Bürgerdialog im Korker Wald

Besuch im Korker Wald: Eichenerhalt und Fledermausschutz

Wie lassen sich der Fledermausschutz und die langfristige Förderung der Eichenwälder in Einklang bringen? Darüber hat Revierförster Markus Gutmann Mitglieder der Bürgerinitiative Umwelt (BI) und des Naturschutzbundes (Nabu) bei einer Stippvisite im Korker Wald informiert.

Revierförster Markus Gutmann spricht vor einer Gruppe im Wald.
Unter welchen Voraussetzungen Bäume in nassen und trockenen Böden wachsen können, erläutert Revierförster Markus Gutmann (links) den Mitgliedern des BUND und des Nabus bei einer Begehung durch den Korker Wald.

Der Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern darüber, was im Kommunalwald geschieht, ist der Stadtverwaltung ein Anliegen. Deshalb haben sich Revierförster Markus Gutmann und Guido Karsten, Leiter des städtischen Bereichs Liegenschaften, mit Mitgliedern der BI Umwelt und des Nabus zu einer Begehung des Korker Waldes getroffen. Bekanntlich handelt es sich bei weiten Teilen des insgesamt 1500 Hektar großen Waldgebietes um ein Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiet. „Entlang der Rheinschiene kommt dem Korker Wald eine übergeordnete Bedeutung für den Naturschutz zu“, berichtete Markus Gutmann. „Das ist eine große Herausforderung, die auch Verpflichtungen mit sich bringt.“ Eine dieser Verpflichtungen ist das Verschlechterungsverbot für Eichen. Inzwischen weisen landesweit rund 40 Prozent aller Eichenbäume Schäden auf. Auch der Korker Wald bildet da keine Ausnahme. Um langfristig den verschiedenen Tierarten wieder Eichen als Lebensraum zur Verfügung stellen zu können, zieht das Forstteam um Revierförster Markus Gutmann auf sogenannten Verjüngungsflächen junge Bäume nach. Zwei solcher Flächen hat die Bürgergruppe bei der Waldbegehung in Augenschein genommen. Dabei veranschaulichte Revierförster Markus Gutmann, dass Boden nicht gleich Boden ist. An Stellen mit einem hohen Grundwasserspiegel können beispielsweise nur Bäume wachsen, die in der Lage sind, längere Zeit im Wasser zu stehen, ohne dass ihre Wurzeln ersticken. Das kann passieren, wenn das Wasser die Bodenluft im Erdreich verdrängt. Zu den überwässerungsresistenten Bäumen zählen beispielsweise Erlen, Pappeln, Eschen und Eichen. Alternativ zeigte Revierförster Markus Gutmann den Interessierten der BI Umwelt und des Nabu eine Stelle im Korker Wald mit trockenem Boden. Damit hier ein klimastabiler Waldaufbau gelingt, sollten die Bäume ihre Wurzeln möglichst frei entwickeln können. „Idealerweise auch mit Baumarten, die eine Pfahlwurzel ausbilden, wie den Eichen“, sagte Revierförster Markus Gutmann. Durch diese freie Wurzelentwicklung suchen die Wurzeln bei Trockenheit in den tieferen Bodenschichten nach Wasser.

Revierförster Markus Gutmann
Revierförster Markus Gutmann erklärt, wie sich Fledermausschutz und Eichenerhalt im Korker Wald in Einklang bringen lassen.

Welchen Nutzen Eichen über das eigene Absterben hinaus als Biotopbäume haben, erläuterte der Revierförster seinen interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern am Beispiel der Bechsteinfledermaus. Vertreter der als stark gefährdet geltenden Art flattern auch durch den Korker Wald. Dort richtet sie ihre Wochenstuben, in denen sie ihren Nachwuchs großzieht, in geeigneten Bäumen ein und begibt sich zur Nahrungssuche an großkronigen Strukturbäumen auf Insektenjagd. „Wir haben kürzlich zwei Wochenstuben entdeckt, die nachweislich von Bechsteinfledermäusen stammen“, berichtete Revierförster Markus Gutmann. Die Fledertierart ist dafür bekannt, dass sie häufig ihr Quartier wechselt, und benötigt daher viele Nistmöglichkeiten. Um die flatternden Waldbewohner zu schützen, beteiligt sich die Stadt seit 2019 an einem Interreg-Programm. Eine daraus abgeleitete Maßnahme zum Fledermausschutz: Im Korker Wald sind sogenannte Eichenkorridore ausgewiesen, in denen die Tiere sowohl Quartiers- als auch weitere Habitat- und Strukturbäume finden. Quartiersbäume sind jene Bäume, in denen die Bechsteinfledermaus nistet, Habitatbäume sind potenzielle Quartierbäume mit hochwertigen Strukturen. Der Eiche kommt hierbei eine besondere Rolle zu: „Viele Tierarten sind an Eichenwälder gebunden“, sagte Markus Gutmann.

„Die Resonanz war sehr positiv“, resümierte Guido Karsten, Leiter des städtischen Bereichs Liegenschaften, die Begehung im Korker Wald. Daher soll das Format des Bürgerdialogs beibehalten werden. Termin und Schwerpunkt stehen allerdings noch nicht fest.