Mit großen Schritten dem Klimaschutzziel entgegen

Die Stadt Kehl kommt ihrem Ziel, den CO2-Ausstoß bis 2023 – im Vergleich zum Basisjahr 1990 – um 16 Prozent zu reduzieren, immer näher. Durch Aktionen wie die Installation von Photovoltaik-Anlagen auf städtischen Gebäuden oder dem Ausbau der Nahwärmeversorgung konnten bisher 39 Prozent der im Klimaschutzkonzept verankerten Maßnahmen umgesetzt und damit 288 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Diese Ergebnisse haben Klimaschutzmanagerin Lea Unterreiner und Energiemanagerin Eva-Maria Löhrmann im Arbeitskreis Energie und Klimaschutz vorgestellt.

„Bis 2023 sollen 4960 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden und obwohl wir bereits viel erreicht haben, liegt weiterhin eine Menge Arbeit vor uns“, erklärte Lea Unterreiner. Aus diesem Grund liegt nach wie vor das Hauptaugenmerk bei der Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes auf der Reduzierung des Energieverbrauchs. Darum werden die Falkenhausenschule und die dazugehörige Turnhalle sowie die Mediathek künftig von der Stadthalle aus mit Nahwärme versorgt. In solch einem Nahwärmenetz wird die benötigte Energie zentral von einem einzigen Heizgerät bereitgestellt und in Form von Wärme an mehrere Gebäude verteilt. „Es ermöglicht – verglichen mit der Einzelversorgung – eine effizientere Wärmeerzeugung, womit Brennstoffe, Kosten und CO2-Emissionen eingespart werden“, erklärte Eva-Maria Löhrmann. In einem zweiten Schritt soll auch das Rathausareal an das Nahwärmenetz angeschlossen werden.

Udo Benz, Geschäftsführer der Ortenauer Energieagentur, gibt einen Überblick über Fördermöglichkeiten für Batteriespeicher.zoom

Die Rathäuser I und III, das Einstein-Gymnasium, die Hebelschule, die Grundschule und die Mehrzweckhalle in Kork, die Werkrealschule und die Mehrzweckhalle in Bodersweier, die Grundschule und Sporthalle in Goldscheuer sowie das Hallenbad wurden bereits in den vergangenen Jahren nach und nach in die sogenannte „Gebäudeleittechnik“ integriert, was den Zugriff auf die Heizungen in den jeweiligen Gebäuden von einem zentralen Rechner aus ermöglicht. Dadurch kann überflüssiges Heizen, wie beispielsweise während der Ferien oder an den Wochenenden, vermieden werden. In diesem Jahr soll diese energiesparende Art der Heizungssteuerung auch in der Niedereichhalle und der Albert-Schweitzer-Schule eingeführt werden – die Grundlagen dafür wurden in den vergangenen Monaten geschaffen. Eine kommunenübergreifende Hausmeisterschulung zur Steuerung solcher Heizanlagen soll im September in Angriff genommen werden.
Auf dem sanierten Dach der Mehrzweckhalle in Auenheim ging im März zudem eine Photovoltaikanlage in Betrieb, eine weitere wird auf der Sporthalle des Einstein-Gymnasiums installiert, sobald der Nutzungsvertrag zwischen der Stadt Kehl und der Solar-Energie Renchtal GmbH & Co. KG unterzeichnet ist. Auf den Dächern des Betriebshofs, der Mediathek, auf mehreren Schulen und Mehrzweckhallen, dem Freibad in Auenheim sowie dem Wasserwerk in Eckartsweier wurden bereits in den vergangenen Jahren Photovoltaik-Anlagen in Betrieb genommen, die insgesamt über eine Leistung von rund 500 Kilowatt peak (kWp, Bezeichnung für elektrische Leistung von Solarzellen) verfügen. Damit könnten rund 150 Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden.
Außerdem soll das Verwaltungsgebäude auf dem Friedhof in der Kernstadt an das Erdgasnetz angeschlossen werden; voraussichtlich ab August werden die dafür erforderlichen Leitungen verlegt. Die gegenwärtige Heizungsanlage sei zwar noch funktionsfähig, auf lange Sicht sei Erdgas allerdings die umweltfreundlichere Methode, erklärte Eva-Maria Löhrmann. Deshalb solle das vorhandene Öl zunächst aufgebraucht werden, bevor die Heizungsanlage in den kommenden Jahren vollständig umgerüstet werde.
Da knapp ein Drittel der CO2-Emissionen in Kehl auf den Wärmeverbrauch zurückzuführen ist, wurde zudem das Förderprogramm zur CO2-Einsparung optimiert. Wer in Kehl in energieeffizientes Wohnen investieren möchte und sich für eine umweltbewusste Dachbegrünung entscheidet, kann dafür seit diesem Jahr erhöhte Fördermittel beantragen. Zuschüsse gibt es auch für den hydraulischen Abgleich und Hocheffizienzpumpen, wenn man seine bestehende Heizungsanlage optimieren möchte. Außerdem sei das Förderprogramm um die Bezuschussung von Photovoltaikanlagen, auch in Kombination mit stationären Batteriespeichersystemen, ergänzt worden, erklärte Lea Unterreiner. Um Kehler Hausbesitzer verstärkt auf das Thema energieeffizienteres Wohnen aufmerksam zu machen, wird im Herbst eine Neuauflage der Aktion „Ihr Haus unter der Klimalupe!“ in den Stadtteilen Sölling und Kehl-Dorf stattfinden. Wer möchte, kann sich dann bei einer kostenlosen Energieberatung rund um das Thema Energiesparen in den eigenen vier Wänden, Förderprogramme und gesetzliche Vorgaben informieren.
Weil bis zu 40 Prozent des Stromverbrauchs von Kommunen auf die Straßenbeleuchtung entfallen, möchte die Stadt gemeinsam mit der Bürgerenergiegenossenschaft Kehl eG außerdem 1200 Straßenlaternen auf LED-Technik umrüsten. Damit könnte der Verbrauch um bis zu 80 Prozent reduziert werden, betonte Lea Unterreiner. Bislang hat die Stadt 230 ihrer rund 6000 Leuchten auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Die endgültige Finanzierung für die restlichen Lampen sei jedoch noch nicht abgeschlossen, berichtete Lea Unterreiner, weitere Anteilseigner der Genossenschaft würden momentan gesucht.
Um die Bürgerinnen und Bürger noch stärker für den Klimaschutz zu sensibilisieren, beteiligte sich die Stadt Kehl an der Aktion „Earth Hour“, bei der für eine Stunde überall die Lichter ausgingen. Von August bis Oktober soll zudem eine Energiewende-Ausstellung ins UFO im Rheinvorland kommen. Bei einem Kooperationsprojekt mit der Hochschule Kehl, das im Wintersemester startet, werden Lea Unterreiner und die städtische Umweltpädagogin Insa Espig darüber hinaus gemeinsam mit den Studenten Konzepte für umweltfreundliche Mobilität in Kehl entwickeln.

Baubürgermeister Harald Krapp begrüßt die Anwesenden zum Arbeitskreis Energie- und Klimaschutz.zoom

Seit dem 20. Mai treten die Kehlerinnen und Kehler als weiteren Beitrag zum Klimaschutz nach fünfjähriger Pause wieder kräftig in die Pedale: Das Ziel des Wettbewerbs „Stadtradeln“ sind möglichst viele zurückgelegte Fahrradkilometer im Aktionszeitraum. Bisher wurden bereits 37016 km mit dem Fahrrad zurückgelegt (Stand: 6. Juni); dabei wurden 5.256 kg CO2 eingespart (Berechnung basiert auf 142 g CO2 pro Personen-km).
Um die Radinfrastruktur in Kehl weiter ausbauen zu können, beteiligt sich die Stadt während des Stadtradeln-Wettbewerbs zudem an der Meldeplattform RADar!. Damit kann jeder ganz einfach per App oder Internet der Stadtverwaltung eine gefährliche oder störende Stelle im Kehler Radwegenetz melden.
Das große Thema des Abends waren, neben dem aktuellen Stand des Energiemanagements und des Aktionsplans für das Klimaschutzkonzept, Stromspeicher, mit denen durch Photovoltaikanlagen erzeugte Energie nicht mehr nur ins öffentliche Netz eingespeist wird, sondern für den Eigenverbrauch gespeichert werden kann. Ohne diese Speicher wird der solarerzeugte Strom überwiegend in das öffentliche Netz eingespeist, denn vor allem mittags übersteigt er in der Regel deutlich den eigenen Strombedarf. Mithilfe von dezentralen Batterien kann der Strom jedoch zwischengespeichert und zeitversetzt wieder abgegeben werden. Durch geschickte Steuerung ist es möglich, dadurch das öffentliche Netz zu entlasten. Die Betreiberinnen und Betreiber haben den Vorteil, dass sie ihren Strombezug aus dem Netz reduzieren und damit unabhängiger von den tendenziell steigenden Strompreisen werden. Nach einer Einführung von Lea Unterreiner stellte Eva-Maria Löhrmann neue und innovative Stromspeichertechnologien vor, die möglicherweise in der Zukunft auch für die Stadt Kehl relevant werden könnten. Zudem gab Udo Benz, Geschäftsführer der Ortenauer Energieagentur, einen Überblick über Fördermöglichkeiten für Batteriespeicher; Michael Mathuni vom E-Werk Mittelbaden stellte verschiedene Leasingmodelle vor.
Das nächste Treffen des Arbeitskreises Energie- und Klimaschutz findet am 7. Dezember statt, dabei wird es unter anderem um die Anpassung an die Folgen des Klimawandels gehen.


Hintergrund:
Die Entwicklung des vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit geförderten Klimaschutzkonzeptes wurde 2012 von der Stadt Kehl in Auftrag gegeben und von der Firma endura gemeinsam mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern kommunal ausgearbeitet. Darin verpflichtet sich die Stadt Kehl, den CO2-Ausstoß bis 2023 zu reduzieren. Die zentralen Bestandteile des Konzeptes bestehen aus einer Energie- und CO2-Bilanz für das gesamte Stadtgebiet sowie einer Analyse des Potentials für Energieeinsparung, Energieeffizienz und der Nutzung erneuerbarer Energien. Zudem wurden Klimaschutzziele festgelegt und ein konkreter 10-Jahres-Aktionsplan erstellt, durch den der Energieverbrauch, die Energiekosten und der CO2-Ausstoß vermindert werden sollen. Das gesamte Klimaschutzkonzept inklusive des vollständigen Aktionsplans, der auch Informationen zu den jeweiligen Einsparpotenzialen sowie dem vorgesehenen Zeitpunkt und den Kosten der Umsetzung enthält, können Interessierte im Bereich „Planen/Umwelt“ der Stadtverwaltung, telefonisch unter 07851 88-1197, anfragen oder im Internet als PDF-Datei unter http://www.kehl.de/klimaschutzkonzept herunterladen.

06.06.2017

 

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