Durch neues Walzwerk ist das Stahlwerk leiser geworden

Sowohl was den Ausstoß des Treibhausgases CO2, als auch was den Lärm angeht: Die Badischen Stahlwerke (BSW) haben in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, um sauberer und leiser zu werden. Dass dies beim Lärm gelingen konnte, ist auch der größten Investition in der Geschichte der BSW zu verdanken: dem Bau des neuen Walzwerks II. Die neuen Anlagen stellte die BSW-Geschäftsleitung Oberbürgermeister Toni Vetrano beim alljährlich stattfindenden Umwelt-Dialog ebenso vor, wie die jüngsten Umweltdaten.

Weil zur Marktentwicklung neue Abmessungen und Qualitäten produziert werden sollten, fiel bei den Badischen Stahlwerken im Frühjahr 2011 die Entscheidung, die veralteten Anlagen und deren Steuerungstechnik zu ersetzen und ein neues Drahtwalzwerk zu errichten. 2012 wurde mit dem Bau der Produktionshalle mit einer Nutzfläche von 12 000 Quadratmetern sowie mit der Errichtung von rund 6 000 Quadratmeter Gebäudeflächen für Nebenanlagen begonnen; im Frühjahr 2014 liefen die neuen Anlagen an. „Das war eine sehr stramme Zeit“, erklärte der Technische Leiter Reiner Hagemann OB Vetrano, Baubürgermeister Harald Krapp, Umweltreferentin Sabine Wörner und Wirtschaftsförderin Fiona Härtel.
Nur weil die Gesellschafter unter Verzicht auf Gewinnausschüttung Eigenkapital gebildet hätten, habe man das neue Walzwerk bauen können, erklärte BSW-Mitgesellschafter Horst Weitzmann. Drei Jahre lang sei man durch das Tal der Tränen gegangen: „So eine Anlage können Sie nicht kaufen und dann auf den Knopf drücken.“ Weil die Gewinne aus den guten Jahren „nicht in Porsches, Flugzeuge oder Yachten“ geflossen, sondern im Unternehmen geblieben seien, habe man auch in Zeiten der Krise die Arbeitsplätze sichern und der Jugend eine Perspektive bieten können. Zwei Jahre lang hätten die BSW Verluste „im hohen zweistelligen Millionenbereich“ verkraften müssen – 2014 hätten durch die Umstellung auf das neue Walzwerk nur 800 000 anstatt 1,45 Millionen Tonnen Walzdraht produziert werden können, ergänzte Geschäftsführer Markus Menges. 2015 habe man eine Produktion von 1,3 Millionen Tonnen Walzdraht erreicht, 2016 strebe man 1,5 Millionen Tonnen an. Das neue Walzwerk müsse aber noch mehr können, prognostizierte er.

Das neue Walzwerk ist die größte Investition in der Geschichte der Badischen Stahlwerke.zoom

Das neue Werk wurde nicht nur so ergonomisch wie möglich konzipiert, „in die Fassade wurde alles eingebaut, was man an Schallschutz einbauen kann“, erläuterte Reiner Hagemann. Sechs Millionen Euro haben die BSW allein für den Lärmschutz am neuen Walzwerk ausgegeben – bei einer Hallenspannweite von 58 Metern sei dadurch viel Gewicht durch mächtigere Stahlträger zu verkraften gewesen.
Wie bei den Schadstoffemissionen halten die BSW auch beim Lärm alle Grenzwerte ein, ergänzte Torsten Doninger, der Chef der Umweltabteilung; „dennoch wird man die Badischen Stahlwerke immer wahrnehmen“. Seit Jahren werde in Auenheim an vorgeschriebenen Messpunkten der Lärm immer wieder gemessen; in der Neudorfstraße unterhalte man eine Dauermessstelle, um „unangenehme Überraschungen auszuschließen“. Beschwerden über Lärm gebe es kaum noch. 2015 und 2016 erstellen die BSW darüber hinaus ein Lärmkataster, wobei die Ausbreitung des Schalls aller Lärmquellen kartiert wird. Zugrunde gelegt werde dabei die lauteste Nachtstunde und die für Auenheim ungünstigste Windrichtung, erläuterte Torsten Doninger.

Trafen sich bei den Badischen Stahlwerken zum jährlichen Umweltgespräch: die Leiterin des Bereichs Umwelt bei der Stadt Kehl, Sabine Wörner, Wirtschaftsförderin Fiona Härtel, BSW-Geschäftsführer Markus Menges, OB Toni Vetrano, der Chef der BSW-Umweltabteilung Torsten Doninger, Melt Shop Manager Andreas Volkert,  Baubürgermeister Harald Krapp und der Technische Leiter der BSW Reiner Hagemann.zoom

Den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid hätten die Badischen Stahlwerke von mehr als 73 Kilogramm 2005 auf unter 57 Kilogramm 2015 reduzieren können – jeweils auf die Tonne Stahl bezogen, berichtete Markus Menges. Er gehe davon aus, dass es in Europa kein Stahlwerk gebe, das weniger CO2 emittiere. In China fielen pro Tonne Stahl 1,4 Tonnen CO2 an. Nicht nur Europa-, sondern Weltmeister seien die Badischen Stahlwerke, was die Staubemissionen angehe: „Weniger geht nicht mehr“, stellte Markus Menges klar. Beim Dioxin werden seit Jahren stabil die Grenzwerte von 0,1 Toxizitätsäquivalenten pro Normkubikmeter sicher eingehalten – die von den BSW entwickelte Dioxinfalle werde längst an andere Stahlwerke verkauft. Nur beim Quecksilber habe man keine Fortschritte erzielen können: Weil es im Schrott enthalten sei, hätten die BSW darauf keinen Einfluss, trotzdem blieben auch hier die kontinuierlichen Messwerte unter den vorgeschriebenen Grenzwerten.
Bereits 2014 hatte Markus Menges im Gespräch mit Oberbürgermeister Toni Vetrano die Befürchtung geäußert, dass bei der Stahlherstellung anfallende Elektroofenschlacke vom „Umsatzbringer zum Kostenträger“ werden könnte. Diese Annahme sieht der Geschäftsführer mehr und mehr bestätigt und fürchtet überdies, dass die neue Ersatzbaustoffverordnung des Bundes die Nutzung der Schlacke weiter einschränken könnte. Deshalb versuchten die BSW die Qualität der rund 350 000 Tonnen Schlacke, die jährlich anfallen, durch Detektieren und Trennen der Inhaltstoffe zu verbessern und überlegen, ob eine Lösung darin bestehen könnte, eine Garantie für den Baustoff abzugeben.
Oberbürgermeister Toni Vetrano zeigte Verständnis dafür, dass sich die BSW im Spannungsfeld zwischen Ökologie und Ökonomie bewegten und betonte, wie wichtig es gerade in diesem Zusammenhang sei, dass Stadt und Badische Stahlwerke „im Dialog bleiben“. Darüber hinaus regte er an, auch mit dem kompletten Gemeinderat einen Gesprächstermin zu organisieren.

04.08.2016

 

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