Forderung nach Offenheit und Akzeptanz beim Forum Integration an der Tulla-Realschule

„Mein Vater erzählte immer, dass er bei seinem ersten Einkauf ein Huhn nachgemacht hat, um Eier zu bekommen. Er konnte sich noch nicht besser verständigen.“ So wie Nevim Kilinc, in Kehl geborene Tochter türkischer Eltern, und Gemeinderat Héctor Sala, Sohn spanischer Eltern, erinnern sich auch Alexander Olenberg (Kasache) oder Reisebüroinhaber Ahmet Sisman (Türke) nach vielen Jahren noch an ihre ersten Erfahrungen in Deutschland – oder an die Geschichten, die sie von ihren Eltern kennen. Am Donnerstagabend berichteten sie bei einer Podiumsdiskussion zusammen mit Oberbürgermeister Toni Vetrano und Jugendgemeinderat Alp Sisman, wie sie Integration in Kehl bislang erlebt haben. Dr. Thomas Wöhler von der Universität Konstanz lieferte mit der Präsentation einer Studie zu den Integrationsprozessen verschiedener Migrantengenerationen in Deutschland den Input zur Diskussion.

Auch OB Toni Vetrano erzählte von seinen Erfahrungen.zoom

„Mein erstes bewusstes Erleben der deutschen Kultur fand in einem Restaurant statt, wo ich fragte: Vater, ist hier jemand gestorben? Es war einfach eine so ungewohnt ruhige und gedrückte Stimmung, ganz anders, als ich es aus Spanien gewohnt war“, erzählte Héctor Sala, der mit sieben Jahren mit seinem Bruder und seiner Mutter aus dem Land „wo die Paella und die Orangen herkommen“ dem Vater nach Kehl nachgefolgt ist.
Auch für Ahmet Sisman, der mit acht Jahren aus der Türkei emigrierte, war es anfangs schwer. „Die Sprachbarriere war sehr groß. An meinem ersten Schultag kannte ich nur die Bedeutung der Worte „Ja“ und „Nein“. Doch genau diese Sprachbarriere machte den Podiumsteilnehmern bewusst, dass sie die deutsche Sprache beherrschen müssen, um sich vollständig integrieren zu können. „Das erste Jahr war knallhart“, gestand Héctor Sala, „aber das war auch meine Motivation, die Sprache zu lernen, damit ich nicht abgehängt werde und die Menschen hier verstehe.“ Auch für Alexander Olenberg, der mit 21 Jahren aus Kasachstan einwanderte, stand das Erlernen der deutschen Sprache schnell an erster Stelle: „Mir war bewusst, wenn ich etwas erreichen möchte, muss ich die Sprache lernen.“
„Integration ist ein Prozess, für den wir Geduld aufbringen müssen“, betonte Toni Vetrano, den seine Eltern wenige Monate nach der Geburt von Sizilien mit nach Deutschland nahmen. Wesentlich sei aber, überhaupt erst das Fundament für Integration zu legen.

Nanine Delmas (Zweite von links) moderierte die Veranstaltung.zoom

„Integration beruht auf Freiwilligkeit“, weiß Héctor Sala. Wichtig seien Offenheit und Neugier. Natürlich seien Ausländer anders – dennoch müsse ihnen mit Respekt und Wertschätzung begegnet werden. „Vorurteile sind normal, aber es ist wichtig, den zweiten Schritt zu machen und die eigenen Vorurteile zu überprüfen.“ Zu diesem zweiten Schritt komme es leider häufig nicht. „Vorurteile können nur durch emotionale Nähe behoben werden“, unterstrich auch Toni Vetrano. Offenheit für andere Kulturen zu fördern und darauf hinzuarbeiten, die Akzeptanz verschiedener Kulturen zu leben, das war ein gemeinsames Anliegen aller Diskussionsteilnehmer. „Ich persönlich sehe gar keinen Unterschied zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen. Von Bedeutung ist, wer ich bin und nicht, welcher Nation ich angehöre“, betonte Alp Sisman, in der Ortenau geborener Sohn von Ahmet Sisman. Es sei aber auch wichtig, über verschiedene Kulturen aufzuklären und zu wissen, warum sich jemand auf eine bestimmte Weise verhalte. Als Schlusswort der Veranstaltung fasste Ahmed Sisman noch einmal mit Nachdruck zusammen: „Wir alle sind Bürger der Stadt Kehl und wir sind gerne die Bürger dieser Stadt.“

04.03.2016

 

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