Jugendgemeinderat diskutiert Schulsanierungen und sichert Kehler Tierheim tatkräftige Unterstützung zu

Mit dem baulichen Zustand der Kehler Schulen, dem „Roten Platz“ vor dem Einstein-Gymnasium und dem Bau des Street-Workout-Parks am Weißtannenturm hat sich der Jugendgemeinderat in seiner dritten öffentlichen Sitzung am Montagabend (15. Januar) beschäftigt. Die Rätinnen und Räte debattierten unter der Leitung von Binja Frick, Fachkoordinatorin Jugend in der Stadtverwaltung, und Vanessa Balbrink, Leiterin des Kehler Jugendzentrums, zudem über Möglichkeiten, das Kehler Tierheim bei der Tilgung seiner Schulden zu unterstützen sowie die Ausweitung der Sporthallenzeiten für Jugendliche.

Risse in den Wänden, defekte Lampen und baufällige Sanitäranlagen: Anhand von Bildern demonstrierte Rätin Luzie Zaucker Baubürgermeister Harald Krapp und dem Leiter des städtischen Gebäudemanagements, Michael Heitzmann, Mängel an den Beruflichen Schulen Kehl und der Tulla-Realschule. Vor allem der Zustand der Beruflichen Schulen sei teilweise „sehr miserabel“ und „unsere größte Sorge“, bekräftigte der Vorsitzende des Jugendgemeinderats Michael Nguyen. Für die Unterhaltung der Beruflichen Schulen sei der Landkreis zuständig, klärte Michael Heitzmann die jungen Räte auf.
Für die Schulen in städtischer Trägerschaft stelle der Gemeinderat jedes Jahr erhebliche finanzielle Mittel bereit, betonte Michael Heitzmann. Um dieser Aussage Nachdruck zu verleihen, zählte er auf, wie viel Geld in den vergangenen Jahren in die 14 städtischen Schulen investiert wurde. Alleine der Bau der Tulla-Realschule 2006 habe beispielsweise zwölf Millionen Euro gekostet, für kleinere Unterhaltungsmaßnahmen stünden dort jährlich 50 000 Euro zur Verfügung. Mehr als drei Millionen Euro seien in den vergangenen Jahren auch ins Einstein-Gymnasium geflossen, die Josef-Guggenmos-Grundschule werde derzeit für rund 3,5 Millionen Euro grundsaniert. „Wir versuchen mit allen Mitteln dafür zu sorgen, dass Sie sich in Ihren Schulen wohlfühlen und dort gerne lernen“, versicherte Michael Heitzmann. Manche der bereits geplanten Sanierungsmaßnahmen hätten leider aufgrund personeller Engpässe verschoben werden müssen, diese würden nun aber alle „Zug um Zug“ abgearbeitet. Den Schülerinnen und Schülern müsse allerdings bewusst sein, dass viele bauliche Veränderungen, die die Stadtverwaltung tätige, auf den ersten Blick nicht sichtbar seien – Brandschutzmaßnahmen beispielsweise hätten alleine im Einstein-Gymnasium mit rund 250 000 Euro zu Buche geschlagen, das Flachdach der Sporthalle sowie die Heizungsanlage und die Fenster seien für rund 1,8 Millionen Euro saniert worden.
Die aus Sicht der Jugendgemeinderäte mangelhafte Medienausstattung vieler Schulen kam bei dem Tagesordnungspunkt ebenfalls zur Sprache: Der Leiter des Gebäudemanagements berichtete vom Beschluss des Gemeinderats, bis 2022 drei Millionen Euro für ein Medienkonzept für die Schulen bereitzustellen. Eine Förderung durch die Bundesregierung in Höhe von 85 Prozent stehe zwar in Aussicht, ein Förderantrag könne jedoch erst gestellt werden, wenn die neue Regierung gebildet sei und die Haushaltsmittel des Bundes hierfür zur Verfügung stünden. Deshalb warte die Stadt noch ab.
In einem weiteren Tagesordnungspunkt wies das Gremium den zur Sitzung geladenen Leiter des Bereichs Grünflächen am städtischen Betriebshof, Frank Wagner, auf ein zerrissenes Netz im Fußballtor vor der Tulla-Realschule und beschädigte Basketballkörbe auf dem Roten Platz vor dem Einstein-Gymnasium hin. Dort fließe zudem bei starkem Regen das Wasser nicht richtig ab. „Wir können nicht jedes defekte Detail im Stadtgebiet sehen, darum ist es wichtig, dass Sie uns auf vorhandene Mängel hinweisen“, ermunterte Frank Wagner die jungen Räte. Über den sanierungsbedürftigen Kunststoffbelag auf dem Sportplatz sei der Betriebshof bereits informiert, schon im kommenden Frühjahr werde ein neuer Belag aufgebracht. Auch neue Basketballkörbe würden zeitnah angeschafft – derartige kleinere Mängel könnten die Jugendlichen dem Betriebshof jederzeit telefonisch oder per E-Mail melden, dann würden diese künftig rasch beseitigt, versprach er. Auch über den Zwischenstand beim Bau des Workout-Parks am Weißtannenturm informierte Frank Wagner den Jugendgemeinderat: Wenn die Witterung es zulasse, sei der Aufbau ebenfalls im Frühjahr geplant – die dafür erforderlichen Arbeiten seien bereits für die Ausschreibung vorbereitet.
Auf Antrag des 14-jährigen Jugendgemeinderats Ken Woischwill wurde in der Sitzung zudem die finanzielle Situation des Kehler Tierheims thematisiert. Er möchte sich dafür einsetzen, dass das Tierheim seinen Schuldenberg in Höhe von 35 000 Euro tilgen kann und die Zukunft der Einrichtung gesichert ist. Gemeinsam mit dem zur Sitzung eingeladenen Hans-Peter Glauner, dem ersten Vorsitzenden des Kehler Tierheims, debattierten die Rätinnen und Räte darüber, wie man am besten helfen könne: Die Vorschläge reichten von einer tatkräftigen Beteiligung am Tag der Offenen Tür über die Veranstaltung eines Musik-Events zugunsten des Tierheims bis hin zu einem Infostand auf dem Marktplatz.
Kulturbüro-Leiterin Stefanie Bade lud die Rätinnen und Räte außerdem dazu ein, im Rahmen der Entwicklung der Kulturkonzeption eine Arbeitsgruppe zu gründen und dazu auch andere kulturinteressierte Jugendliche einzuladen. Junge Kehlerinnen und Kehler bekämen dadurch Gelegenheit, die kulturellen Angebote für ihre Altersgruppe auszubauen und eigene Vorschläge in die Konzeption einfließen zu lassen. „Wir sind für jede Idee offen und sind gespannt, wie ihr euch das kulturelle Leben hier vorstellt“, erklärte sie abschließend.
Weil es in Kehl zu wenige Möglichkeiten gebe, auch bei schlechtem Wetter Fußball zu spielen, warb Jugendgemeinderat Amir Madjdoleslam darüber hinaus dafür, eine Soccerhalle, also eine Indoor-Fußballhalle mit bis zu vier Spielfeldern, zu bauen. Der Betrieb einer solchen Halle sei gewerblich und könne von der Stadtverwaltung daher nicht umgesetzt werden, argumentierte Binja Frick. Ihr Lösungsvorschlag war, die Zeiten, in denen Jugendliche die Kehler Sporthallen frei nutzen dürfen, auszuweiten. „Wir könnten außerdem ein oder zweimal im Monat Mitternachtssport anbieten“, überlegte sie weiter. In anderen Städten wie Karlsruhe werde dies schon gemacht. Dabei wird den Jugendlichen die Sporthalle unter Anwesenheit diverser Jugendarbeiter beispielsweise samstags von 18 bis 24 Uhr zur freien Verfügung gestellt. Nach einer kurzen Diskussion einigte sich das Gremium darauf, an den Schulen das Stimmungsbild für den Bedarf einer solchen Veranstaltung zu erkunden und bei positiver Bilanz ein Probe-Event zu veranstalten.

18.01.2018

 

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