Umweltfreundlich, nachhaltig und innovativ: Kehler Betriebshof ist Vorbild für viele andere Städte

Die Umstellung auf elektronische und akkubetriebene Arbeitsgeräte, der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel oder das Recycling von Laub und Grünschnittaufkommen: Seit zwei Jahren setzt der Betriebshof der Stadt Kehl verstärkt auf Nachhaltigkeit und ist für viele Städte im Umkreis bereits zu einem Vorbild in Bezug auf den Umweltschutz geworden.

„Immer häufiger erreichen uns Anfragen von benachbarten Städten, die mehr über unsere Nachhaltigkeitskonzeption erfahren möchten“, berichtet Frank Wagner, Leiter des Bereichs Grünflächen am städtischen Betriebshof. Diese wollten sich am Kehler Betriebshof ein Beispiel nehmen, was das nachhaltige und umweltbewusste Grünflächenmanagement in der Stadt betrifft. Der Betriebshof setzt bewusst auf sein neues Konzept, die Umstellung ist auf einen Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 2013 zurückzuführen, bei dem festgelegt wurde, fortan auf den Einsatz von Herbiziden auf den städtischen Grünflächen zu verzichten.

Frank Wagner mit dem elektrisch betriebenen Mercedes B 250e. Damit kann das Leitungsteam des städtischen Betriebshofes auch bei Kontrollfahrten oder Fahrten zu Terminen und Besprechungen nachhaltig mobil zu sein.zoom

„Seither hat sich einiges getan“, sagt Frank Wagner. Um eine möglichst klimafreundliche Fortbewegung zu fördern, habe der Betriebshof beispielsweise zwei Elektroautos angeschafft. Ein elektrisch betriebener Transporter des Modelltyps Gopil G3 sei für Kurzstrecken und Arbeitsfahrten gedacht und werde im Stadtgebiet vor allem als Abfallsammelfahrzeug eingesetzt. Um auch bei Kontrollfahrten oder Fahrten zu Terminen und Besprechungen nachhaltig mobil zu sein, habe das Leitungsteam des städtischen Betriebshofes zudem einen elektrisch betriebenen Mercedes B 250e in den Fuhrpark aufgenommen. „Der erste Schritt hin zur nachhaltigen Mobilität ist damit gemacht“, freut sich Frank Wagner.
Um zusätzlich Motorgeräusche und Abgase im Stadtgebiet zu reduzieren, stellt der Betriebshof auch nach und nach seine benzinbetriebenen Gartenpflegegeräte in aufladbare Akkugeräte um. 20 Prozent der gesamten städtischen Kleingeräte wie Rasenmäher, Laubgebläse, Heckenscheren oder Motorsägen seien bisher gegen umweltfreundliche Alternativen ausgetauscht worden, berichtet Frank Wagner, sämtliche Neuanschaffungen seien elektronisch oder akkubetrieben.

Der elektronisch betriebene Transporter des Modelltyps Gopil G3 ist für Kurzstrecken und Arbeitsfahrten gedacht und wird im Stadtgebiet vor allem als Abfallsammelfahrzeug eingesetzt. zoom

„Die Umstellung dauert eine Weile, weil wir die vorhandenen Geräte natürlich so lange nutzen, bis sie nicht mehr funktionieren und ausgesondert werden müssen“, betont Frank Wagner. Außerdem lege er Wert darauf, nur noch solche Geräte und Maschinen anzuschaffen, die sich vielseitig nutzen ließen. Die neuen Kleingeräte könnten dank einer großen Anbaupalette beispielsweise je nach Bedarf, Saison oder Wetterlage umfunktioniert werden. Auch im Bereich der Großgeräte sei unter anderem der klassische Schlepper durch einen multifunktionalen Lkw ersetzt worden, der mithilfe verschiedener Anbaumöglichkeiten ganzjährig eingesetzt werden kann.
Für den Winterdienst stehen dem Betriebshof inzwischen ebenfalls umweltfreundliche Maschinen zur Verfügung. Mit dem sogenannten „Ice Fighter“ versprühen die Betriebshofmitarbeiter umweltfreundliche Salzsole, also in Wasser aufgelöstes Tausalz, das direkt an der Fahrbahn haftet und verhindert, dass sich Eis oder Raureif bilden. Im Vergleich zu den herkömmlichen Streumethoden reichen bei dem Alternativprodukt geringere Mengen an Salz aus, um die Straße von Eis und Schnee freizuhalten, was die Salzsole nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch wirtschaftlicher als andere Methoden macht. „Insgesamt“, sagt Frank Wagner, „können mit der neuen Methode bis zu 60 Prozent Salz eingespart werden“. Pro Quadratmeter versprühe der „Ice Fighter“ etwa 15 Milliliter Salzsole – das sei weniger als die Hälfte von dem, was die üblichen Streumaschinen verbrauchen.

Mit dem sogenannten „Ice Fighter“ versprühen die Betriebshofmitarbeiter umweltfreundliche Salzsole, also in Wasser aufgelöstes Tausalz, das direkt an der Fahrbahn haftet und verhindert, dass sich Eis oder Raureif bilden. zoom

Neben der Umstellung auf wirtschaftlichere und umweltfreundlichere Geräte und Maschinen verzichtet der Betriebshof seit Herbst 2015 auch auf jegliche chemische Unkrautbekämpfungsmittel. Seit dem Frühjahr 2017 werden außerdem im gesamten Stadtgebiet keine Pestizide (chemische Pflanzenschutzmittel), Fungizide (zur Bekämpfung von Pilzen) und Insektizide (zur Bekämpfung von Insekten) mehr verwendet. Auch der Einsatz von Düngemitteln konnte in den vergangenen Jahren um 50 Prozent reduziert werden. „Entnommene Bodenproben machten deutlich, dass vor allem auf den Sport- und Freizeitflächen weniger Düngemittel ausreicht“, berichtet Frank Wagner. Für Flächen, die nicht ohne Dünger auskommen könnten, würden zudem nur noch organische, umweltfreundliche Mittel verwendet werden.
„70 Prozent der Grüngutabfälle werden direkt vor Ort recycelt“, zählt Frank Wagner weitere Umstellungen in Bezug auf den Umweltschutz auf. Früher seien Laub und Grünschnitt aufwendig kompostiert worden, nun würden spezielle Schneideeinheiten den Grünschnitt so klein schneiden, dass er direkt vor Ort liegen bleiben könne. Diese Umstellung bedeute zum einen weniger Arbeit für die Mitarbeiter des Betriebshofs, gleichzeitig könnten die Flächen dadurch mit Nährstoffen versorgt werden, sagt Frank Wagner und betont: „Das ist gut für den Boden, die Tiere, die Pflanzen und den Geldbeutel.“
Weil die Versiegelung von Flächen und Straßen weitreichende Folgen für den Wasserkreislauf hat, ist ein weiterer Bestandteil der Nachhaltigkeitskonzeption des städtischen Betriebshofes die vermehrte Entsiegelung von Verkehrsflächen und Baumstandorten: An insgesamt 150 Baumstandorten sei im vergangenen Jahr die wurzelnahe Befestigung entfernt und durch wasserdurchlässige Alternativen ersetzt worden, erklärt Frank Wagner.

Mit der mechanisch betriebenen Wildkraut-Hex rücken die Betriebshofmitarbeiter dem lästigen Unkraut zu Leibe.zoom

„In jedem Bereich, der neu erschlossen wird, achten wir darauf, möglichst wenig Fläche zu versiegeln“, führt er aus. Außerdem soll mit Blumenwiesen, Totholzhaufen, Offenland-Biotopen und Amphibienfreiflächen die ökologische Qualität in diesen Bereichen deutlich gesteigert werden, um die Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft wieder auszugleichen. Insgesamt 100 Offenland-Biotope und Totholzhaufen, also aufeinandergeschichtetes Holz, das als Rückzugsort für zahlreiche Kleintiere dient, wurden im gesamten Stadtgebiet bereits errichtet. Zudem wurden diverse Blumenwiesen ausgesät, die unter anderem entlang der Tramstrecke, in Entwässerungsrinnen oder verschiedenen Dorfteilen wachsen und im Rheinvorland ein knapp 5000 Quadratmeter großes Arboretum errichtet, das Vögeln, Fledermäusen und Mikroorganismen einen natürlichen Lebensraum bietet. Weitere Ausgleichsflächen seien kontinuierlich in Planung, versichert Frank Wagner.
„In der Vergangenheit sind im Stadtgebiet, in den Ortsteilen und auch im Rheinvorland hauptsächlich Monokulturen mit Platanen, Kastanien und Eschen angelegt worden“, erklärt er weiter. Bei dieser Art der Bepflanzung könnten sich allerdings Krankheitsbilder und Schädlinge viel schneller ausbreiten und durch eine Kettenreaktion ganze Wälder oder Straßenzüge zum Absterben bringen. Damit es in der Stadt auch weiterhin grünen und blühen kann, sei es daher wichtig, sich bei Bepflanzungen auf krankheits- und – aufgrund der fortschreitenden Klimaerwärmung –witterungsresistentere Sorten zu konzentrieren.
„Grünanlagen und Beete werden nur noch mit heimischen, pflegeleichten und klimaresistenten Pflanzen bestückt“, betont Frank Wagner. Die neuen, robusteren Pflanzen kämen überall dort hin, wo ohnehin gerade umgebaut oder saniert werde. Außerdem lege der Betriebshof Wert darauf, bei der Sortenwahl darauf zu achten, allergieneutrale Pflanzen auszuwählen, um Beschwerden und Empfindlichkeiten der Bürgerinnen und Bürger im Stadtgebiet zu verringern.

24.10.2017

 

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