Landschaftsplan Kehl 2004

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Die Bewältigung von Umweltschutzbelangen ist ein wichtiges Ziel der Bauleitplanung. Nach § 1 Abs. 6 Nr. 7 BauGB sind bei der Aufstellung der Bauleitpläne insbesondere die Belange des Umweltschutzes, einschließlich des Naturschutzes und der Landschaftspflege zu berücksichtigen. Der vorbereitende Bauleitplan (Flächennutzungsplan) soll Konflikte zwischen Nutzungszielen und Umweltschutzaspekten lösen helfen und die Entwicklung in Richtung auf eine umweltschonende sowie ökologisch orientierte Nutzung des Gemeindegebietes steuern und lenken. Die örtlichen Erfordernisse und Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege werden im Landschaftsplan dargestellt, der als Teil des Abwägungsmaterials die für die Fortschreibung des Flächennutzungsplans benötigten landschaftsplanerischen Grundlagen enthält.

Der Landschaftsplan als landschaftsplanerischer Fachbeitrag ist als Abwägungshilfe notwendig, um einerseits potenzielle Siedlungsentwicklungsflächen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Natur und Landschaft beurteilen und andererseits fachlich fundierte Vorschläge für die künftige Entwicklung des Planungsgebietes aus landschaftsplanerischer Sicht machen zu können.

Landschaftsplanerische Beurteilung möglicher Siedlungsentwicklungsflächen

Im Flächennutzungsplan 2004 werden neue Siedlungsflächen vorgesehen, deshalb sind Eingriffe in Natur und Landschaft zu erwarten. Vor diesem Hintergrund werden die im einzelnen vorgesehenen Bauflächen aus landschaftsplanerischer Sicht beurteilt.

Für die Kernstadt sowie für alle Ortschaften sind sowohl die innerörtlichen Freiflächen als auch die Flächen an den Ortsrändern hinsichtlich Bebaubarkeit untersucht worden. Grundlage für die Ermittlung ist eine zielorientierte Bestandsaufnahme der wesentlichen Gegebenheiten. Die landschaftsplanerische Beurteilung endet mit Empfehlungen zur Konfliktbewältigung bzw. zu sinnvollen Vermeidungs- und Ausgleichsmaßnahmen. Die Ergebnisse werden zur Ermittlung potenzieller Bauflächen herangezogen.

Für die Beurteilung der Bebaubarkeit von Innenbereichsflächen erscheinen in Kehl primär zwei Aspekte geeignet, die im Wesentlichen abwägungsrelevante Belange von Naturschutz und Landschaftspflege widerspiegeln:

  • Lebensraumqualität
  • Gestaltqualität bzw. Wohnumfeldqualität

Damit werden einerseits der Wert der Flächen als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, andererseits die gestalterische Qualität der Innenbereichsflächen bzw. ihre Bedeutung für ein charakteristisches Ortsbild und als Wohnumfeld erfasst.

Als Hauptkriterien für die Bewertung der Innenbereichsflächen hinsichtlich ihres Wertes als Lebensraum wildlebender Tiere und wildwachsender Pflanzen (Lebensraumqualität) werden betrachtet:

  • Anzahl unterschiedlicher Biotop- und Nutzungstypen
  • Vorkommen, Anteil und Größe von naturnahen, wenig genutzten bzw. gestörten Biotopen (z. B. Streuobstwiesen)
  • Vorkommen floristischer Besonderheiten
  • Vorkommen faunistischer Besonderheiten

Hinzu kommen folgende Zusatzkriterien:

  • Vorkommen von Wanderungsbarrieren für Tiere
  • Verbindung zum Außenbereich für andere Freiflächen / Biotopverbund mit dem Außenbereich
  • Störungen durch Lärm, Abgase usw.

Als Hauptkriterien für die Bewertung der Innenbereichsflächen hinsichtlich ihres Wertes für das Ortsbild und als Wohnumfeld (Gestalt-/Wohnumfeldqualität) werden betrachtet:

  • Vorkommen/Anteil von genutzten Gärten
  • Flächenanteil von blütenbunten, ästhetisch wirksamen Nutzungsformen und Strukturen (z. B. blütenreiche Bauerngärten oder Wiesen)
  • Vorkommen alter, großkroniger Bäume
  • Vorhandensein von Flächen für Kinderspiel / Spielmöglichkeiten

Hinzu kommen folgende Zusatzkriterien:

  • Zugänglichkeit des Gebietes
  • Einsehbarkeit des Gebietes
  • Störungen durch Lärm, Abgase usw.

Die Zusatzkriterien sind geringer zu gewichten als die Hauptkriterien, weil sie nur in Ergänzung zu diesen von Relevanz sind.

Zusammenfassend werden die Innenbereichsflächen hinsichtlich ihres Wertes für die Lebensraumqualität und die Gestalt-/Wohnumfeldqualität in drei Stufen (gering, mittel, hoch) bewertet. Ausgehend von den Einzelkriterien erfolgt eine Gesamteinschätzung sowohl für die Gestalt- als auch die Wohnumfeldqualität.

Im Außenbereich wird der Zustand der Schutzgüter von Natur und Landschaft nach folgenden Aspekten bewertet:

Schutzgut Boden: Bedeutung als Standort für Kulturpflanzen; Bedeutung als Standort für die natürliche Vegetation
Schutzgut Wasser: Bedeutung als Bereich mit Verschmutzungsempfindlichkeit des Grundwassers; Bedeutung als potenzielles Überschwemmungsgebiet
Schutzgut Klima/Luft: Bedeutung für die Durchlüftung der Siedlungen; Bedeutung für die Frischluftbildung
Schutzgut Arten und Lebensräume: Bedeutung für das Landschaftsbild; Bedeutung für die Erholung im Wohnumfeld

Die schutzgutbezogene Bewertung erfolgt dabei in drei Stufen (untergeordnete, mittlere und hohe Bedeutung). Im Anschluss an die Bewertung des Zustandes der Schutzgüter wird eine Wirkungsprognose vorgenommen. Für jedes Schutzgut und die jeweils betrachteten Aspekte wird aufgezeigt, welche Veränderungen bei einer Realisierung der jeweiligen Planungsabsicht zu erwarten sind. Die Veränderungen werden für jedes Schutzgut beurteilt. Als Zusammenfassung der Wirkungsprognose wird im Sinne einer Gesamteinschätzung dargelegt, ob die geplante Flächennutzung aus landschaftsplanerischer Sicht vertretbar, bedenklich oder abzulehnen ist.

Flächenpool zum Ausgleich von Eingriffen in Natur und Landschaft

Die Bewältigung der Eingriffs- und Ausgleichsproblematik soll bereits in einem frühen Stadium beginnen, nämlich bei der Aufstellung der Bauleitpläne. Der Flächennutzungsplan ist zum Einen die wichtigste bauleitplanerische Ebene für die Vermeidung von Beeinträchtigungen und zum Anderen ein wichtiges Instrument zur Sicherung von Ausgleichsflächen.

Ausgleichsflächen wurden unter Berücksichtigung der Leitbilder und Entwicklungsziele ausgewählt. Schwerpunktmäßig sind solche Flächen für einen Ausgleich geeignet, für welche die Leitbilder "Naturschutz und Wasser" oder Erholung und Erlebnis im Wohnumfeld" gelten. Daneben sind die Vorschläge aus den Biotopvernetzungskonzeptionen berücksichtigt worden. Die empfohlenen Ausgleichsflächen sollen die Schutzgüter und Funktionen möglichst umfassend ausgleichen, deren Beeinträchtigung konkret bei Realisierung der im Planungsgebiet vorgesehenen Siedlungsentwicklungsflächen zu erwarten ist. Für jede vorgeschlagene Fläche sind u. a. die räumliche Lage, die für die Planung relevante Umgebung, der Ausgangszustand und der angestrebte Entwicklungszustand (Zielbiotop) genannt. Die Zielbiotope werden nachfolgend kurz erläutert:

G: Grünland
Dieser Zielbiotoptyp wurde insbesondere für Bereiche in den Niederungen entlang von Fließgewässern oder im Bereich von Schluten und angrenzend an Altarme vorgeschlagen. Dabei soll Grünland auch eine Pufferfunktion für die angrenzenden Gewässer übernehmen. Für Bereiche, die in der Vergangenheit von Grünland in Ackerflächen umgewandelt worden sind, wurde eine Rückumwandlung in Grünland vorgeschlagen. Dies gilt insbesondere für Bereiche mit hoch anstehendem Grundwasser.

GO: Streuobst
Vorhandene Streuobstbereiche sollen arrondiert bzw. vergrößert werden. Dies gilt häufig für die Ortsränder. Neben der Wiederherstellung eines kulturhistorischen Biotoptyps wird eine Bereicherung und Gliederung der Landschaft bzw. eine Aufwertung der Ortsrandsituation angestrebt.

H: Hecke/Gehölz mit Saum
Die Neuanlage von Hecken und Gehölzen wurde insbesondere auf landwirtschaftlich schwer nutzbaren Zwickelflächen vorgeschlagen. Mit der Schaffung kleiner Gehölzinseln in der Flur soll vor allem der Gehölzbiotopverbund innerhalb des Planungsgebietes gefördert werden.

W: Wald
Auf zwei Flächen der Gemarkung Sundheim im Gewann "Sundheimer Grund" wird die Entwicklung von standortgerechtem Wald vorgeschlagen. In diesem Bereich sollen die bereits vorhandenen kleinen Waldbestände vergrößert bzw. arrondiert werden. Durch die Schaffung zusätzlicher Waldbestände wird der Gehölzbiotopverbund innerhalb des Planungsgebietes gefördert.

AF: Fließgewässer
Ziel ist die Wiederherstellung/Aufwertung von aquatischen (und amphibischen) Lebensräumen durch die Gestaltung und Renaturierung von Fließgewässern oder die Wiederbeschickung von Grabenläufen mit Wasser.

AG: Stillgewässer
Mit der Anlage von Stillgewässern in einigen Teilbereichen des Planungsgebietes sollen die Laich- und Lebensmöglichkeiten von Amphibien und Libellen verbessert werden.

Bei den vorgeschlagenen Ausgleichsflächen wird unterschieden zwischen Bereichen, die vollständig zu einem oder mehreren Biotoptyp(en) entwickelt werden sollen, und Bereichen, in denen der jeweilige Biotoptyp (G oder GO) auf einem möglichst großen Flächenanteil und an je nach Örtlichkeit flexibel festzulegenden Stellen angestrebt werden soll. Auf eine parzellenscharfe Abgrenzung der Flächen ist verzichtet worden, um innerhalb dieser Flächen im Rahmen der Umsetzung Auswahlmöglichkeiten zu schaffen. Die Abgrenzung und die Auswahl der Ausgleichsflächen ist in den politischen Gremien diskutiert und entschieden worden. Ebenso wurden auf Ortschaftsebene weitere Ausgleichsflächen vorgeschlagen, die nach Prüfung in den Flächennutzungsplan 2004 aufgenommen worden sind.

Der ermittelte Ausgleichsflächenpool bildet eine gute Grundlage, um im Rahmen der Eingriffsregelung funktional und räumlich geeignete Ausgleichsflächen zu ermitteln. So ist es z. B. möglich, bei Eingriffen in den Wasserhaushalt eine Ausgleichsfläche zu finden, auf der die entsprechenden Funktionen des Schutzgutes Wasser aufgewertet werden können.

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Landschaftspläne

 

Flüchtlingshilfe Kehl

Daten und Fakten zum Thema Flüchtlinge in Kehl sowie Informationen für ehrenamtliche Helfer sind auf der Internetpräsenz www.fluechtlingshilfe.kehl.de zusammengestellt.

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