Wildkraut-Hex, Rüttelegge und Pflanzenvielfalt: herbizidfreie Unkrautbekämpfung hat sich bewährt

Unkraut hat leider immer Saison: Randsteine, Spielplätze, Friedhöfe und andere städtische Grünanlagen müssen darum regelmäßig von dem unliebsamen Bewuchs befreit werden. Auf einer Fläche, die insgesamt 1,5 Millionen Quadratmeter umfasst, sind die Pflegekolonnen des städtischen Betriebshofs tagtäglich zugange. Weil Herbizide die Umwelt gefährden und auch für den Menschen gesundheitliche Risiken mit sich bringen können, werden dabei seit knapp zwei Jahren keine chemischen Mittel mehr eingesetzt. Stattdessen setzt die Stadtverwaltung bei der Beseitigung des Wildkrauts auf umweltfreundliche und nachhaltige Möglichkeiten.

Wenn die Wildkraut-Hex dem Gewächs an Randsteinen, Parkplätzen und anderen versiegelten Flächen und Wegen zu Leibe rückt, ist dem Gerät kein Kraut gewachsen. Die mit Stahlborsten ausgestattete Bürste entfernt Unkraut mechanisch und effektiv, weswegen der Betriebshof gleich mehrere Wildkraut-Hexen in verschiedenen Größen in seinen Gerätebestand aufgenommen hat.

Mit der Wildkraut-Hex rücken die Betriebshofmitarbeiter dem lästigen Unkraut zu Leibe.zoom

Das einzige Problem bestehe darin, dass die Wildkraut-Hex nicht die ganze Pflanze mitsamt den Wurzeln aus dem Boden ziehen könne, erklärt Betriebshofmitarbeiter Roland Vogt. Dies sei nur mit manuellen Geräten wie der Handkelle möglich. Die Wildkraut-Hex müsse daher in regelmäßigen Abständen zum Einsatz kommen. „Aber Unkraut wächst ja ohnehin immer schon nach kurzer Zeit wieder nach, außer man verwendet chemische Mittel“, lacht Roland Vogt. Die Arbeit mit dem umweltfreundlichen Gerät sei ihm um einiges lieber.
„Grundsätzlich bedeutet die mechanische Wildkrautbekämpfung einen Mehraufwand für unsere Mitarbeiter“, räumt Frank Wagner ein. Die bisherigen Erfahrungswerte zeigten aber, dass mit relativ einfachen, mechanischen Geräten eine gute Wirkung erzielt werden könne. Der Betriebshof hat eine Sondergruppe gebildet, die sich auf die Beseitigung der Wildkräuter spezialisiert hat und die städtischen Grünflächen nach einem Regelplan vom Wildkraut frei hält. Zehn Arbeitskräfte sind im Betriebshof aktuell für die Wildkrautbeseitigung zuständig – außerdem wurden sechs zusätzliche Stellen für Saisonarbeitskräfte geschaffen. Die Saisonarbeiter werden vor allem in den Sommermonaten eingesetzt, wenn das Unkraut besonders schnell in die Höhe sprießt. Neben der mechanischen Wildkraut-Hex kommen weitere verschiedene Methoden zum Einsatz, um die städtischen Grünflächen so umweltfreundlich und nachhaltig wie möglich vom Wildkraut zu befreien: An manchen Stellen werden die Pflanzen mit Hacken, Schabern und anderen Handgeräten entfernt. Bei schlecht zugänglichen Orten wie Ecken oder unter Treppenstufen rücken die Arbeitskräfte auch mit einem Gasbrenngerät an. Damit kann das Wildkraut punktuell beseitigt werden.

Mit dem Gasbrenngerät werden in der Regel schlecht zugängliche Stellen vom Unkraut befreit.zoom

Auf großen Flächen wie beispielsweise auf einem der 25 Sportplätze, die den Bürgern auf städtischer Gemarkung zur Verfügung stehen, kommen zudem große Geräte wie Rütteleggen und Geländerechen zum Einsatz. Diese lockern die obere Bodenschicht auf und entfernen das Wildkraut mitsamt den Wurzeln.
„Die Qualität der Böden auf den Sportplätzen hat sich seit dem Einsatz der Rütteleggen eindeutig verbessert“, erklärt Frank Wagner. Auf den Laufbahnen sei der Boden nun besser gewässert, außerdem sei der aufgelockerte Boden angenehmer für die Sportler.
Neben der Unkrautbekämpfung konzentriert sich der Betriebshof zudem darauf, die Pflege der städtischen Grünflächen zu vereinfachen. Darum werden Grünanlagen und Beete nur noch mit heimischen, robusteren und klimaresistenten Pflanzen bestückt. Diese seien, im Gegensatz zu den einjährigen Pflanzen, die lange Jahre in den städtischen Beeten zu finden waren, viel beständiger und pflegeleichter, erklärt Frank Wagner: „Sie können das ganze Jahr über draußen bleiben und sogar bis zu 30 Jahre alt werden – wohingegen die vorherigen Pflanzen zwei Mal pro Jahr ausgetauscht und neu kultiviert werden mussten.“ 40 000 Pflanzen mussten 20 Mitarbeiter des Betriebshofs damals im Sommer gegen wärme-, und im Winter gegen frostresistente Pflanzen austauschen, zwei Wochen waren sie damit jeweils beschäftigt. „Wir haben seit der Umstellung auf die robusteren Pflanzen ungefähr ein Viertel weniger Pflegeaufwand im Sommer“, erläutert Frank Wagner, denn die Pflanzen müssten dank eines speziellen Substrats im Boden auch nicht mehr jeden Tag gegossen werden. Zudem sei die Kosteneinsparung enorm, schließlich müsste nicht jedes Jahr wieder Geld in neue Pflanzen investiert werden. „Gerade bei Neubepflanzungen planen wir so, dass alternative, umweltschonende Pflegemaßnahmen effizient angewendet werden können“, betont Frank Wagner. Die neuen, robusten Pflanzen kämen daher überall dort hin, wo ohnehin gerade umgebaut oder saniert werde.

Mit dem Gasbrenngerät wird das Unkraut verbrannt und anschließend entfernt.zoom

„Der Verzicht von Chemie ist ganz klar eine Verbesserung für Menschen, Tiere und Pflanzen“, versichert Frank Wagner. Konkret sei festzustellen, dass Kleinstlebewesen am Boden und die bestehenden, zu erhaltenden Pflanzen widerstandsfähiger und gesünder seien. Er stehe daher voll und ganz hinter der Umstellung und betont: „Der Verzicht auf Herbizide ist eine sehr gut angelegte Investition in unsere Umwelt.“


Info:
Seit Herbst 2015 verzichtet die Stadt Kehl auf den Einsatz von chemischen Unkrautbekämpfungsmitteln. Die Umstellung ist auf einen Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 2013 zurückzuführen, auf den städtischen Grünflächen komplett auf den Einsatz von Herbiziden zu verzichten. Innerhalb von 2,5 Jahren wurde festgelegt, welche manuellen und mechanischen Mittel fortan die Herbizide ersetzen sollen und wie Grünflächen so umgebaut, rückgebaut oder neu angelegt werden können, dass sie pflegeleichter sind.
Die Stadt Straßburg verzichtet bereits seit 2007 auf den Einsatz von Herbiziden. Die Umsetzung des „Zero phyto“ genannten Konzepts erläuterten Mitarbeiter der Stadt Straßburg Kehler Gemeinderäten und Verwaltungsmitarbeitern bei eine Vor-Ort-Begehung 2012 anhand einiger repräsentativer Grünanlagen. Die positiven Erfahrungen aus der französischen Nachbarstadt trugen wesentlich dazu bei, dass auch der Kehler Gemeinderat sich für einen Verzicht auf Herbizide entschied.

14.08.2017

 

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