Der Garten der zwei Ufer
Zur Kaserne gelangt man von Süden aus durch die Fußgängerunterführung im Bahnhof über den Park+Ride-Platz. Seit dem Frühjahr 2003 kann hier auf 275 Pkw- und sieben Busstellplätzen geparkt werden. Von Westen kann man sich dem Kasernengelände über die neue Anbindung von der Hafenstraße aus nähern.
Erbaut wurde die Großherzog-Friedrich-Kaserne nach dem Vorbild des badischen Klassizismus. Am 1. April 1890 zog das 14. Badische Pionier-Bataillon hier ein, und am 21. Mai wurde das Offizierskasino in Anwesenheit von Großherzog Friedrich eingeweiht.
Das 4,5 Hektar große Konversionsgelände, das die Stadt Kehl 1998 vom Bund erworben hat, ist inzwischen in einen Gewerbepark mit rund 12 000 Quadratmetern Nutzfläche umgewandelt worden. Sowohl deutsche als auch französische Unternehmen, sowohl Gewerbe als auch private und öffentliche Dienstleister haben sich hier angesiedelt. Seit Dezember 2002 ist auch das Gemeinsame deutsch-französische Zentrum der Polizei- und Zollzusammenarbeit - vormals in Offenburg - im Nordgebäude der Kaserne untergebracht.
Auf dem Platz am Fuße der Terrassen führt eine leicht ansteigende Rampe Richtung Rheinpromenade, die auf Höhe der Dammkrone endet. Auf der Rampe sind vier rechteckige 14 mal 14 Meter große Flächen angelegt: Zwei Pflanzbeete, nach historischem Vorbild kultiviert, und zwei Wasserspiele.
Dort, wo heute die Rheinterrassen - mit der sanierten neoklassizistischen Villa Schmidt als eindrucksvollem Blickfang - die Besucher auf neuen Wegen in die Innenstadt führen, stand einst die so genannte Südbatterie. Diese gehörte zu einer Verteidigungsanlage, die zum Schutz der 1861 fertig gestellten Eisenbahnbrücke über den Rhein angelegt worden war. Später befanden sich auf dem Gelände die Betriebsstätten der MEG, der Mittelbadischen Eisenbahn Aktiengesellschaft. Während des Zweiten Weltkrieges wurden sie jedoch beschädigt und nicht wieder hergerichtet. Bis zum Baubeginn im Januar 2002 führte auf dem Grundstück die kreisförmige LKW-Abfahrt der B 28, in deren Mitte ein Landeplatz für Hubschrauber lag, in den Zollhof und in den Hafen.
Auf dem Vorplatz der Villa Schmidt ist durch die Arbeiten zur Landesgartenschau ein unterirdischer Tunnel, der ehemals zu den Kehler Befestigungsanlagen gehörte, entdeckt worden. Während der Gartenschau wurde die am Vorabend des Ersten Weltkriegs erbaute Villa für Ausstellungen zur Geschichte von Stadt und Rhein genutzt, seither wird sie gastronomisch genutzt.
Auf Höhe der Villa Schmidt befindet sich ein Steg für die Ausflugsschifffahrt. Fahrgastschiffe - auch die verglasten Straßburger Touristenboote (bateaux mouches) – können hier anlegen. Der Zugangssteg ist auch für Rollstuhlfahrer geeignet und passt sich dem Wasserstand an.
Zusätzlich zur Dammscharte bei der Großherzog-Friedrich-Straße öffnet sich der Rheindamm an drei weiteren Stellen: im Süden für das Wasserband, das beim Haus der Jugend vom Altrhein bis zum Rhein führt, auf Höhe der Hagenstraße und der Gustav-Weis-Straße. Die Dammdurchbrüche schaffen eine optische Verbindung zwischen der Parkanlage und der Innenstadt, ermöglichen gleichsam neue Aussichten in beide Richtungen. Ganz praktisch bieten die Dammdurchbrüche gerade Rad- und Rollstuhlfahrern sowie Eltern mit Kinderwagen zusätzliche Möglichkeiten von der Innenstadt ins Rheinvorland (und umgekehrt) zu gelangen.
Auf Höhe der Dammscharten verlaufen außerdem die drei Querachsen, die auf der Straßburger Seite fortgeführt werden und so beide Gartenteile über den Grenzfluss hinweg verbinden. Jede Achse hat ein individuelles Erscheinungsbild und ein eigenes Thema.
Die Achse auf Höhe der Hagenstraße ist dem Thema „Kommunikation“ gewidmet. Der Clou dieser Achse sind die - entlang der beiden Wege - spiegelgleich angeordneten Holztafeln mit eingefrästen Buchstaben. Die eine Reihe ergibt das Wort „Begegnung“; auf der anderen Seite steht das französische Pendant „Rencontre“. Die Abstände zwischen den Holztafeln vergrößern sich zum Rhein hin, ebenso wie sich die Ausmaße der Buchstaben zum Flussufer hin ausdehnen und heben so die perspektivische Verkleinerung auf.
Das Thema der Brückenachse auf Höhe der Großherzog-Friedrich-Straße ist „Bewegung“, was besonders bei windigem Wetter deutlich wird.
Die dritte Achse auf Höhe der Gustav-Weis-Straße fügt sich mit dem Thema „Spielen“ in die Gestaltung des Gartens der zwei Ufer im Süden als Spiellandschaft ein. Das herausragende gestalterische Element ist ein fast ein Meter hohes Podest aus Holz.
Bauwerksdaten
Brückengeschichte
Die Skater-Anlage, das Beachvolleyball-Feld, der Balanciergarten und die Baumhäuser rund um den Schwimmbadgraben sind ebenfalls Bestandteile der Spiellandschaft.
Die Planung der Skater-Anlage wurde gemeinsam mit dem Jugendgemeinderat, dem Haus der Jugend sowie erfahrenen Kehler Skatern erarbeitet. Die ungefähr 700 Quadratmeter große Anlage mit Anlaufhügel, Ledges, Banks, Quarter-Pipes und Rails bietet eine Bandbreite an Fahrmöglichkeiten sowohl für Anfänger als auch für Könner. Sie kann gleichzeitig von Skateboard-Fahrern und Inline-Skatern genutzt werden.
Ein Großteil der Gesamtkosten von 85 000 Euro sind über private Geldspenden finanziert worden, bei denen sich auch die Kehler Juniorräte als fleißige Sammler betätigt haben.
Geplant hat den 70-Tonner die Werkgruppe Lahr (die auch für die Projektbetreuung zuständig war), die statischen Berechnungen stammen von Peter Lenz aus Emmendingen und Andreas Wirth aus Freiburg.
Drei Stämme aus dem Nordracher Forst, die von der Landesforstverwaltung und dem Weißtannen-Forum gestiftet wurden, sind die Grundpfeiler des Turms: ein gleichschenkliges Dreieck, das mit einem filigranen Stahlnetz stabilisiert wird. 30 und 35 Meter über dem Boden laden zwei Aussichtsplattformen zum Verweilen ein.
Für die 210 Stufen hat der „Förderverein Weißtannenturm“ Spender gesucht, um so mitzuhelfen, die Gesamtkosten von 300 000 Euro zu finanzieren. 130 000 Euro hat der Ortenaukreis beigesteuert und 85 000 Euro hat die Landesgartenschau Kehl 2004 GmbH übernommen. Darüber hinaus haben die an der Planung und am Bau beteiligten Unternehmen großes Entgegenkommen gezeigt, indem sie teilweise ihre Leistungen und ihr Material unentgeltlich zur Verfügung stellten. Für 200 Euro konnte außerdem jeder, der den Bau des Weißtannenturms unterstützen wollte, Pate einer der Blockstufen werden. Dafür gab es eine kleine Namenstafel, welche direkt an dem jeweiligen Treppenteil angebracht wurde.
Als weiteres architektonisches Element ist zwischen den drei tragenden Stämmen eine Gruppe aus schlanken Stämmen eingebracht, die einen Waldausschnitt versinnbildlichen sollen. Eingeweiht wurde der Weißtannenturm am Tag der Eröffnung der Landesgartenschau – in dem Jahr also, in dem die Weißtanne der „Baum des Jahres“ war. Mitte März 2008 legen Unbekannte auf der ersten Aussichtsplattform des Turms einen Brand. Die Flammen höhlen einen der tragenden Stämme soweit aus, dass die Plattform vom Einsturz bedroht ist und der Turm gesperrt werden muss. Nach aufwändigen Reparaturarbeiten kann der Weißtannenturm Anfang Juli wieder für die Öffentlichkeit freigegeben werden.
Im Norden ist eine rund 75 Quadratmeter große Seebühne aus Holz errichtet worden, die im Juli 2003 eingeweiht wurde. An den Samstagen in den baden-württembergischen Sommerferien findet hier die Sommerspielzeit statt - auf der Bühne wird musiziert oder Theater gespielt. Zwei weitere Holzpodeste am Ostufer des Altrheins - sowohl im südlichen als auch im nördlichen Teil - und ein Steg am Südwestufer sorgen dafür, dass das Gewässer als „begehbar“ erlebt wird.
Der sich anschließende Rosengarten ist deutlicher als zuvor das Reich der Königin unter den Blumen. Nach dem Vorbild der Kloster- und Burggärten erschließt ein Wegekreuz die Anlage, das in einer kreisrunden Platzmitte zusammenläuft und das die Fläche in vier Beete unterteilt. Diese werden jeweils von einem Rasenweg umrahmt, der mit zwei Diagonalen das mit englischen Rosen, Stauden und Gehölzen bestückte Beet kreuzt. Neu angelegt worden ist auch eine Allee aus Amberbäumen, welche die innerstädtische Achse Marktplatz - Brunhildstraße betont.
Der Baumbestand aus hochstämmigen Zierkirschen an den Randflächen des Gartens wird von sieben ebenfalls hochstämmigen Kupfer-Felsenbirnen ergänzt. Die Böschungen sind mit englischen Rosen, flächendeckenden Rosen, Hortensien und verschiedenen Stauden bepflanzt. Das Rankgerüst beim Spielplatz im Süden des Rosengartens ist mit Kletterrosen versehen.
Damit die Rosen genügend Sonnenlicht erhalten, ist die Platanengruppe gestutzt worden. Die Zweige sind so gezogen worden, dass sie ein Dach bilden.
Im Rosengarten steht auch das Denkmal des 14. Badischen Pionier-Bataillons, für das Kehl von 1881 bis 1918 Garnisonsstadt war. Am 8. April 1953 bot der Rosengarten den Rahmen für eine spontane und andächtige Zusammenkunft: Die Kehler Bevölkerung feierte die endgültige Übergabe der Stadt an die deutsche Verwaltung. Zur Entspannung lädt der Garten für die Sinne den Spaziergänger ein: Ganz in der Nähe des südöstlichen Altrheinufers bilden vier Flächen auf dem Gelände des Kreiskrankenhauses den Garten für die Sinne: Hier können Besucher „Ruhe“ finden, „Weite“ erleben, in „Formen und Farben“ schwelgen sowie „Riechen und Schmecken“ – so lauten die Namen der vier Themengärten, die über ein Wegequadrat verbunden sind.
Hinter der Wasserwand befindet sich ein Technikraum. In diesem wälzen vier Pumpen das Wasser um - 1620 Kubikmeter in der Stunde - und befördern es in den Kreislauf zurück.
Ein mehr als ein Kilometer langer Weg ermöglicht den Besuchern unmittelbar am Ufer des Rheins zu spazieren. Ein etwas breiterer Parallelweg ist asphaltiert und steht Radfahrern und Inline-Skatern zur Verfügung. Zwischen den beiden Wegen erstreckt sich eine weitläufige Wiesenfläche, die durch von natürlichen Weidenzäunen umsäumten Themengärten unterbrochen wird. Ein Teil der Gärten wird in jedem Jahr nach Konzepten von Künstlern neu angelegt, ein anderer Teil beschäftigt sich mit dem Thema Spielen.
Im Süden des Parks befindet sich eine Spielfläche, die „Plaine du Jeu“, in Form einer Ellipse, die Raum für unterschiedliche Aktivitäten von Sport bis Kultur bietet.
Kunstwerke von internationalem Rang bereichern die Grünanlage. Fünf renommierte Künstler – Sylvie Blocher, Andrea Blum, Tadashi Kawamata, Philippe Lepeut und Akio Suzuki – haben extra für die Straßburger Parkseite eigene Objekte geschaffen.
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