Elf Bürger testen Busrouten durch die Innenstadt

Sind die Busstrecken in der Innenstadt, wie sie von den Vertretern der Stadt in Kooperation mit einem Verkehrsplaner-Büro vorgeschlagen wurden, umsetzbar? Sind die Straßen nicht zu eng; kommt der Bus ohne Probleme um alle Ecken? Zu einer Busprobefahrt mit Vertretern der Stadt, des Gemeinderates und des Verkehrsbetriebs SWEG konnten sich 25 Bürgerinnen und Bürger anmelden, um sich dessen zu vergewissern – elf nahmen das Angebot wahr. Einige von ihnen waren Mitglieder der „Initiative für Nachhaltige Mobilität in Kehl“ oder hatten schon an einer der von der Stadt organisierten Bürgerbeteiligungs-Veranstaltungen teilgenommen. In knapp eineinhalb Stunden fuhr der Bus die Stellen ab, die während der vorangegangenen Bürgerbeteiligungsabende als kritisch bewertet worden waren.

Vom Rathaus aus machte sich der zwölf Meter lange und 2,5 Meter breite Bus der SWEG zunächst über die Hauptstraße auf den Weg in die Goldscheuerstraße, bog dann in die Kanzmattstraße ab und fuhr schließlich über die Iringheimer Straße in Richtung Schwimmbad. Am Schwimmbad vorbei ging es anschließend über die Rheindammstraße am Campingplatz vorbei durch den Kronenhof zurück in die Stadt. Und nach zwei Versuchen, die Sperrungen für den Messdi so gut wie möglich zu umfahren und dem Stau auf der B 28 zu entkommen, schaffte es der Bus schließlich auch in die Nibelungenstraße und anschließend vorbei am Ortenau Klinikum zurück zum Rathaus.

Standen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei der Probefahrt Rede und Antwort: Kora Herrmann, Leiterin des Bereichs Stadtplanung, und links daneben Mischa Sydow von der SWEG.zoom

Abgesehen von Stau und Straßensperrungen kam es bei der Fahrt kaum zu Komplikationen – der Busfahrer meisterte auch die engen Ecken ohne große Probleme. So wie zum Beispiel das Abbiegen von der Goldscheuerstraße in die Friedrichstraße. Hier befürchteten die Passagiere, dass der Bus die Kurve nicht kriegen würde, lehnten sich so nah wie möglich ans Fenster, um zu sehen, wie weit der Abstand zu den parkenden Autos noch ist – bis der Fahrer den Bus langsam aber sicher in die Friedrichstraße gelenkt hatte. Der Weiterfahrt stand nichts mehr im Wege – die gut gelaunten Bürgerinnen und Bürger, die sich teils in kleinen Gruppen zusammengesetzt oder sich unter die Vertreter der Stadt gemischt hatten, konnten ihre Gespräche fortsetzen.
Der Plan, die Busse durch die Goldscheuerstraße fahren zu lassen, war von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Beteiligungs-Veranstaltungen zum Nahverkehrskonzept rege diskutiert worden. Anwohner hatten befürchtet, dass es durch die Busse zu laut werde. Zudem sei die Straße zu eng. Ähnliches gelte für die Bierkellerstraße, die Alte Zollstraße und die Friedrichstraße, in denen nach dem Entwurf der Stadtplaner auch der Bus verkehrt. Um die Goldscheuerstraße zu entlasten, hatten die Bürgerinnen und Bürger deshalb vorgeschlagen, die Bierkellerstraße für Pkw als Einbahnstraße auszuweisen, die Busse aber in beide Richtungen verkehren zu lassen. Außerdem hatten sie angeregt, das angedachte Einbahnstraßensystem in der Friedrichstraße und der Alten Zollstraße umzudrehen, damit der Bus die verschiedenen Ziele in der Innenstadt besser erreicht. Bei dieser Idee blieben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Busprobefahrt – und auch bei der, den Busverkehr aus der Goldscheuerstraße herauszuhalten, obwohl es dort nicht zu Komplikationen gekommen war. „Wenn hier mehr Betrieb ist und mehr Autos am Straßenrand parken, wird es sicher zu eng“, argumentierten sie.

Schauten ganz genau hin: Die Fahrgäste bei der Busprobefahrt durch die Innenstadt.zoom

Bei der Streckenführung durch die Schwimmbadstraße, die Rheindammstraße und den Kronenhof – diese hatten sich mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Beteiligungs-Veranstaltungen gewünscht – waren sich die Fahrgäste nicht einig, ob dieser Vorschlag eine gute Idee war. Obwohl dem Bus bei der Probefahrt auch hier der Weg nicht blockiert wurde, äußerten Einige Bedenken. Pkw mit Wohnwagen-Anhänger, die zum Campingplatz fahren oder diesen wieder verlassen, hätten aktuell schon Schwierigkeiten, durch die Rheindammstraße in die Schwimmbadstraße zu kommen, sagte eine Kehlerin. Kämen in der Freibad-Hochsaison auch noch die Busse hinzu, gehe hier gar nichts mehr. SWEG-Vertreter Mischa Sydow stimmte dem zu und ergänzte, dass die gesamte Schwimmbadstraße im Sommer zum Nadelöhr werde: „Wenn im Freibad Hochbetrieb herrscht, ist hier kein Durchkommen mehr“, sagte er.

Ein letzter Streckenabschnitt, den die Bürgerinnen und Bürger abfahren wollten, war die Nibelungenstraße, die in die Kanzmattstraße übergeht und somit zum Ortenau-Klinikum führt. Gegenüber den Stadtplanern hatten sie den Wunsch geäußert, dass die Busse in Zukunft das Wohngebiet „Insel“ und das Ortenau Klinikum direkt anfahren. Ob dies auch möglich ist, sollte bei der Busprobefahrt überprüft werden. Dabei ging es vor allen Dingen um das Abbiegen von der Kanzmattstraße in die Bierkellerstraße. Der Bus musste dabei um eine scharfe Kurve fahren, was dem Fahrer nur schwer gelang. Nur langsam manövrierte er den Bus um die Ecke. Ob die Route mit der Streckenführung über die Insel und das Ortenau Klinikum tatsächlich so umsetzbar sei, müsse noch geprüft werden, kommentierte Kora Herrmann diesen Abschnitt der Probefahrt.
„Mit der Busprobefahrt wollen wir den Bürgern zeigen, dass die Streckenführung funktioniert“, erklärte die Leiterin des Bereichs Stadtplanung, nachdem der Bus wieder am Rathaus angelangt war, „daraus leite ich aber noch kein Verkehrskonzept ab“. Noch sei nichts in Stein gemeißelt. Vor der Sommerpause beschließe der Gemeinderat zunächst, wie viel Geld in das Nahverkehrskonzept investiert werden könne. Erst danach berate man über Details.

Nach der Fahrt blieb noch Zeit für Diskussionen und Fragen.zoom

Nachdem der Bus wieder am Rathaus gehalten hatte, blieb den Fahrgästen noch Zeit, Kora Herrmann, Bürgermeister Harald Krapp und Mischa Sydow von der SWEG Fragen zu den Planungen zu stellen: Hier werden sie erläutert:

Kann die Karlstraße bis zur Vogesenallee durchgängig gemacht werden?

Die Anregung von den Bürgern und auch aus der Bürgerwerkstatt wird derzeit geprüft. Der Fußweg zwischen den Beruflichen Schulen und der Vogesenallee könnte ausgebaut werden, damit die Straße um den letzten Abschnitt verlängert werden kann und somit bis zur Vogesenallee führt.

Gibt es auch größere Busse als den, mit dem die Probefahrt gemacht wurde?

Ja. Gelenkbusse haben eine Länge von 18 Metern, sind also sechs Meter länger als der Bus, der bei der Busprobefahrt eingesetzt wurde. Allerdings sind Gelenkbusse auch wesentlich flexibler, wenn es um das Abbiegen geht. An den kritisierten Stellen in der Alten Zollstraße, der Friedrichstraße und der Goldscheuerstraße sollten sie also auch keine Probleme haben, um die Ecken zu kommen.

Ist es wahrscheinlich, dass in der ganzen Innenstadt Tempo 30 eingeführt wird?

Nein. Bei Tempo 30 in der ganzen Innenstadt würden Autofahrer eventuell nicht mehr die Hauptstraße als Durchfahrtstraße nutzen, sondern einen schnelleren Weg durch die Wohngebiete suchen, in denen weniger Verkehr ist. Hier muss sehr genau überlegt werden, fest steht noch nichts.

Kann man in der Bierkellerstraße Schutzstreifen für Radfahrer markieren und die Busse weiterhin in beide Richtungen verkehren lassen?

Nein. Die Straße ist zu eng. Die Einrichtung von Schutzstreifen und die gleichzeitige Beibehaltung der Verkehrsführung in beide Richtungen sind nicht möglich.

Kann man in der Bierkellerstraße Tempo 30 einführen?

Ja. Das ist von den Planern so vorgesehen.

Der Fahrer manövrierte den Bus sicher auch durch die engsten Ecken.zoom

11.05.2016

 

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