PlakatWandKunst

PlakatWandKunst: Führungen zur rheinübergreifenden Ausstellung

„Trait d’union“ bedeutet im Französischen so viel wie „Bindestrich“. Gleichzeitig ist es der Titel der PlakatWandKunst-Ausstellung, die derzeit im Garten der zwei Ufer gezeigt wird – auf beiden Uferseiten. Die Bilderschau macht sich die verbindende Eigenschaft des titelgebenden Satzzeichens zu eigen: 33 Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland und Frankreich haben in Duos 16 großformatige aus der Literatur inspirierte Gemälde geschaffen. Für Kunstinteressierte gibt es am Sonntag, 28. Juli, ab 11 Uhr eine Führung zur grenzüberschreitenden Ausstellung. Treffpunkt ist an der Fußgängerbrücke im Garten der zwei Ufer auf Straßburger Seite. Ein weiterer Termin ist am Donnerstag, 18. August.

Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Karlsruher Verein Plakat Wand Kunst und dem Straßburger Verein Quinz’art – und gleich in zweierlei Hinsicht besonders: Erstmals entstanden die Arbeiten nicht in einem Künstleratelier, sondern während der Fête de l’Europe am 11. und 12. Mai im Garten der zwei Ufer auf beiden Rheinseite, und somit in jenem öffentlichen Raum für den sie auch gedacht sind. Ein weiteres Novum: Erstmals wird Plakatwandkunst zeitgleich im Kehler wie im Straßburger Teil des Gartens zu sehen sein.

Die Kunstwerke

Die insgesamt 16 im Format 260 auf 360 Zentimeter geschaffenen Arbeiten sind malerische Interpretationen literarischer Vorlagen und sollen das gesellschaftliche und europäische Engagement der Künstlerinnen und Künstler widerspiegeln.

Marie-Jo Daloz und Noah Pons interpretieren den Roman „Un chien à ma table“ (deutsch: Ein Hund an meiner Tafel) von Claudie Hunzinger.
Marion Sautter und Benoît Trimborn interpretieren „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ des tschechischen Schriftstellers Milan Kundera.
Ursula Krimm und Marcel Devime interpretieren das Gedicht „Enfance III (Illuminations)“ aus der Feder von Arthur Rimbauds. „Enfance“ bedeutet im Französischen Kindheit.
Christine Colin und Annick Mischler visualisieren die Textesammlung „Briefe an einen jungen Dichter“ von Rainer Maria Rilke.
Germain Roesz und Haleh Zahedi setzen sich gleich mit zwei Werken auseinander: mit „Guérir la vie. La passion d’Antonin Artaud“ über das Leben des französischen Dichters und Schauspielers Antonin Artaud, geschrieben von Jacob Rogozinksi, sowie mit „La perte que j’habite“ von Luce Guilbaud.
Damien Sayer und James Verhille interpretieren Michel Tourniers „Vendredi ou les limbes du Pacifique“ (deutscher Buchtitel: Freitag oder das Leben in der Wildnis), eine Nacherzählung von Robinson Crusoe.
Alexander Suvorov und Nathalie Franz nehmen sich als „Arrtist Duo“ der Kurzgeschichte des argentinischen Autors Jorge Luis Borges, „Der Garten der Pfade, die sich verzweigen“, an.
Petr Beranek und Maria Martin widmen sich malerisch dem Kriminalroman „Flattermann“ von Hansjörg Schneider.
Walter Jung und Werner Degreif visualisieren den autobiografischen Roman „König Alkohol“ (französischer Titel: Le cabaret de la dernière chance) von Jack London.
Jost Schneider und Peco Kawashima nehmen sich ebenfalls einem Gedicht von Arthur Rimbaud an, „Aube (Illuminations)“. „Aube“ steht im Französischen für Morgendämmerung.
Luc Demissy, Simone Reiser und Linda Kunath-Ünver sind das einzige Künstlertrio. Gemeinsam interpretieren sie malerisch zwei Werke: den Roman „Der Meister und Margarita“ des russischen Schriftstellers Mikhail Boulgakov sowie Samuel Becketts Romantrilogie-Abschluss „Der Namenlose“.
Didier Guth und Sylvie Villaume verarbeiten in ihrem Kunstwerk ebenfalls zwei literarische Vorlagen: ein Eigenwerk von Sylvie Villaume („Chant pour l’oiseau“) und das Buch „Das geheime Leben der Bäume“ von Autor und Förster Peter Wohlleben.
Auch Mike Überall und Jean-Michel Dejasmin haben sich zwei literarische Vorlagen für ihr Gemeinschaftswerk ausgesucht: den Weltkriegsroman „Arc de Triomphe“ von Erich Maria Remarque und George Orwells Reportagensammlung „Reise durch Ruinen“.
Sabine Brand Scheffel und Laurene Bartels haben ein Gemälde in Anlehnung an Stefan Zweigs Biografie „Marie Antoinette – Bildnis eines mittleren Charakters“ geschaffen.
Solweig de Barry und Johannes Mundinger interpretieren das Kindersachbuch „Wo kommen unsere Sachen her?“ von Julia Dürr.

Hintergrund

Erstmals zur grenzüberschreitenden Gartenschau 2004 wurden großformatige Kunstwerke im Rheinvorland aufgestellt. Seither hat sich die Aktion „Kunst an der Plakatwand“ verstetigt, sodass jährlich andere Gemälde die Stellwände im Garten der zwei Ufer schmücken. Ziel des Karlsruher Vereins ist es, Kunst im öffentlichen Raum zu zeigen. Die Aktion wird von der Stadt über das Kulturbüro finanziell bezuschusst.