Warme Schlafplätze

Kälteschutz bietet wieder 15 Schlafplätze für freiwillig Obdachlose

Der Kälteschutz für freiwillig obdachlose Menschen, der im Winter 2021/2022 in Kehl Premiere gefeiert hat, kann dank großzügiger Spenden in diesem Jahr erneut eingerichtet werden. In fünf Containern, die wieder von der Firma Algeco zur Verfügung gestellt werden, finden von Montag an und voraussichtlich bis Mitte April 15 Menschen allabendlich einen warmen Platz zum Schlafen. Um die Übernachtungsgäste kümmern sich in diesem Winter Mitarbeitende des Diakonischen Werks – im vergangenen Jahr war diese Aufgabe noch von städtischen Kräften übernommen worden.

Jeweils drei Betten stehen in jedem der fünf Container – drei sind für Männer, zwei für Frauen reserviert. Geöffnet werden die Container bereits um 14 Uhr (in der letzten Winterperiode geschah dies erst um 16 Uhr). Morgens müssen die Übernachtungsgäste die Container zwischen 8 und 9 Uhr wieder sauber verlassen. An Wochenenden und Feiertagen bleibt der Kälteschutz den ganzen Tag über geöffnet.

ein Container mit geöffneter Tür, durch welche die Betten zu sehen sind; ein weiterer wird mit einem Kran gerade abgesetzt
Am Freitag, 18. November, hat die Firma Algeco die Container für den Kälteschutz für freiwillig obdachlose Menschen angeliefert und eingerichtet. Sechs Personen haben sich für die erste Übernachtung am Montag bereits angemeldet.

Wie schon in der vergangenen Wintersaison stellt die Firma Algeco der Stadt die fünf Container einschließlich der Betten und Matratzen sowie der ToiTois (inklusive der Leerung) unentgeltlich zur Verfügung. Algeco wolle das „soziale Engagement an allen Standorten vorantreiben“ und auch in schwierigen Zeiten helfen, betonte Regionalleiter Joachim Wetter bei der Anlieferung der Container am Freitag (18. November). Weitere Spenden für den Kälteschutz in Höhe von jeweils 2000 Euro kommen von der Klumpp-Stiftung, der Volksbank und der Sparkasse.

die im Bildtext genannten Personen stehend vor den Containern
Mehrere Menschen, Unternehmen und Institutionen helfen in Kehl zusammen, damit der Kälteschutz für freiwillig obdachlose Menschen eingerichtet werden kann: Patrick Jund, Gebietsleiter bei Algeco, Gabriele Gröger, Dienststellenleiterin Kehl und Achern beim Diakonischen Werk, Ute Feibicke-Voigt von der Tagesstätte für Menschen in besonderen sozialen Lebenslagen, Ingrid Oswald, Leiterin des Bereichs Soziales und Versorgung beim Landratsamt, Kai Reese, Marketingleiter von Algeco, Joachim Wetter, Regionalleiter von Algeco und Christine Lux, Leiterin des Bereichs Sozialwesen bei der Stadt Kehl.

Das Landratsamt zahlt erstmals in diesem Jahr einen Zuschuss ans Diakonische Werk im Evangelischen Kirchenbezirk Ortenau, da dessen Mitarbeitende den Schließdienst übernehmen, sich um die Übernachtungsgäste kümmern und darauf achten, dass die Nutzerinnen und Nutzer die beheizten Kälteschutzcontainer sauber halten. Das Diakonische Werk sei für den Kreis der wichtigste Partner im Bereich der Hilfe für Wohnungslose und des Erfrierungsschutzes, begründete Ingrid Oswald, Leiterin des Amtes für Soziales und Versorgung beim Landratsamt, das Engagement.

„Die Mitarbeitenden des Diakonischen Werks sind Kümmerer und Familie gleichzeitig für die Übernachtungsgäste“, freut sich Christine Lux, Leiterin des Bereichs Sozialwesen bei der Stadt, über diese Unterstützung, die gleichzeitig eine Entlastung für ihre Kolleginnen und Kollegen bedeutet. Anmelden können sich Menschen, die gerne im Kälteschutz übernachten möchten, wie im vergangenen Jahr im Café Kanne im Gemeindehaus der Sankt-Johannes-Nepomuk-Kirche. Erste Reservierungen sind dort, bei Ute Feibicke-Voigt von der Tagesstätte, bereits eingegangen, weiß Christine Lux: „Die Eröffnung des Kälteschutzes wird bereits sehnsüchtig erwartet.“

Für Gabriele Gröger, Dienststellenleiterin für Kehl und Achern beim Diakonischen Werk, ist daher die Übernahme der Betreuung eine logische Fortsetzung der Arbeit der im Juni 2021 in Kehl eröffneten Tagesstätte für Menschen in besonderen sozialen Lebenslagen. Die Übernachtungsgäste seien meist morgens in der Tagesstätte und könnten dann im Kälteschutz weiterbegleitet werden: „Das ist ein tolles Modell; das läuft Hand in Hand“, verweist sie auf die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr. In der letzten Wintersaison war Ute Feibicke-Voigt mit einem Zweitvertrag für den Kälteschutz von der Stadt angestellt worden.

Rückblick

800 Übernachtungen wurden von Mitte November 2021 bis zum 21. April 2022 bei der Premiere des Kälteschutzes gezählt; sie verteilten sich auf 27 Übernachtungsgäste. Die meisten von ihnen waren regelmäßige Nutzerinnen und Nutzer, kamen also fast jede Nacht. Auch gut erzogene Hunde durften mit ihren Frauchen oder Herrchen übernachten. In den Jahren zuvor standen obdachlose Menschen in Kehl vor dem Problem, dass sie nach Offenburg oder Straßburg fahren mussten, um einen warmen Platz für die Nacht zu finden.