Eschentriebsterben im Kehler Stadtwald: Erfolge bei der Naturverjüngung

Dichtes Grün, üppig nachwachsende Jungbäume und gesundes, wohlgenährtes Wild: Es sind positive Bilder, die Förster Markus Gutmann im Kehler Stadtwald präsentieren kann. Seitdem vor knapp zehn Jahren die ersten Anzeichen des Eschentriebsterbens festgestellt wurden, unterstützen er und seine Mitarbeiter konsequent die Strategie der Naturverjüngung, also die natürliche Reproduktion eines Baumes oder eines ganzen Bestandes. Dass dieses Konzept aufgeht, davon zeugen zahlreiche gesunde Jungbäume, deren dichtes Grün die Lücken im Waldgebiet, die durch das Eschensterben entstanden sind, allmählich wieder schließen.

„Wir sind auf dem richtigen Weg und können das Eschentriebsterben mit all den Folgen für den Wald und seine Bewohner momentan ganz gut beherrschen“, erklärt Markus Gutmann und zeigt auf eine Fläche im Korker Wald, auf der die Naturverjüngung beispielhaft funktioniert. Über zwei Meter hoch sind dort bereits zahlreiche Hainbuchen und Stileichen aus dem Saatgut umstehender Bäume nachgewachsen und tragen so dazu bei, den Anteil dieser robusten, heimischen Bäume im Stadtwald wieder zu erhöhen.

Förster Markus Gutmann auf einer Fläche im Korker Wald, auf der die Naturverjüngung beispielhaft funktioniert.zoom

Dass die Entwicklung hin zu einer größeren Pflanzenvielfalt für den Fortbestand des Waldes wichtig ist, davon zeugen die großen Lücken, welche die abgestorbenen Bäume hinterlassen haben, denn vor knapp 40 bis 50 Jahren wurden in dem Wald noch überwiegend Eschen angepflanzt. „Mehrstufig und gemischt wachsende Bestände mit viel Struktur bieten den Wildtieren Deckung, Schutz und einen reich gedeckten Tisch“, zählt der Förster weitere Vorteile der artenreichen Aufforstung auf. Gleichzeitig werde der Wald nicht nur für seine Bewohner, sondern auch für Besucher stetig ansprechender, denen die ökologisch wertvollere Pflanzenvielfalt und der Wechsel zwischen lichten und dunklen Bereichen in der Regel ebenfalls besser gefalle als ein Wald, in dem Baumreihe neben Baumreihe stünde, ohne jegliches Dickicht für Vögel, Wild und Kleinlebewesen.

Für Laien kaum erkennbar: die erkrankten Eschen ragen nur noch vereinzelt zwischen dem dichten Grün der umliegenden Bäume heraus.zoom

Einen Nutzen ziehen demnach alle Seiten aus der Naturverjüngung, auf die die Förster setzen, seitdem 2006/2007 die ersten Anzeichen des europaweit fortschreitenden Eschentriebsterbens im Stadtwald entdeckt wurden und die Bäume anfingen, langsam abzusterben. Verursacht wird dies durch einen Pilz, dessen Sporen über die Luft übertragen werden und über die Blattansatznarben in die Eschen eindringen.
Weil knapp 40 Prozent des 770 Hektar umfassenden Kehler Stadtwaldes aus eschendominierten Beständen bestehen, also aus Waldflächen mit einem Eschenanteil von mehr als 40 Prozent, sind die Folgen des Eschentriebsterbens immens. „Der Zustand der Bäume hat sich stetig verschlechtert, die Auswirkungen sind teilweise gravierend“, sagt Markus Gutmann. Darum müssen er und seine Mitarbeiter möglichst viele der erkrankten Bäume fällen, damit Lichtschächte entstehen, in denen die Sämlinge der anderen Pflanzen auf natürliche Weise gedeihen und sich zu neuen, gesunden Bäumen entwickeln können.
Auf einem Drittel der Flächen, deren Baumbestand vom Eschentriebsterben befallenen ist, funktioniert die Naturverjüngung dank der harten Arbeit von Markus Gutmann und seinen Mitarbeitern tadellos. „Wenn der Pilz nicht noch schneller und stärker fortschreitet, können wir mit einem blauen Auge davon kommen“, versichert der Förster. Die Folgen des Baumsterbens seien durch die bereits erfolgreich nachwachsenden Jungbäume abgemildert worden. Die Gefahr, dass in ganzen Teilen des Waldes ausschließlich tote Eschen stünden, bestünde somit nicht mehr.

Für die Waldarbeiter bestehen große Gefahren, weil der Pilz, der das Eschentriebsterben verursacht, die Baumrinde beschädigt und das Holz zersetzt, so dass betroffene Eschen unvermittelt umstürzen können. zoom

Stattdessen ragen die abgestorbenen Eschen nur noch vereinzelt zwischen dem dichten Grün der umliegenden Bäume heraus – für Laien ist das Baumsterben dadurch kaum sichtbar, weil neue und gesunde Bäume die Auswirkungen des Eschentriebsterbens verdecken.
Die Erfolge bei der Naturverjüngung seien aber auch zu großen Teilen den Jagdpächtern zuzuschreiben, die insbesondere im Korker Wald die Abschusszahlen einhielten, so dass die Jungbäume eine Chance hatten, sich zu entwickeln, betont der Förster. Denn Naturverjüngung könne nur gelingen, wenn der Rehwildbestand – und somit der Verbiss – verringert werde. Ansonsten müssten die neuen Baumbestände zu ihrem Schutz eingezäunt werden, was nicht nur teuer, sondern auch sehr aufwendig wäre, denn die Zäune müssten in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Zudem würde der Lebensraum des Wildes durch die Zäune deutlich eingeschränkt, erläutert Markus Gutmann. „Wenn alle an einem Strang ziehen, hat jeder etwas davon. Es ist zwar sehr viel Arbeit, aber wir sehen ja die Erfolge.“ Denn nicht nur die kräftig nachwachsenden Jungbäume seien ein Zeichen dafür, dass die Naturverjüngung die richtige Methode im Kampf gegen das Eschentriebsterben und den daraus resultierenden Folgen sei. Auch der gesunde, wohlgenährte Wildbestand im Korker Wald zeuge davon.

Die Naturverjüngung glückt nicht an jedem Standort – auf manchen Flächen schießen Unkraut, Brombeerhecken oder Gras durch die starke Sonneneinstrahlung ungehindert in die Höhe und nehmen dem Jungbaumbestand dadurch das zum Wachsen benötigte Licht. zoom

Die Naturverjüngung glückt allerdings nicht an jedem Standort – auf manchen Flächen schießen Unkraut, Brombeerhecken oder Gras durch die starke Sonneneinstrahlung ungehindert in die Höhe und nehmen dem Jungbaumbestand dadurch das zum Wachsen benötigte Licht.
Damit auf diesen Flächen trotzdem wieder Bäume gedeihen können, werden sie vorwiegend mit Eichen, Pappeln, Buchen, Erlen und Hainbuchen bepflanzt, die mit ihren Wurzeln in dem lehmigen, schweren Boden gut zurechtkommen. Sie sollen das Gerüst für den Baumbestand der kommenden 50 bis 100 Jahre bilden.
Nur vereinzelt gibt es Flächen im Stadtwald, die aus Sicherheitsgründen der Waldarbeiter und zum Bodenschutz komplett sich selbst überlassen werden. Dort führt das Eschentriebsterben nicht nur zum Tod der Bäume, auch für die Waldarbeiter bestehen große Gefahren, weil der Pilz, der das Eschentriebsterben verursacht, die Baumrinde beschädigt und das Holz zersetzt, so dass betroffene Eschen unvermittelt umstürzen können. „In diesen Bereichen weitere Bäume zu fällen, die möglicherweise andere, abgestorbene Eschen mitreißen, wäre zu gefährlich“, weiß Markus Gutmann. Erst in einigen Jahren, wenn die Eschen von selbst umgefallen seien und für die Waldarbeiter kein Risiko mehr bestünde, könnten diese Flächen wieder bearbeitet werden.

Einzelne Flächen, auf denen die Naturverjüngung nicht funktioniert, werden vorwiegend mit Eichen, Pappeln, Buchen, Erlen und Hainbuchen bepflanzt, die mit ihren Wurzeln in dem lehmigen, schweren Boden gut zurechtkommen. zoom

Dass der Erhalt und die Wiederaufforstung des Waldes eine Mammutaufgabe ist, davon kann sich jeder überzeugen, der den Förster bei seiner Arbeit begleitet. Bis zu zehn Kilometer Strecke bewältigen seine Beine pro Tag, denn jede einzelne Fläche des Waldes muss regelmäßig begutachtet, beurteilt und bearbeitet werden. „Wir gehen dann situativ vor und pflanzen nach, wenn der Wald zu lückig wird und keine neuen Sämlinge nachkommen“, erklärt Markus Gutmann. Auf anderen Flächen markiert er abgestorbene Bäume, die gefällt werden müssen oder überprüft das Wachsen der Jungbäume. „Wir haben hier ein wunderschönes Waldgebiet, das auch den kommenden Generationen erhalten bleiben soll“, betont Markus Gutmann. Weil für die Ausführung dieser Arbeiten gutes Wetter nötig ist, hofft der Förster nun auf einen trockenen Winter, in dem er und seine Arbeiter weiteres Totholz aus dem Wald entfernen und so das Eschentriebsterben bekämpfen können.


Info:
Beim Kampf gegen das Eschentriebsterben hat sich die Stadtverwaltung gegen einen Kahlschlag und somit gegen die großflächige Räumung und anschließende Bepflanzung betroffener Flächen als einzige Gegenmaßnahme entschieden. Gegen den Kahlschlag als Lösung des Problems gibt es gleich mehrere Gründe: Wollte man alle vom Pilz befallenen Eschen aus dem Wald entnehmen, müssten auf großen Flächen auch die gesunden Stiel- und Roteichen, Hainbuchen, Ahornbäume, Erlen und Linden gefällt werden. Denn würden die gesunden Bäume stehen bleiben, könnten dort keine Pflanzen aus Baumschulen ausgebracht werden, da diese viel Licht gewohnt sind und im Schatten der großen Buchen und Eichen nicht gedeihen. Außerdem würden dadurch auch die Lebensräume zahlreicher Vögel, Fledermäuse und Kleinstlebewesen verschwinden. Darüber hinaus müsste die Stadtverwaltung bei einem Kahlschlag mit langfristigen Ertragseinbußen im Holzverkauf rechnen, da mehr Holz anfallen würde, als auf einen Schlag vermarktbar wäre. In den folgenden Jahren würde das Brenn- und Nutzholz dagegen fehlen. Hinzu kämen hohe finanzielle und zeitliche Aufwendungen für Neupflanzungen und den dazugehörigen Verbissschutz – eine Maßnahme zum Schutz der Bäume vor Verbiss durch Wildtiere.

07.09.2017

 

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