Abschied von OB Vetrano

Oberbürgermeister Toni Vetrano mit stehenden Ovationen aus dem Amt verabschiedet

Mit stehenden Ovationen haben gut 200 geladene Gäste Toni Vetrano am Mittwochabend (27. April) als Oberbürgermeister der Stadt Kehl verabschiedet. (Eindrücke von der Veranstaltung gibt ein Video wieder.) Er habe in Kehl Lebensqualität geschaffen, die deutsch-französische Freundschaft über die enge Zusammenarbeit mit Straßburg noch tiefer im gemeinsamen Lebensraum verankert und sein im Wahlkampf 2014 gegebenes Versprechen von Offenheit und Bürgernähe eingelöst, bescheinigte Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer in ihrer Laudatio dem scheidenden OB. Die Straßburger Oberbürgermeisterin Jeanne Barseghian betonte sein Engagement für „eine offene und konstruktive“ Zusammenarbeit mit der Europastadt. Toni Vetrano verzichtete in seiner Abschiedsrede bewusst auf einen Rückblick und fand vor allem Dankesworte für seine Wegbegleiterinnen und -begleiter.

OB Toni Vetrano sitzt neben seiner Frau Claudia, der Straßburger Oberbürgermeisterin Jeanne Barseghian  und Beigeordnetem Thomas Wuttke in der Stadthalle.
Abschied von OB Toni Vetrano in der Stadthalle - neben ihm seine Frau Claudia Vetrano, die Straßburger Oberbürgermeisterin Jeanne Barseghian und der Erste Beigeordnete der Stadt Kehl Thomas Wuttke.

Sie komme stets sehr gerne nach Kehl – „irgendwie bin ich hier ein bisschen zu Hause“, begann Bärbel Schäfer ihre Laudatio, in der sie die Alleinstellungsmerkmale der Stadt hervorhob: die Hochschule für öffentliche Verwaltung, die grenzüberschreitenden Einrichtungen und die rheinüberschreitenden Beziehungen. „Kehl ist mit Straßburg so eng verbunden, wie man es sich gar nicht enger vorstellen kann.“ Sie bekomme immer noch Gänsehaut, wenn sie an die Jungfernfahrt der Tram über den Rhein denke, an der sie am 28. April 2017 teilgenommen habe, sagte Bärbel Schäfer. „Die Tram prägt das Stadtbild“, fügte sie hinzu und lobte den Umbau der alten Tulla-Realschule zum Kulturhaus: „Unglaublich, was daraus geworden ist.“ Sie freue sich, erklärte die Regierungspräsidentin, dass das Land fünf Millionen Euro zu diesem Projekt habe beisteuern können und ging in diesem Zusammenhang auf die Sanierungsgebiete Innenstadt Ost und Kreuzmatt ein. Im ersten hat das Land die Umgestaltung des Rathausumfeldes mitfinanziert, in der Kreuzmatt seien zusammen mit der Städtischen Wohnbaugesellschaft Wohngebäude und Außenanlagen modernisiert und die Infrastruktur verbessert worden. Auch die aktive Gemeinwesenarbeit trage dazu bei, dass sich die Menschen dort wohl fühlten.

Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer am Rednerpult in der Stadthalle
Die Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer hielt die Laudatio auf den scheidenden Kehler OB Toni Vetrano.

„Als Oberbürgermeister ist man immer auch ein bisschen Sozialarbeiter“, spielte die Regierungspräsidentin auf den beruflichen Werdegang Toni Vetranos an. Seine Ausbildung habe ihm geholfen, „eine Haltung gegenüber den Menschen zu entwickeln“. Während der Pandemie sei er einer der ersten gewesen, der „gegen die Grenzkontrollen auf die Barrikaden gegangen ist“ und habe in Kehl („als eine der ersten Städte und als noch nicht klar war, wer bezahlt“), ein städtisches Corona-Schnelltestzentrum eröffnet – auch um sicherzustellen, dass die Grenzpendler aus Straßburg ihrer Testpflicht nachkommen konnten. Die Grenzregionen, stellte sie klar, „waren nie die Pandemietreiber“.

Die Straßburger Oberbürgermeisterin Jeanne Barseghian am Rednerpult
Die Straßburger Oberbürgermeisterin Jeanne Barseghian lobte Toni Vetrano für sein Engagement in der rheinüberschreitenden Kooperation.

Das Treffen mit Toni Vetrano nach ihrer Wahl Anfang Juli 2020 sei das erste ihrer Amtszeit gewesen, betonte die Straßburger Oberbürgermeisterin Jeanne Barseghian die Bedeutung, die für sie die enge Kooperation mit Kehl hat. Die regelmäßigen Arbeitsgespräche, die sie mit ihrem Kehler Kollegen geführt hat, sollten zum einen den Informationsfluss verbessern, aber auch die Reaktionsfähigkeit in Krisensituationen erhöhen. Die Anfang Dezember unterzeichnete Vereinbarung zwischen Straßburg und Kehl enthalte „neue Ambitionen“ und werde die Beziehungen zwischen den beiden Städten auf eine neue Ebene heben.

Gudrun Heute-Bluhm, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Städtetags Baden-Württemberg, überreicht OB Toni Vetrano das silberne Verdienstabzeichen des Verbands.
Gudrun Heute-Bluhm, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Städtetags Baden-Württemberg, überreicht OB Toni Vetrano das silberne Verdienstabzeichen.

Dass das Amt des Oberbürgermeisters nicht nur ein Job ist, sondern darüber hinaus Berufung sein muss, betonte nicht nur Bärbel Schäfer in ihrer Rede, sondern auch Gudrun Heute-Bluhm, die als geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Städtetags Baden-Württemberg Toni Vetrano das silberne Verdienstabzeichen des Verbandes für 20-jährige Tätigkeit an der Spitze einer Kommune überreichte. Dabei zählen die zwölf Jahre mit, die Toni Vetrano Bürgermeister in Durbach war. Im Städtetag habe sich der Kehler Oberbürgermeister als stellvertretender Vorsitzender im Sozialausschuss engagiert, berichtete sie und lies es sich als ehemalige Oberbürgermeisterin von Lörrach nicht nehmen, die Tram zu loben: „Sowas Tolles wie die Tram hätten die Lörracher auch gerne.“

Für den Gemeinderat dankte Stadtrat Wolfgang Maelger Toni Vetrano für seinen „Einsatz, seine Empathie und seine Geduld“. Man habe gemeinsame Schritte gemacht, auch wenn die Schrittlänge manchmal unterschiedlich bewertet worden sei. Toni Vetranos Credo sei immer gewesen: „Gemeinsam schaffen wir das“, er habe sehr wohl gesehen, dass der zunehmende Individualismus nicht weiterführe. Schreibwerkzeug und ein Notizbuch mit Widmung gehörten zum Geschenk der Stadträtinnen und -räte, auf dass Toni Vetrano in seinem neuen Lebensabschnitt wichtige Begegnungen und Ereignisse dokumentieren könne. Stellvertretend auch für ihre neun Kollegen überreichte die Auenheimer Ortsvorsteherin Sanja Tömmes Toni Vetrano einen Koffer, den die Ortswappen zierten sowie einen Gutschein für einen Restaurantbesuch in Kehl.
Seinen persönlichen Dank und den der Beschäftigten der Stadtverwaltung sprach Beigeordneter Thomas Wuttke dem scheidenden Rathauschef aus; der Vorsitzende des städtischen Personalrats, Karlheinz Fimeyer, bedankte sich bei Toni Vetrano, „dass er nah an den Mitarbeitern“ gewesen und sich „Zeit für die Gespräche genommen“ habe. „Man hat auch mal drüber geredet, wie man den besten Kaffee macht.“

In launigen Worten unterhielten sich der ehemalige Kehler Pfarrer Thomas Braunstein und der früherer Dekan Günter Ihle über Toni Vetrano und baten anschließend um Gottes Segen für ihn, seine Familie und die Gäste.
Musikalisch umrahmt wurde die Abschiedsfeier vom Duo GO, bestehend aus Oliver Reister und Gerd Birsner, der auch moderierend durch den Abend führte.

Dankbar und ein bisschen wehmütig verabschiedete sich Toni Vetrano nach acht Jahren im Amt von den Kehlerinnen und Kehlern und beschäftigte sich in seiner Rede folgerichtig mit dem Festhalten und Loslassen. „Wer sich in einem neuen Leben ausprobieren möchte, der muss sein altes loslassen“, sagte er und benannte den Dreiklang, der aus seiner Sicht dafür notwendig ist: „dankbar sein, für das, was war und was ist; vergeben können und annehmen, was ist“. Er freue sich auf den Neuanfang – weil er bereit sei, loszulassen und weil er die Veränderung akzeptiere, sagte er und zitierte den italienischen Schriftsteller Cesare Pavese: „Die einzige Freude auf der Welt ist das Anfangen. Es ist schön zu leben, weil Leben anfangen ist, immer, in jedem Augenblick.“ Und schloss: „Ich danke Ihnen allen für die vielen Dinge, die Sie mit mir angefangen haben, für sehr viele bereichernde Augenblicke.“
 
Die Abschiedsrede von Toni Vetrano im Wortlaut (163 KB)

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Weitere Impressionen der Verabschiedung

Für den Gemeinderat sprach Stadtrat Wolfgang Maelger und überreichte ein Geschenk an Toni Vetrano.
Für den Gemeinderat sprach Stadtrat Wolfgang Maelger und überreichte ein Geschenk.
Pfarrer Günter Ihle (links) und Pfarrer Thomas Braunstein erbitten den Segen Gottes für Toni Vetrano, seine Familie und seine Gäste.
Pfarrer Günter Ihle (links) und Pfarrer Thomas Braunstein erbitten den Segen Gottes für Toni Vetrano, seine Familie und seine Gäste.
Das Duo GO, bestehend aus Oliver Reister und Gerd Birsner, haben die Verabschiedung von Toni Vetrano musikalisch umrahmt.
Den Dank der Beschäftigten der Stadt Kehl überbrachte der Erste Beigeordnete Thomas Wuttke.
Stellvertretend für ihre Ortsvorsteherkollegen überreichte die Auenheimer Ortsvorsteherin Sanja Tömmes ein Geschenk.
Karlheinz Fimeyer, Vorsitzender des städtischen Personalrats dankte OB Vetrano für gute Gespräche.