Grenzportraits jetzt als Buch

Grenzportraits in Buchform: 70 Menschen erzählen ihre Geschichte im rheinüberschreitenden Lebensraum

Was macht den rheinüberschreitenden Lebensraum Kehl-Straßburg aus? Diese Frage haben 70 Menschen von beiden Rheinseiten einer Gruppe von 15 Studierenden der Hochschule Kehl beantwortet. Während die Ausstellung der großformatigen Portraits an der Trambrücke jeweils nur die zentralen Aussagen wiedergeben kann, ist nun ein Buch erschienen, in dem die kompletten Interviews abgedruckt sind. Möglich gemacht hat dies die Rhein-Stiftung – Fondation du Rhin von Hans-Werner Hilzinger, welche die Produktionskosten übernommen hat. Am Freitag (29. April) wurde das Buch im Bürgersaal des Rathauses übergeben – für Oberbürgermeister Toni Vetrano war es die „allerletzte Amtshandlung“.

Hans-Werner Hilzinger und OB Toni Vetrano bei der Übergang des Grenzportrait-Buches im Bürgersaal des Rathauses.
Ein Buch, dessen Umschlag nur Gesichter zeigt: Die Interviews, die 15 Studierende der Hochschule Kehl geführt haben, sollen einen Beitrag zur Aufarbeitung der Ereignisse während der Corona-Pandemie im rheinübergreifenden Lebensraum leisten. Das Buch ergänzt nur die Ausstellung der Portraits mit den Zitaten auf der Trambrücke.

Dass er den Termin nach seiner offiziellen Verabschiedung noch wahrgenommen hat, zeigt die Bedeutung, die er dem Projekt beimisst: „Mit den Grenzportraits – Portraits de frontaliers haben wir etwas ganz Großes kreiert“, erklärte er vor Vertretern der Rhein- und der Bürgerstiftung, der Studierenden, der Stadt Straßburg und der Kehler Hochschule. Er habe inzwischen einige Bücher über den Grenzraum, aber es sei das erste Buch, das er in der Hand halte, „das nur Gesichter zeigt“. Menschen bräuchten die Möglichkeit zur Interaktion und zum Zusammentreffen, kam er auf die für den rheinüberschreitenden Lebensraum schwierige Zeit der Grenzschließung bei der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 zu sprechen. Anfeindungen von Französisch sprechenden Menschen, das Einkaufsverbot für Grenzpendler, auf beide Rheinseiten verteilte Familien, die sich nicht sehen konnten, Liebespaare, die getrennt waren – all das habe man nicht mehr für möglich gehalten.

Der Gründer und Vorstandsvorsitzende der Rheinstiftung Hans-Werner Hilzinger und Oberbürgermeister Toni Vetrano bei der Übergabe des Buches "Portraits de frontaliers - Grenzportraits" am 29. April im Bürgersaal des Rathauses.
Der Gründer und Vorstandsvorsitzende der Rheinstiftung Hans-Werner Hilzinger und Oberbürgermeister Toni Vetrano bei der Übergabe des Buches "Portraits de frontaliers - Grenzportraits" am 29. April im Bürgersaal des Rathauses.

Die Grenzportraits, die Interviews, welche die 15 Studierenden geführt haben, „sind Arbeit für den Frieden“, sagte Toni Vetrano, „in einer Zeit, in der in Europa wieder ein Krieg ist“. Denn die Idee zu dem von Hochschulprofessor Gert Fieguth und Annette Lipowsky von der Stadt Kehl geleiteten Fachprojekt im Bachelor-Studiengang an der Kehler Hochschule ist aus dem Wunsch entstanden, nach den durch die Corona-Einschränkungen ausgelösten Friktionen wieder zu einem positiven Lebensgefühl im rheinüberschreitenden Lebensraum beizutragen.
Weil auch Hans-Werner Hilzinger, der ein grenzüberschreitendes Leben führt und mit seiner Rheinstiftung grenzüberschreitende Projekte besonders dann gerne fördert, wenn auch junge Menschen daran beteiligt sind, ist ihm die Entscheidung, die Grenzportraits in Buchform herauszubringen leichtgefallen, wie er im Bürgersaal des Rathauses sagte. Auch er kam auf die Pandemie zu sprechen, die zum einen vielfältige Betroffenheiten, zum anderen aber auch Ressentiments ausgelöst habe. Mit dem Buch wolle seine Stiftung auch einen Beitrag zur Aufarbeitung leisten, erklärte er und lobte das Konzept, dass hier weder Politiker noch Profis der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu Wort kämen, sondern „ganz normale Menschen“ interviewt worden seien, „weil sie hier arbeiten, wohnen, zur Schule gehen oder auch nur zum Einkaufen kommen“.

Er dankte den 15 Studierenden – wie später auch Gert Fieguth und Annette Lipowsky – für ihren Einsatz, der über den bei einem Fachprojekt üblichen doch deutlich hinausgegangen ist. Professor Fieguth erklärte, wie das Fachprojekt zustande gekommen war und dass die Studierenden, auch wenn das Thema mit eigentlicher Verwaltungsarbeit kaum zu tun hatte, dabei auch Kompetenzen im Projektmanagement entwickeln sollten, die ihnen später bei der Arbeit in einer Stadtverwaltung zugutekommen. Der Dank ging auch an die Stadt Straßburg, die mit Laetitia Piccarreta eine professionelle Fotografin zur Verfügung gestellt hatte und die es Jean-Baptiste Schiber, Clara Dubourg und Sarah Mohr aus dem Bereich Relations Internationales ermöglicht hatte, die in deutscher Sprache verfassten Interviewtexte ins Französische zu übersetzen.

Informationen

Das Buch „Portraits de frontaliers – Grenzportraits“ ist bei der Tourist-Information in der Rheinstraße zu den üblichen Öffnungszeiten sowie bei der Buchhandlung Baumgärtner für eine Schutzgebühr von fünf Euro zu erwerben. Die Schutzgebühr geht an die Rhein-Stiftung – Fondation du Rhin, die Layout und Druck des Buches finanziert hat.