Zahlreiche Anregungen zum Nahverkehrskonzept in der Kernstadt

Eine bessere Anbindung bestimmter Stadtteile an die Kernstadt, die leichtere Erreichbarkeit von Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Ärzten, die Berücksichtigung der Bedürfnisse von Menschen mit eingeschränkter Mobilität und die Vermeidung von Umweltverschmutzung und Lärmbelastung – bei der Auftaktveranstaltung zur Bürgerbeteiligung in Sachen Nahverkehrskonzept äußerten die rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vielfältige Anregungen und Verbesserungsvorschläge zum neuen Nahverkehrskonzept, das die Stadt gemeinsam mit dem Büro Modus Consult erarbeitet hat.

Das neue Konzept sieht vor, bestehende Regionalbuslinien und neue Stadtbuslinien miteinander zu verknüpfen. Die Ortschaften und Stadtteile der Kernstadt sollen dabei untereinander und mit der Innenstadt besser verbunden werden. Die Taktung der Buslinien soll in der Kernzeit zwischen 8 Uhr und 19 Uhr auf 30 Minuten verdichtet, verbesserte Umsteigemöglichkeiten sollen geschaffen und bislang nicht erschlossene Bereiche wie das Gewerbegebiet Auenheim und der Hafen in das Busnetz integriert werden. Rheinstraße und Schulstraße sollen entlastet werden, indem nur noch zwei Regionalbuslinien im 30-Minuten-Takt um die Fußgängerzone herum zum Bahnhof fahren und sich alle anderen Buslinien an einem Rendezvous-Halt vor dem Rathaus bündeln. Der Rendezvous-Halt gilt als Knotenpunkt mit der Tram, die von dort ab 2018 im 12-Minuten-Takt zwischen Kehl und Straßburg verkehren wird. Zentrale Bedeutung haben die Planer auch der Achse Sundheim-Kehl zugemessen, auf der künftig eine neue Stadtbuslinie viermal in der Stunde verkehren soll – so ist die Linie perfekt mit der Tram vernetzt.

Bevor Verkehrsplaner Frank Gericke den Bürgern das Konzept erläuterte, konnten Sie sich die Pläne anschauen.zoom

Anregungen und Kritik, die die Bürgerinnen und Bürger zu dem neuen Konzept einbrachten, bezogen sich unter anderem darauf, dass nur noch die beiden Regionalbuslinien 403 und 301 den Bahnhof an das Zentrum anbinden: Ralf Mohs aus Querbach, Verkehrstrainer für Menschen mit Behinderung, gab zu bedenken, dass „der wichtigste Teil von Kehl die Fußgängerzone ist“ und dass ein Bus, der im 30-Miunten-Takt die zentralen Einkaufsmöglichkeiten bediene, nicht ausreiche. Gerade für weniger mobile Menschen seien kurze Wege zum Einkaufen wichtig; außerdem könne in den Bussen eventuell zu wenig Platz für Rollstühle, Kinderwägen oder Rollatoren sein. Zudem sei die Verbindung nach Offenburg nicht ausreichend getaktet – viele Menschen, die die dortigen medizinischen Angebote nutzen möchten, seien dadurch benachteiligt. Im letzten Punkt stimmte auch Eva Martinez aus der Goldscheuerstraße mit ihm überein. Der Fokus im neuen Konzept würde zu sehr auf die Verbindung nach Straßburg gelegt, wobei der Bedarf ihrer Meinung nach eher in Richtung Offenburg gehe: „Mehr Menschen fahren von Kehl nach Offenburg als von Kehl nach Straßburg“, sagte sie. „Die Verbindung nach Offenburg ist nicht schlechter als bisher, aber auch nicht besser“, räumte Verkehrsplaner Frank Gericke daraufhin ein. Da die Umgestaltung des Nahverkehrskonzeptes jedoch im Zuge der Verlängerung der Tramlinie D von Straßburg nach Kehl geschehe, sei die Vernetzung des restlichen Nahverkehrsangebotes mit der Tram ein zentrales Ziel in der Planung. „Wir werden die Einwände bezüglich der Verbindung nach Offenburg aber in der weiteren Planung berücksichtigen“, ergänzte er und betonte, dass die Ausarbeitung des Konzeptes, wie es bei der Bürgerbeteiligung vorgestellt wurde, zwar schlüssig, aber noch nicht komplett abgeschlossen sei.

Verkehrsplaner Frank Gericke antwortet auf die Fragen der Bürgerinnen und Bürger zum Nahverkehrskonzept.zoom

Auch hinsichtlich der Linienführung zwischen Sundheim und Kehl wurden Einwände geäußert. Die beiden Regionalbuslinien 301 und 106, die bisher über die Hauptstraße ins Zentrum führten, würden nach dem neuen Konzept über die Vogesenallee und die Bierkellerstraße geleitet. „Der Schulverkehr macht den Großteil des Regionalbusverkehrs aus“, erklärte Verkehrsplaner Frank Gericke die Streckenführung für diese beiden Linien über das Schulzentrum.
Das Verkehrsaufkommen in der Vogesenallee sei ohnehin schon sehr hoch, merkte eine Teilnehmerin an: Derzeit fahren dort drei Buslinien, nach dem neuen Konzept wären es vier. Ein Bewohner des Sölling, der derzeit noch von den Buslinien 7144 und 302 bedient wird, gab zu bedenken, dass nach dem neuen Konzept nur noch eine Linie seinen Stadtteil anfahren würde. Er schlug vor, die schnelle Stadtlinie von der Hauptstraße auf den Sölling zu verlegen und stattdessen die 7144 über die Hauptstraße zu leiten.
Die Verlagerung einzelner Linien von der Hauptstraße auf die Vogesenallee habe auch den Vorteil, dass damit die Wohngebiete Niedereich, Wolfsgrube, Schneeflären und Kronenhof stärker in das Busnetz mit eingebunden werden könnten, erklärte Frank Gericke die Umgestaltung. Eine neue Stadtbuslinie würde die südlichen Stadtteile direkt anfahren und so eine auf 30 Minuten getaktete Verbindung zur Innenstadt und in andere Richtungen gewährleisten. Die bessere Anbindung werde durch die Umsteigemöglichkeiten in die weiteren Linien gewährleistet, ergänzte der Verkehrsplaner.

Auf Pinnwänden wurden die Vorschläge, Einwände und Fragen der Teilnehmenden festgehalten.zoom

„Die Stadtlinie sollte eine größere Schleife Richtung Süden fahren“, schlug ein Bewohner des Kronenhofes vor. Die Haltestelle sei relativ weit vom südlichen Teil des Kronenhofes entfernt und wenige Bewohner würden sich die Mühe machen, dort hinzulaufen, um den Bus in die Stadt zu nehmen. Frank Gericke erläuterte dazu, dass man sich auch bei diesem Punkt viele Gedanken gemacht habe. Aufgrund der engen Straßenverhältnisse und der vor allem in den Sommermonaten stark belasteten Schwimmbadstraße, sei eine andere Streckenführung äußert schwierig. „Umsetzbare Vorschläge werden jedoch gerne entgegengenommen“, fügte er hinzu.
Neben dem Kronenhof sollen auch die Gewerbegebiete Hafen und Auenheim in das Verkehrsnetz mit einbezogen werden. „Auch, wenn diese Linienführung nur eine bestimmte Personengruppe betrifft, sollte das Angebot ausgebaut werden“, meinte Frank Gericke.

Auch Bürgermeister Harald Krapp stellte sich den Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.zoom

Einige Teilnehmende, vorrangig Anwohnerinnen und Anwohner aus der Goldscheuerstraße, durch die nach dem neuen Konzept mehrere Stadtbusse verkehren sollen, äußerten Bedenken bezüglich Umweltverschmutzung und Lärmbelastung. „Ich fordere, dass die Stadt Schallschutzmaßnahmen mitfinanziert“, sagte eine Bürgerin. Baubürgermeister Harald Krapp merkte an, dass, sollte es zu nachgewiesenen Mehrbelastungen kommen, die Stadt für Lärmschutz sorgen würde. Mehrere Bewohnerinnen und Bewohner der Goldscheuerstraße schlugen außerdem vor, Kleinbusse und Elektrobusse einzusetzen, um die Luftverschmutzung zu reduzieren.
Die Faktoren Klima- und Lärmschutz würden in die weiteren Planungen mit einbezogen, sagte Harald Krapp und ergänzte, dass durch das Konzept selbst jedoch schon ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden könne: „Unser Ziel ist es, dass mehr Leute vom Auto auf den ÖPNV umsteigen.“ Durch die Verbesserung im Bussystem könnten die Fahrgastzahlen sich nach Hochrechnungen des Planungsbüros um mehr als 80 Prozent erhöhen.

Auch nach dem offiziellen Teil blieb noch Zeit für einen Austausch mit den Planern und Vertretern der Stadt.zoom

Nach der Hochrechnung von Modus Consult belaufen sich die reinen Betriebskosten für die Umsetzung des Gesamtkonzeptes auf rund zwei Millionen Euro jährlich. Wenn von diesem optimierten Konzept aber an verschiedenen Stellen Abstriche gemacht werden – etwa durch Verzicht auf die neue Linie, die den Hafen bedienen soll, den Einsatz von kleineren Fahrzeugen auf bestimmten Strecken oder eine geringere Taktung, dann senken sich die Kosten. Die preisgünstigste Variante beläuft sich auf deutlich weniger als eine Million Euro.

13.02.2016

 

Flüchtlingshilfe Kehl

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