Innenstadtexperten zu Besuch

Französische Innenstadtexperten besichtigten Kehl

Wie es gelingen kann, Innenstädte in Sachen Verkehrslenkung und Klimaanpassung zukunftsfit zu machen und lebendig zu halten, darum ging es bei einer Tagung im Straßburger Europaparlament, an der Delegationen aus zahlreichen Städten vieler Mitgliedsgliedstaaten der Europäischen Union über mehrere Tage hinweg teilgenommen haben. Eine Gruppe hat sich dabei auch in Kehl umgesehen und sich von Oberbürgermeister Wolfram Britz und Wirtschaftsförderin Fiona Härtel durch die Innenstadt führen lassen.

Gruppenbild im Rosengarten, Besucherinnen mit OB
Aus unterschiedlichen Städten Frankreichs stammen die Innenstadtexpertinnen und -experten, die sich von OB Wolfram Britz und Wirtschaftsförderin Fiona Härtel durch die Kehler Innenstadt führen ließen.

Zwar sei der Rathausplatz mit der Ankunft der Tram und dem Bau des Bus-Rendezvous 2018 umgestaltet und städtebaulich deutlich verbessert worden, stellte der OB der französischen Delegation dar, allerdings sei der Klimawandel und damit der Umstand, dass die Zahl der heißen Tage zunehme, zu wenig berücksichtigt worden. Sein Ziel sei daher, deutlich mehr Grün in die Innenstadt zu bringen und versiegelte Flächen aufzubrechen.

Als Negativbeispiel dafür, wie er sich die Stadt nicht vorstellt, zeigte er der Gruppe die Schulstraße: zu viel Verkehr, zu wenig Bäume und Grünbereiche, kein Radstreifen. Dass sich solche Straßen, „wie es in Kehl mehrere gibt“, nicht von heute auf morgen umgestalten lassen, darüber war er sich mit den Besuchern aus anderen französischen Städten, darunter Paris und Montbéliard, einig. Nicht nur für wegfallende Parkplätze müsse eine Lösung gefunden werden, auch Haushaltsmittel müssten bereitgestellt werden.

Als gelungene Gestaltung präsentierte Wolfram Britz den Gästen den Platz vor dem Kulturhaus: Hier habe der Gemeinderat bewusst die Entscheidung getroffen, die durch den Abriss des Anbaus der ehemaligen Tulla-Realschule freigewordene Fläche nicht neu zu bebauen, sondern als Grünfläche dem Veranstaltungsplatz anzugliedern. Positiv überrascht waren die Besucherinnen und Besucher vom Rosengarten und dem Altrhein in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt. Auch die Nutzung der Parkbuchten in der Jahnstraße für die Außengastronomie gefiel ihnen gut, wobei die Frage aufkam, weshalb der Abschnitt der Jahnstraße zwischen Blumen- und Marktstraße nicht komplett für den Autoverkehr gesperrt würde.

Über den Wandel im Einzelhandel berichtete Fiona Härtel den Gästen, welche die Leerstandsquote von 2,9 Prozent in Kehl erstaunte. Auch in Frankreich kämpft der Einzelhandel mit den gleichen Problemen wie in Deutschland. Wie es gelungen ist, seit 2005 immer mehr gastronomische Betriebe auf dem Marktplatz anzusiedeln, stellte sie dabei ebenso dar, wie die Ideen, Leerstände mit Popup-Stores zu füllen und Dienstleister für Dependancen im Zentrum zu interessieren.