Zeremonie am Freitag nutzten sie sie als Sockel und stellten Vasen mit weißen Rosen darauf.

 
 
 
 

Eine weitere Projektgruppe hatte sich mit den Biografien der neun Widerstandskämpfer des Réseau Alliance auseinandergesetzt, die vor fast genau 70 Jahren am 23. November 1944, als auf dem Straßburger Münster bereits die Trikolore wehte, von den Nazis am Kehler Rheinufer ermordet und in den Rhein geworfen worden waren – und derer der Künstler Thomas Rother mit seinen Grenzrosen gedenkt. Die Kinder stellten die Lebensläufe von André Coindeau, Louis Helault, Oscar Hosch, Joffre Lemeunier, Maurice Mandin, Hugues Monclin, Louis Proton, Joseph Singer und Armand Troudet vor und erklärten, in welchem Zusammenhang die gewaltlos agierenden Widerstandskämpfer in jungen Jahren verhaftet und in das Kehler Gefängnis gesperrt worden waren. Acht Mädchen hatten sich tänzerisch mit dem Thema Widerstand auseinandergesetzt. Ihr Tanz zeigte den Mut, den man benötigt, um Nein zu sagen und sich gegen etwas zu wenden, was die Mehrheit für richtig hält.

Bürgermeister Harald Krapp, Nanine Delmas und Dr. Ute Scherb von der Stadtverwaltung, Rektorin Alexandra Busam, die Familie Weber (Paten der Grenzrose und Verwandte des Künstlers Thomas Rother), Bernd Wiegele und Zaid Yaqoob von der BAG (v.l.) freuten sich darüber, dass die siebte Grenzrose ihren Standort vor der Söllingschule gefunden hat. zoom
Bürgermeister Harald Krapp, Nanine Delmas und Dr. Ute Scherb von der Stadtverwaltung, Rektorin Alexandra Busam, die Familie Weber (Paten der Grenzrose und Verwandte des Künstlers Thomas Rother), Bernd Wiegele und Zaid Yaqoob von der BAG (v.l.) freuten sich darüber, dass die siebte Grenzrose ihren Standort vor der Söllingschule gefunden hat.

„Geschichte erscheint Schülern oft sehr theoretisch, mit vielen Jahreszahlen, die gelernt werden müssen, aber bei diesem gesamtheitlichen Projekt war das sicher anders“, zeigte sich Bürgermeister Harald Krapp von den Aktionen der Schüler beeindruckt. Dass die siebte Grenzrose ihren Standort vor der Grundschule gefunden hat, halte er für „eine ganz hervorragende Idee“. Denn durch die intensive Beschäftigung mit der Thematik habe die Schule einen Beitrag geleistet, „damit so etwas nie wieder passiert“.
Er sei „zutiefst ergriffen davon, wie die Kinder das Thema dargestellt haben“, sagte Bernd Wiegele von den BAG. Gemeinsam mit seinem Auszubildenden Zaid Yaqoob, der die Grenzrose hergestellt hat, und der kleinen Anna Weber, die mit ihrer Familie die Patenschaft für die Rose übernommen hatte und mit dem Künstler Thomas Rother verwandt ist, enthüllte er die Stahlrose vor der Söllingschule. Zaid Yaqoob kommt aus Bagdad und lebte bis 2006 im Irak. Dann floh er mit seiner Familie über Jordanien nach Deutschland. „Im Krieg habe ich viel Leid und Schrecken miterlebt, deshalb war es wichtig und selbstverständlich für mich, bei diesem Projekt mitzuarbeiten“, sagte er bei der Enthüllung.
Schließlich ließen die Schülerinnen und Schüler Friedenskraniche, die sie gebastelt und an weißen Gasluftballons befestigt hatten, in den Himmel steigen – „um gemeinsam ein Zeichen für Hoffnung und Frieden zu setzen“, wie Rektorin Alexandra Busam erklärte.

Enthüllung der letzten beiden Grenzrosen
Sieben der neun Grenzrosen für die neun in Kehl ermordeten Widerstandskämpfer des Réseau Alliance haben bereits ihren Standort in Kehl gefunden. Die letzten beiden Grenzrosen, von denen der damalige Oberbürgermeister Dr. Günther Petry im vergangenen Jahr eine seinem Straßburger Amtskollegen Roland Ries geschenkt hatte, werden im Garten der zwei Ufer neben der Passerelle aufgestellt: eine auf Straßburger und eine auf Kehler Seite. Die öffentliche Enthüllungsfeier findet am Donnerstag, 20. November, statt. Sie beginnt um 15.30 Uhr auf der Straßburger Rheinseite und wird später auf der Kehler Seite fortgesetzt.

07.11.2014

 

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