Mit dem Roboter-Taxi über die Grenze

Früher Science-Fiction, heute Realität: Autonome Fahrzeuge, die ohne Fahrer auskommen, sind auf dem Vormarsch. Auch auf der Strecke zwischen Straßburg und Kehl wird jetzt zum ersten Mal ein selbstfahrendes Auto im Verkehr getestet. Bis einschließlich Mittwoch, 21. Juni, fährt das Roboter-Taxi noch zwischen dem Kehler Busbahnhof und dem französischen Teil des Gartens der zwei Ufer hin und her. Hier geht's zu einem Video von der Fahrt mit dem autonomen Fahrzeug.

Wie von Geisterhand gesteuert bewegt sich das Lenkrad des weißen Renaults nach links und nach rechts. Der Fahrersitz: leer. Auf dem Beifahrersitz sitzt Anne-Charlotte Nicoud vom französischen Institut Vedecom und hält ein Smartphone in der Hand. Auf einer Landkarte auf dem Bildschirm sieht sie, wie sich das kleine, weiße Fahrzeug langsam auf der B 28 in Richtung Frankreich bewegt – ähnlich wie bei einem Navigationssystem.
Anhand von GPS-Daten kann der elektrobetriebene Renault, den das Institut Vedecom entwickelt hat, die 2,4 Kilometer lange Strecke zwischen Straßburg und Kehl komplett ohne Fahrer zurücklegen. Die Daten wurden vorher bei mehreren Testläufen gesammelt und in der Auto-Software gespeichert. Sensoren, welche die Geschwindigkeit und den Abstand messen, helfen dem Fahrzeug zusätzlich, sich im Straßenverkehr zu bewegen. Außerdem füttert eine auf dem Dach befestigte 360-Grad-Kamera das Roboter-Taxi mit Informationen aus seinem unmittelbaren Umfeld.

Ganz ohne den Menschen kommt der Prototyp von Vedecom aber doch noch nicht aus: Aus versicherungstechnischen Gründen muss bei den Probefahrten zwischen Straßburg und Kehl immer eine erfahrene Person dabei sein, die eingreifen kann, wenn etwas schiefläuft. Zu diesem Zweck verfügt das Roboter-Taxi – wie ein Fahrschulauto – über Gas- und Bremspedale im Fußraum auf der Beifahrerseite, welche im Notfall betätigt werden können. Außerdem wird es von zwei Fahrzeugen eskortiert, beide fahren mit Warnblinker, eines vor und eines hinter dem autonomen Fahrzeug.
An schwierigen Stellen mit schlechten Sichtverhältnissen, wie etwa am östlichsten Turn auf der B 28, hat Vedecom zusätzliche Kameras installiert, die jede Bewegung im Umkreis von 200 Metern aufzeichnen. Das komplette Bildmaterial wird im Live-Stream von einem Mitarbeiter des Instituts gesichtet, der auf dem Straßburger Messegelände sitzt und dem Auto je nach Verkehrslage grünes Licht für die Weiterfahrt gibt.
Vorgestellt wird das Roboter-Taxi im Rahmen des ITS European Congress für intelligente Transportsysteme (Intelligent Transport Systems), der noch bis Donnerstag, 22. Juni, in Straßburg abgehalten wird. Vedecom hat es bereits in anderen Städten wie Bordeaux und Versailles getestet – dort durfte es allerdings nicht auf öffentlichen Straßen fahren, sondern nur in eigens dafür vorgesehenen Zonen. „Es ist das erste Mal, dass wir das Auto in den Straßenverkehr schicken“, erklärt Quentin Vidal, der das Fahrzeug mitentwickelt hat.

Zahlreiche Journalisten und Kamerateams waren bei den Probefahrten dabei. Hier steigt gerade jemand am Busbahnhof in Kehl aus dem autonomen Taxi aus.zoom

Für die grenzübergreifende Fahrt benötigte das Institut Vedecom mehrere Genehmigungen von französischer und deutscher Seite. Damit der Renault die rund 1000 Meter auf deutscher Seite zurücklegen durfte, war neben einem TÜV-Gutachten auch eine zulassungsrechtliche Erlaubnis vom Regierungspräsidium Freiburg erforderlich. Diese wurde für den beschränkten Zeitraum des ITS-Kongresses ausgestellt und galt ausschließlich auf der für die Probefahrt vorbestimmten Strecke. Auch der Bereich Verkehrswesen der Stadtverwaltung Kehl wurde im Rahmen der Erteilung dieser Erlaubnis angehört.
Mitfahren dürfen im Roboter-Taxi nur Politiker, Journalisten und Besucher des ITS-Kongresses in Straßburg: „Wenn wir es für alle Bürger zugänglich machen, müssen wir wahrscheinlich einige Interessierte wieder wegschicken – schließlich gibt es nur eine beschränkte Anzahl von Plätzen“, erklärt Caroline Brabant von Vedecom.
Unter den Glücklichen, die das autonome Taxi am ersten Kongresstag (19. Juni) bereits testen durften, waren neben zahlreichen Reportern auch der Straßburger OB Roland Ries, der Erste Beigeordnete Alain Fontanel sowie Ex-Oberbürgermeisterin und Europaabgeordnete Catherine Trautmann und der Präsident der Eurométropole de Strasbourg, Robert Herrmann.

Info:
Beim ITS European Congress im Palais de la Musique et des Congrès in Straßburg treffen Unternehmer, Forscher und Vertreter aus dem öffentlichen Sektor zusammen, um sich über die neusten Entwicklungen im Bereich intelligente Transportsysteme auszutauschen. 120 Aussteller präsentieren ihre Innovationen – von Software-Lösungen bis zu autonomen Fahrzeugen.

Auch sie wollten sich die Spritztour mit dem selbstfahrenden Taxi nicht entgehen lassen: der Präsident der Eurométropole de Strasbourg, Robert Herrmann, der Straßburger OB Roland Ries und Frédéric Mathis, Generaldirektor von Vedecom Tech (von rechts).zoom

20.06.2017

 

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