Gemeinderat besichtigt Verpackungspapier-Hersteller Blue Paper

Bereits seit 2012 wird im Straßburger Südhafen kein Zeitschriftenpapier für Hochglanzmagazine mehr hergestellt: Die deutsche Klingele Gruppe und VPK Packaging aus Belgien haben mit Blue Paper eine gemeinsame Niederlassung gegründet und produzieren seit 2013 am ehemaligen Standort von Stracel Verpackungspapier für Wellpappe. Gemeinsam beschäftigen die beiden Unternehmen 5300 Mitarbeiter und bringen es mit der Produktion von 900 000 Tonnen Papier und einer Million Tonnen Wellpappe pro Jahr auf einen Umsatz von 1248 Millionen Euro.

Die Altpapierballen werden ein- und aufgeweicht, damit die Störstoffe darin - je nach Beschaffenheit und Gewicht - aufschwimmen oder absinken und aus dem Papierbrei entfernt werden können.zoom
In Straßburg zählt Blue Paper 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter; in der Hauptsache handelt es sich dabei um einstige Stracel-Fachkräfte. Produziert wird rund um die Uhr, an sieben Tagen pro Woche. Jeden Tag laufen mehr als 1000 Tonnen Verpackungspapier aus der 8,54 Meter breiten Papiermaschine; übers Jahr kommt so eine Produktion von rund 400 000 Tonnen zusammen. Rohstoff ist ausschließlich Altpapier, das Blue Paper bereits in Ballen anliefern lässt.
Ziel des Unternehmens ist es nach Aussagen von Generaldirektor François Bru, vor allem nachhaltig zu produzieren. So betreibt das Unternehmen eine eigene Kläranlage, die auch das Abwasser von etwa 300 000 Einwohnern reinigen könnte. Die Wärme, die vor allem für das Trocknen des Papiers notwendig ist, wird aus Biomasse erzeugt. Verwertet – anstatt in Deutschland verbrannt und in Frankreich deponiert – werden sollen künftig auch die in den Altpapierballen enthaltenen Abfälle. Etwa acht Prozent Fremdstoffe enthält das bei Blue Paper von Verwertungsbetrieben aus einem 400-Kilometer-Radius angelieferte Altpapier – bei 1200 Tonnen, die täglich verarbeitet werden, sind das 96 Tonnen.
Gemeinderäte, OB Vetrano, Beigeordneter Krapp, die Leiterin des Bereichs Stadtplanung/Umwelt, Kora Herrmann, und Umweltreferentin Ann-Margret Amui-Vedel besichtigen den Verpackungspapierhersteller Blue Paper im Straßburger Südhafen.zoom

Die Altpapierballen werden ein- und aufgeweicht, dabei setzen sich schwere Bestandteile wie Metall oder Sand ab, leichte – wie Plastikfolie – schwimmen auf. Auf diese Weise können die Störstoffe von dem Papierbrei getrennt werden. Es ist recht erstaunlich, was sich so alles ins Altpapier verirrt – Schuhe sind keine Seltenheit und auch Glas, Holz oder Metall wurden schon gefunden. Durch die Verbrennung des Abfalls will Blue Paper rund 500 Tonnen Dampf pro Tag erzeugen, der im Herstellungsprozess sofort wieder verwendet werden soll.
Im Kehler Wohngebiet Insel sei es nachts seit einiger Zeit wieder laut, berichtete Stadtrat und Inselbewohner Wolfgang Maelger beim Blue-Paper-Besuch. Das Geräusch höre sich an wie ein Piepsen von einem rückwärtsfahrenden Lastwagen. Nachts gebe es auf dem Gelände keinen Verkehr, versicherte Blue-Paper-Chef François Bru, auch Gabelstapler fahren nachts nicht. Bei der Schließung von Stracel seien die beiden Hauptlärmquellen beseitigt worden: das Holzlager und die Vorbereitung der Papiermasse. Bei den Lärmmessungen, welche das Unternehmen mit der Stadt Kehl vereinbart und an einem Messpunkt in der Ludwig-Trick-Straße vorgenommen habe, seien die Grenzwerte nie erreicht worden. Gemessen worden war jeweils zwei Stunden tagsüber sowie nachts, einmal war die Papiermaschine in Betrieb und einmal stand sie still.

Das Blue-Paper-Produkt: Verpackungspapier, das auch zur Herstellung von Wellpappe dient.zoom

Zweimal pro Jahr ist Umweltreferentin Ann-Margret Amui-Vedel bei Blue Paper zu Gast; bei den Arbeitstreffen wird unter anderem erörtert, ob es durch Blue Paper zu Störungen auf der Kehler Rheinseite gekommen ist.

06.09.2017

 

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