Gelungener Startschuss für den Flüchtlings-Schwimmkurs

„Die Beine hoch und kräftig strampeln“, lautet die Anweisung an die zwei jungen Eritreerinnen, die am Donnerstagabend (8. Juni) zum ersten Mal in ihrem Leben erfahren haben, wie es ist, in schulterhohem Wasser zu stehen. Die beiden Migrantinnen haben nach einer mehr als 6000 Kilometer langen Flucht ins Ungewisse vorerst in Kehl eine Bleibe gefunden und nehmen den Sommer über an einem von den Integrationsbeauftragten der Stadt Kehl koordinierten Schwimmkurs teil.

Dass die jungen Eritreerinnen schwimmen lernen können, haben sie vor allem dem Einsatz ihrer drei ehrenamtlichen Schwimmlehrerinnen zu verdanken. Jeden Dienstag- und Donnerstagabend versuchen diese im Auenheimer Freibad, die Migrantinnen behutsam an das Thema Wasser heranzuführen. Denn wie so viele andere Flüchtlinge auch, haben Letensea Tesfaldet und Lula Amene nie zuvor gelernt, wie man schwimmt oder sich sicher durch das Wasser bewegen kann. „Ich hatte immer solche Angst vor Wasser und bin in Eritrea nie in einen See gegangen“, erzählt Letensea Tesfaldet. Man merkt ihr an, dass sie sich im Wasser unsicher fühlt, die ersten Schritte durch das unbekannte Nass sind verkrampft. „Für sie ist das Gefühl, durch Wasser zu laufen ganz neu“, erkennt Ellen Preiß auf einen Blick.

Marie-Luise Wagenknecht, Lula Amene, Rosemarie Mussler, Letensea Tesfaldet und Ellen Preiß (von links): Vertrauensbildende Übungen, wie "Rennen durch das Schwimmbecken", sollen den Flüchtlingen dabei helfen, ihre Angst vor dem Wasser zu überwinden.zoom

Die erfahrene Schwimmerin ist unter anderem im Hallenbad in Rheinau-Honau als Aufsicht tätig und kann, obwohl sie „keine zertifizierte Schwimmlehrerin“ sei, die Flüchtlinge beim Training unterstützen. Vor der ersten Stunde hat sie sich mit ihren Schützlingen extra getroffen, um mit ihnen gemeinsam Badebekleidung einzukaufen. Bikinis oder Badeanzüge hatten die Eritreerinnen bisher nämlich nicht in ihrem Kleiderschrank. „Das macht mir Spaß, außerdem mussten die Flüchtlinge meiner Meinung nach schon genug durchstehen“, beschreibt Ellen Preiß ihre Motivation, sich ehrenamtlich zu engagieren. Wenn sie ihnen nach all den schrecklichen Erlebnissen nun ein klein wenig helfen könne, mache sie das gerne.
Um Letensea Tesfaldet und Lula Amene die Angst vor dem Wasser zu nehmen, haben die drei Ehrenamtlichen die erste Schwimmstunde mit vertrauensbildenden Übungen begonnen. Stück für Stück wagen sich die beiden Migrantinnen daraufhin auch in tieferes Wasser. „Es ist wichtig, dass wir sie dabei an die Hand nehmen, damit sie merken, dass jemand da ist“, erklärt Rosemarie Mussler. Die 76-jährige Seniorin ist in vielen sozialen Einrichtungen aktiv und nutzt ihre Zeit als Rentnerin gerne, um Gutes zu tun, wie sie sagt. Damit Letensea Tesfaldet und Lula Amene lernen, sich fallen zu lassen, so dass die Füße nach oben kommen und Schwimmbewegungen möglich sind, sollen sich die beiden nach einiger Zeit im Wasser am Beckenrand festhalten und kräftig mit den Füßen strampeln.

Am Ende der Schwimmstunde trauen sich Lula Amene und Letensea Tesfaldet sogar auf die große Wasserrutsche.zoom

Hustend und prustend, mit Wasser in der Nase und Spritzern im Gesicht, kommt schnell Gelächter auf, die Angst in den Augen der Eritreerinnen verschwindet. Mit steigendem Selbstvertrauen klappen auch die ersten Schwimmansätze, den Kopf ins Wasser zu halten, stellt schon bald kein Problem mehr dar.
Am Ende der ersten Trainingsstunde trauen sich Letensea Tesfaldet und Lula Amene sogar auf die große Rutsche. Dass Wasser nicht nur den Tod, sondern auch Spaß bedeuten kann, haben die beiden an diesem Tag gelernt. „Die Angst ist noch nicht ganz weg, aber viel besser“, strahlt Letensea Tesfaldet glücklich. Auch Lula Amene reckt stolz beide Daumen in die Höhe. „Fürs erste Mal war das heute super“, freut sich Ellen Preiß gemeinsam mit den Eritreerinnen. „Dieses erste Training war ein voller Erfolg“, bestätigt Marie-Luise Wagenknecht. Die 61-jährige Sport- und Gymnastiklehrerin ist optimistisch, dass sich Letensea Tesfaldet und Lula Amene am Ende des Sommers ohne Angst und sicher im Wasser bewegen können. Bis dahin liegt zwar noch eine Menge Arbeit, aber auch eine schöne gemeinsame Zeit mit viel Spaß und Gelächter vor den fünf Frauen.

Info
Weitere Informationen zum Schwimmkurs sind auch auf der Flüchtlingsseite der Stadt Kehl unter www.fluechtlingshilfe.kehl.de in der Rubrik „Wie kann ich helfen?“ zu finden. Wer Interesse daran hat, sich als Schwimmlehrer ehrenamtlich zu betätigen, kann sich zudem telefonisch unter 07851 88-1274 oder 07851 88-1275 bei den Integrationsbeauftragten der Stadt Kehl, Raya Gustafson oder Aurora Wenner, melden.

14.06.2017

 

Flüchtlingshilfe Kehl

Daten und Fakten zum Thema Flüchtlinge in Kehl sowie Informationen für ehrenamtliche Helfer sind auf der Internetpräsenz www.fluechtlingshilfe.kehl.de zusammengestellt.

Familienbörse

Wer Familien von der anderen Rheinseite kennenlernen möchte, findet hier Kontakte.

Termine

 
 

Stadtverwaltung Kehl · Hauptstraße 85 · 77694 Kehl · Tel.: 07851 88-0 · Fax: 07851 88-1102 · info@stadt-kehl.de