Sport als Mittel zur Integration – Unternehmerforum beim Kehler Fußballverein

Eigentlich war es ein ganz normales Training auf dem Gelände des Kehler Fußballvereins: Auf der Tartanbahn übte die Leichtathletik-Jugend sich im Sprint und im Hürdenlauf, auf dem benachbarten Kunstrasenfeld kickten die Fußball-Jungs. Nur Eines war anders an diesem Abend: Rund 50 Unternehmer schauten den Sportlern beim Training zu. Sie waren der Einladung von OB Toni Vetrano und Wirtschaftsförderin Fiona Härtel zum Unternehmerforum gefolgt, ließen sich erklären, welchen Ansatz der KFV bei den Themen Integration und Jugendarbeit verfolgt – und erfuhren, wie die Wirtschaft von den Vereinsaktivitäten profitieren kann.

Teamfähigkeit, Disziplin, Verlässlichkeit: Im Sportverein sind Eigenschaften erforderlich, die auch im Berufsleben von Bedeutung sind – nicht zuletzt deshalb profitiere auch die Wirtschaft von der Arbeit des Kehler Fußballvereins, betonte Ehrenpräsident Claus Haberecht bei dem Unternehmertreffen. Jugendlichen würden durch den Sport Kompetenzen vermittelt, die ihnen später im Job nutzen – und die sie zu wertvollen Mitarbeitern in einer Firma machen.
Außerdem trage der Sport zur regionalen Verwurzelung junger Menschen bei, ergänzte Dierk Mann, der im KFV-Vorstand für das Marketing zuständig ist. Einige blieben dem Verein treu und kämen nach der Ausbildung oder dem Studium wieder zurück nach Kehl, um dort weiter zu trainieren, um sich als Übungsleiter oder Trainer zu engagieren. Für die Unternehmen aus der Region bedeutet dies: mehr junge Fachkräfte, die sie als Mitarbeiter gewinnen können. Andere ehemalige Fußballspieler förderten den Verein später über das eigene Unternehmen, führte Dierk Mann am Beispiel von Pascal Gaster aus: Der Prokurist und Sohn des Inhabers der Firma Eurotransit, der als Unternehmer am Forum teilnahm, kickte früher für den KFV; seither ist Eurotransit Sponsor des Vereins.
Die Jugendarbeit habe im KFV seit jeher einen großen Stellenwert gehabt, erklärte Claus Haberecht. Bekannte Nationalspieler wie Dieter Eckstein hätten schon ihre Fußballschuhe in der Jugendmannschaft geschnürt, und unter den derzeit rund 650 aktiven Vereinsmitgliedern seien mehr als 300 Jugendliche.

Unternehmerforum beim KFV

Eng verbunden mit der Jugendarbeit ist das Thema Integration: 29 Flüchtlinge trainieren beim KFV zusammen mit gleichaltrigen Deutschen, viele davon sind Kinder und Jugendliche. Für diejenigen unter ihnen, die noch nicht bereit sind für die Mannschaftsaktivität – meist wegen mangelnder Sprachkenntnisse-, hat der Verein eine eigene Trainingsgruppe eingerichtet. „Gerade bei den Älteren, also den Jungs im Alter ab 13 Jahren, sind die Hemmungen am Anfang groß – vor allem wegen der Sprachschwierigkeiten“, weiß Sportvorstand Jürgen Sax. „Da muss man viel arbeiten, um das Eis zu brechen.“ Bei den Kleinen hingegen sei die Verständigung kein Problem: „Da ist es egal, welche Sprache der andere spricht oder welche Hautfarbe er hat – die spielen zusammen und werden zu Freunden.“
„Sport ist Begegnung“, fasste Claus Haberecht zusammen, warum der KFV mit seinem Angebot zur Integration beiträgt. Und damit meinte er nicht nur die Begegnung zwischen Geflüchteten und Kehlern, sondern generell das Miteinander der unterschiedlichen Nationalitäten, die in Kehl leben, den Austausch zwischen den Generationen und die Kooperation mit dem Nachbarland Frankreich. Menschen aus 41 unterschiedlichen Herkunftsländern trainieren im KFV, das jüngste aktive Mitglied ist sechs, das älteste 89 Jahre alt. Der Verein bietet in Zusammenarbeit mit Straßburg die Möglichkeit, ein deutsch-französisches Sportabzeichen zu machen; viele Elsässer kommen außerdem regelmäßig zum Training nach Kehl. Beim jährlich stattfindenden Elsass Spring Cup treffen zudem mehrere Hundert junge Sportlerinnen und Sportler aus ganz Europa zusammen.

Training beim KFV

Die Vielfalt des Vereins spiegelt sich auch in seinem Sportangebot wider: Bestand der KFV anfangs noch aus einer Leichtathletik- und einer Fußball-Abteilung, so sind inzwischen Badminton, Breitensport wie Nordic Walking und Herz-Kreislauf-Training sowie Inline-Skating und Capoeira hinzugekommen. „Man muss, im Unternehmen wie im Sport, offen sein für Neues“, erklärte der Ehrenpräsident die Devise des Vereins – und spannte damit wieder den Bogen zu den Gästen des Unternehmerforums.
„Der Sportbetrieb ist in der Form, in der wir ihn jetzt betreiben, nur noch mit Unterstützung der lokalen und regionalen Wirtschaft möglich“, betonte er. Der Verein sei auf Sponsoren angewiesen: Geräte und Equipment, beispielsweise Speere, Hürden, Startblöcke für die Sprinter, Ausrüstung, die Fahrt zu Wettkämpfen, Veranstaltungen – all dies kostet Geld. Genauso wichtig für das Bestehen des Vereins seien aber ehrenamtliche Mitarbeiter. Während viele Kehler Unternehmen den Verein schon finanziell unterstützen, seien Ehrenamtliche „immer schwerer zu kriegen“. Die Ursache sei ihm bewusst: Die Ehrenamtlichen müssten viel Zeit investieren – und vielleicht an anderen Stellen Einschnitte machen.

Die Integrationsmanagerinnen, Nina Pittschi und Svenja Gerbendorf, stellten sich vor.

Wie wichtig die Menschen sind, die sich im Vereinsleben engagieren, betonte OB Toni Vetrano bei dem Unternehmertreffen: Zum einen vermittelten sie Jugendlichen Kompetenzen, „von denen wir als Gemeinschaft wieder profitieren“, zum anderen seien sie eine wichtige Stütze bei der Integration. „Integration ist ein gesellschaftlicher Auftrag“, sagte er, „und der Kehler Fußballverein lebt Integration bereits seit vielen Jahren“. Viel zu oft werde das ehrenamtliche Engagement als selbstverständlich hingenommen, „dabei verdient es großen Respekt“. Mit seinen Aktivitäten leiste der Verein einen Beitrag, den „eine Stadt gar nicht leisten kann“, lobte er. Deshalb sei es umso wichtiger, dass die Wirtschaft den KFV auch weiterhin unterstütze: „Wir brauchen Sie“, sagte er, zu den Unternehmern gewandt, „bitte machen Sie weiter so!“
Wenn die Stadt auch nicht das leisten kann, was die Ehrenamtlichen im Verein leisten, so unterstützt sie sie beim Thema Integration zumindest: mit einer finanziellen Förderung für die Arbeit mit Flüchtlingen und mit Beratung bei Schwierigkeiten. Für Letzteres sind die beiden neuen Integrationsmanager zuständig, die im Oktober ihren Dienst bei der Stadt angetreten haben. Nina Pittschi und Svenja Gerbendorf stellen sich bei dem Unternehmerforum vor und boten ihre Hilfe an: „Sie sind nicht alleine, wenn Probleme auftreten“; sagte Svenja Gerbendorf, „wir stehen Ihnen zur Seite“.

20.10.2017

 

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