Von der historischen Tulla-Realschule ist nur noch der Rohbau übrig

Abgeschlagener Putz, freiliegende Backsteinwände, geöffnete Decken, die ihr Betongerippe preisgeben, offene Fensterlöcher: Von der historischen Tulla-Realschule ist nur noch der Rohbau übrig. Seit die Arbeiten zum Umbau des ehemaligen Schulgebäudes zum Kultur- und Bildungszentrum begonnen haben, haben die Bauunternehmen hauptsächlich abgerissen. Die ehemalige Tulla-Realschule wird für 6,3 Millionen Euro von der Stadt im Einklang mit dem Denkmalschutz umgebaut und saniert. Ende 2017 sollen die Musikschule, die Volkshochschule, ein Ableger der Jugendkunstschule Offenburg und das städtische Kulturbüro einziehen. Außerdem entstehen ein Veranstaltungsraum mit etwa 120 Plätzen sowie ein Kultur-Café. Im Dachgeschoss sind im Ostflügel Künstlerateliers möglich.

Bis auf die Tragkonstruktion komplett entkernt und offen bis in den First ist das Dachgeschoss des früheren Realschulgebäudes. Das Dach wird aufgedoppelt und neu gedämmt. Auf die Dachfenster, die es früher offensichtlich gab, will Christian Castner, Architekt beim städtischen Gebäudemanagement und Planer des Tulla-Umbaus, weitestgehend verzichten. „Durch die großzügigen Gaupen ist es in den einzelnen Räumen hell genug.“ Während das Dach energetisch saniert wird, benötigt die Fassade aufgrund der dicken Wände keinen Vollwärmeschutz: Im Keller beträgt die Wandstärke etwa 60 Zentimeter, in den darüber liegenden Geschossen immer noch 50 Zentimeter.
Die breiten Risse, die sich in allen Geschossen an den immer gleichen Stellen durch die Wände ziehen, beunruhigen Christian Castner nicht. Weil das historische Gebäude dort steht, wo früher die Kinzig verlief, können solche Setzungen entstehen. Der Architekt hat das Gebäude in einen Ost-, einen Mittel- und einen Westteil aufgeteilt und mit riesigen Sägen mit Sägeblättern von 1,40 Metern Durchmesser komplett durchsägen lassen. Die so entstandenen Trennungen werden als Dehnungsfugen ausgebildet. An manchen Stellen muss das Gebäude jedoch mit Betonplomben unterfangen werden, um weitere Setzungen zu vermeiden.

Die enormen Risse, die sich durchs gesamte Gebäude ziehen, sind durch Setzungen entstanden.

Im Dach klafft ein großes Loch, das sich durch alle Etagen zieht. Es dient zum einen der Versorgung des Gebäudes während der Bauphase – mit einem Kran wird Baumaterial ins Gebäude gehoben. Später wird an dieser Stelle der Aufzugsschacht errichtet; das Kultur- und Bildungszentrum wird eine barrierefreie Einrichtung sein. Auch der zentrale Leitungsschacht wird im Bereich des Aufzuges angelegt.

Der Aufzugsschacht zieht sich bereits durchs komplette Gebäude.

Die Treppen im Schulgebäude sind unter Holzplatten verschwunden – mit den Planken werden sowohl die Granitplatten auf den Stufen als auch der Handlauf des Geländers geschützt; beides soll erhalten werden. Das Gleiche gilt für die Waschbecken im Jugendstil, die in jeder Etage an einer Flurwand angebracht waren. Sie werden von stabilen Holzverschlägen umfangen, um sicherzustellen, dass sie während der Bauarbeiten nicht beschädigt werden. Erhalten werden sollen – falls irgend möglich – auch die gestuften Decken, die den künftigen Veranstaltungsraum prägen, aber auch im Flur davor noch vorhanden sind. Im Veranstaltungsraum dient die den Schall brechende Stufung auch der Akustik.
Die ehemalige Aula der Schule und der spätere Veranstaltungsraum birgt vor allem aus statischen Gründen „eine große Herausforderung“, sagt Christian Castner. Um 130 Quadratmeter Fläche für den Zuschauerraum erhalten und eine Bühne einbauen zu können, muss eine tragende Wand entfernt und durch einen Betonrahmen ersetzt werden. Eine derartige Spange ist auch in anderen Teilbereichen erforderlich und aufgrund der Erdbebensicherheit notwendig. Insgesamt entstehen so für den Veranstaltungsbereich rund 260 Quadratmeter Fläche; der hinter der Bühne notwendige Raum und die Künstlerumkleide mit Dusche sind darin bereits enthalten. Der Zuschauerraum erhält überdies eine zweieinhalb Meter breite Öffnung, damit der Flur bei Veranstaltungen, bei denen bewirtet wird, mit genutzt werden kann. Direkt gegenüber liegen die künftigen Büroräume des städtischen Kulturbüros.

Die gestufte Decke im Veranstaltungsraum soll erhalten werden.

Um eine großzügige Eingangshalle zu erhalten, wird die Decke zum ersten Obergeschoss entfernt. Für das Kulturcafé werden Wand und Decke herausgenommen, so dass ein ebenerdiger Eingang zum Blumenplatz hin geschaffen werden kann und eine Bewirtung auch im Freien möglich ist. Die Fassade wird zum Blumenplatz im Bereich der vorhandenen Fenster geöffnet. Auf einer Art Empore entsteht eine Fläche von etwa 95 Quadratmetern für das Café, eine halbe Etage weiter unten kann auf einer Fläche von 70 Quadratmetern ebenfalls bewirtet werden. Der Aufzug fährt in diesem Bereich eine halbe Etage hoch. Im Bereich des Haupteingangs von der Läger-Seite wird im Innern eine Situation geschaffen, die der im Hauptgebäude der Großherzog-Friedrich-Kaserne ähnelt – eine sehr großzügige Öffnung in der Fassade bietet zusätzlich eine helle Eingangssituation, in der auch Ausstellungen denkbar sind.

Mit einem kleinen, strombetriebenen Bagger wird im Keller des historischen Gebäudes in die Tiefe gegraben.

Im Keller wird mit einem kleinen, strombetriebenen Bagger heftig gebuddelt. Für die Unterfangung der Betonspangen in den Obergeschossen wird bis unter die Mauern gegraben – die Löcher werden mit Beton ausgegossen. Die Bodenplatte wurde komplett entfernt, damit das Gebäude auf diese Art abschnittsweise unterfangen werden kann. Anschließend wird die Bodenplatte neu betoniert.

Massive Holzkästen schützen die Jugendstil-Waschbecken, die auch im sanierten Kultur- und Bildungszentrum die Flure schmücken sollen.
Komplett entkernt wurde das Dachgeschoss der ehemaligen Realschule.

19.08.2015

 

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