Kulturschaffende und Vereinsvertreter beschäftigen sich mit Kulturkonzeption

Diesmal waren Kulturschaffende und Vertreterinnen und Vertreter von Vereinen und der kulturellen Bildung an der Reihe: Drei Stunden lang haben sich rund 45 Workshop-Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Aula der Tulla-Realschule intensiv damit auseinandergesetzt, wie kulturelle Teilhabe gelingen kann, wie Kultur Impulse für die Stadtentwicklung geben kann, wo Kultur in Kehl Raum und Räume findet und wie Kehl ein kulturelles Profil entwickeln und kulturelle Vielfalt leben kann. Bereits im November hatten Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung und Gemeinderat bei einer ersten Kick-off-Veranstaltung Vorstellungen von der Kulturstadt Kehl im Jahre 2025 entwickelt. Ziel des Prozesses, der voraussichtlich am Montag, 25. April, für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger geöffnet wird, ist es, eine Kulturkonzeption zu erarbeiten und in der Bürgerschaft zu verankern. Idealerweise soll diese Konzeption 2017 bei einem Abschlussforum vorgestellt werden, bevor die umgebaute, historische Tulla-Realschule als Kultur- und Bildungszentrum eröffnet wird.

Obwohl in Kehl viel los sei, höre man häufig das Gegenteil: „Hier ist ja nichts los“, leitete Oberbürgermeister Toni Vetrano den Abend ein, bevor die Leiterin des städtischen Kulturbüros, Stefanie Bade, einen Überblick darüber gab, mit welchen Schwierigkeiten die Kultur in einer im Wandel begriffenen Gesellschaft zu kämpfen hat: Während noch vor wenigen Jahren Kindertheatervorstellungen restlos ausverkauft waren, „geht Kindertheater außerhalb der Schule kaum noch“, würden Jugendliche über Ankündigungen von Kulturveranstaltungen in der Zeitung nicht mehr erreicht, während das konventionelle Konzert- und Theaterveranstaltungen besuchende Publikum älter werde, fasste Stefanie Bade zusammen und zeigte damit gleichzeitig auf, dass Kehl aktiv werden muss, um 2025 als Kulturstadt sowohl bei den eigenen Bewohnerinnen und Bewohnern als auch darüber hinaus wahrgenommen zu werden.

Moderatorin und Kunsthistorikerin Elke Sieber begleitet den Prozess der Erarbeitung einer Kulturkonzeption für Kehl.

Vieles gibt es in Kehl bereits – allein: Viele Menschen wissen nichts davon. Diese Aussage zog sich wie ein roter Faden durch alle moderierten Workshops, unabhängig von deren Thema. So gebe es bereits verschiedene Apps, über die Informationen über Kulturveranstaltungen verbreitet würden, berichteten Mitglieder aus den Workshop „Kulturelle Teilhabe“, aber viele Veranstalter stellten ihre Events dort nicht ein. Kehl sei auch nicht eben arm an Orten, an denen Veranstaltungen stattfinden könnten, konstatierten die jugendlichen Workshop-Teilnehmer und schlugen vor, eine Karte der potentiellen Veranstaltungsorte zu erarbeiten, auf der gleichzeitig die wesentlichen Charakteristika aufgezeigt würden: Sind die Flächen befestigt? Gibt es Strom?

Strecken für Free Running und mehr Möglichkeiten um die Trendsportart "Parcours" auszuüben, wünschen sich Kehler Jugendliche.

Auf manchen Flächen müsse man es „für Jugendliche gemütlich machen“, erklärten die jungen Workshop-Teilnehmer: Ein Bankkreis um eine Feuerstelle im Garten der zwei Ufer könnte ein solcher Ort sein, nannten sie ein Beispiel. Für Kinder gebe es in Kehl sehr viele Angebote, für Jugendliche deutlich weniger, lautet der Schluss der Arbeitsgruppe. Sehr populär sei die Sportart „Parcours“ auch bei den Jugendlichen in Kehl, diejenigen, die sie praktizierten, wünschten sich Strecken für Free Running. Für Veranstaltungen für jugendliches Publikum wäre „ein Ort im Hafen“ ideal: Laute Musik würde niemanden stören und man könnte mit dem Fahrrad hinkommen, hieß es.

In einzelnen Workshops wurden Vorschläge zur Schärfung des kulturellen Profils erarbeitet.

Viele interessante Ecken, die es „nur“ zu beleben gelte, hat auch der Workshop „Kultur als Impulsgeberin für die Stadtentwicklung“ ausgemacht: So könnte ein Speaker’s Corner interessant sein, ein Treffpunkt, in dem Interessierte gemeinsame Aktivitäten planen könnten. Verschiedene, bestehende Räume in der Stadt könnten zum Tanzsaal werden, wo bei niedrigschwelligem Zugang Tanzgelegenheiten geboten werden könnten. Auch im Freien könnten Möglichkeiten zum Tanzen geschaffen werden oder Räume für temporäre bildnerische Kunst und Theater, hat die Gruppe herausgearbeitet. Von der Stadtplanung wünscht sie sich, dass bei Verkehrsplanung und Raumordnung auf kulturelle Veranstaltungsorte Rücksicht genommen werde: „Man muss hinkommen und parken können.“ Architektonisch habe Kehl außerdem Verbesserungsbedarf: Es fehlten „Hingucker“.

Die Workshop-Teilnehmer können auch über die Veranstaltung hinaus in Arbeitsgruppen weiterarbeiten.
Eine Liste der mit Kulturveranstaltungen bespielbaren Räume für die Gesamtstadt wünscht sich die Gruppe „Raum für Kultur“. Kultur aus der Kernstadt könnte auf Tournee durch die Ortschaften gehen, Kultur aus den Ortschaften in die Stadt kommen, schlug die Gruppe vor und bemängelte wie viele Teilnehmer anderer Workshops auch, dass Kulturinitiativen häufig gar nicht wahrgenommen würden. Damit sich dies ändert, sollten in der Stadt mehrere Werbesäulen errichtet werden. Auf einem Kunstspielplatz könnten sich Künstlerinnen und Künstler wie auch andere Kulturschaffende ausprobieren: Kunstwerke temporär aufstellen, eine Rede halten oder Musik machen, lautete ein weiterer Vorschlag. Notwendig sei auf jeden Fall ein Medium – ob online oder gedruckt –, in dem über alle kulturellen Aktivitäten, ob von städtischen oder privaten Veranstaltern, berichtet werde. Durch die lokale Tageszeitung, das brachten Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus mehreren Workshops zum Ausdruck, fühlten sie sich nicht ausreichend informiert. So wünschte sich auch die Workshop-Gruppe „Kulturelle Vielfalt“ deutlich mehr Transparenz: „Es gibt Vieles, aber die Leute wissen es nicht.“
Zahlreiche Verbesserungsvorschläge und Ideen kamen von der Gruppe "Kulturelle Teilhabe".zoom

Mehr Wir-Gefühl, mehr Zusammenarbeit der Vereine, Gruppen und Kulturschaffenden in der Kernstadt und den Ortsteilen stand ganz oben auf der Wunschliste des Workshops „Kulturelles Profil“. Die Pole, die sich aus dem Gegensatz zwischen Stadt und Land ergeben, könnten auch als Chance begriffen werden, argumentierten die Mitglieder aus der Gruppe, die das Bedürfnis nach einer Kehler Marke, einem kulturellen Alleinstellungsmerkmal für die Stadt, artikulierten. Kultur müsse wahrgenommen werden, fanden sie, der Marktplatz sei dafür ein geeigneter Ort, eben weil wahrgenommen werde, was dort geschehe. Die Wahrnehmung von Kulturschaffenden, Gruppen und Vereinen könnte durch eine einmal jährlich stattfindende Kulturbörse verbessert werden, schlugen sie vor und regten außerdem an, eine Projektgruppe Kulturmarketing zu gründen, für die sich sogleich Mitglieder meldeten.

Die Arbeitsergebnisse der Gruppe "Kulturelle Vielfalt"zoom

Doch nicht nur diese Projektgruppe will ihre Arbeit fortsetzen, auch alle anderen Themen können in kleineren Arbeitsgruppen weiter bearbeitet werden. Die Workshop-Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten sich am Ende des Abends in Listen eintragen. Die Ergebnisse solcher Gruppenarbeit „werden gleichberechtigt in den Gesamtprozess einfließen“, sagt Stefanie Bade zu.
Die Kulturverwaltung wird die Workshops nun dokumentieren und die Protokolle auf www.kultur.kehl.de bereit stellen. Bis zur nächsten Veranstaltung am Monat, 25. April, werden die Ergebnisse strukturiert und für die weitere Vertiefung aufbereitet.
Am Ende eines intensiven Abends bewerteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Veranstaltung als gelungen und dokumentierten dies am Saalausgang mit vielen lachenden Smileys.

Räume für Kultur werden dringend gesucht.zoom
Wie könnte Kehl das kulturelle Profil schärfen?zoom
Wie bei Stadtentwicklungsmaßnahmen Kultur gleich mitgedacht werden kann, erarbeitet eine der Arbeitsgruppen.

04.03.2016

 

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