Alle Eschen sind krank: 280 Hektar Waldfläche sind betroffen

Auf 40 Prozent der Fläche des Kehler Stadtwaldes wachsen eschenreiche Mischwälder mit einem Eschenanteil von mehr als 40 Prozent. „Krank sind inzwischen alle“, sagt Förster Markus Gutmann, dem europaweit voranschreitenden Eschentriebsterben widerstehen höchstens einzelne Bäume. 2006/2007 waren erste Anzeichen des Befalls mit dem Pilz, der über die Blattansatznarben eindringt, an Eschen im Kehler Stadtwald festgestellt worden, inzwischen konzentriert sich der Einschlag zu 80 Prozent auf die kranken Bäume – von anderen Baumarten wird nur gefällt, „was dringend nötig ist“, erklärt Markus Gutmann. Schließlich bildeten diese Bäume das Gerüst für den Waldbestand der nächsten 20 bis 50 Jahre. Solange sich andere Lösungsmöglichkeiten bieten, wird vom Kahlschlag ganzer Flächen in Kehl daher weiterhin abgesehen.

Wollte man alle kranken Eschen aus dem Kehler Stadtwald entnehmen, müssten auf großen Flächen auch die gesunden Stiel- und Roteichen, Hainbuchen, Ahornbäume, Erlen und Linden gefällt werden. „Ich will mir nicht vorstellen, dass wir 40 Prozent des Kehler Waldes in den nächsten zehn Jahren als Kahlfläche haben“, erklärt Markus Gutmann, warum sich die Stadt für ein anderes Vorgehen entschieden hat. „Wenn man alles abräumt, hat man in 50 Jahren keinen Ertrag“, ergänzt er. Dazu kämen hohe Kosten für die Neupflanzungen und den zugehörigen Verbissschutz. Darüber hinaus würde man durch einen Kahlschlag den Lebensraum für Fledermäuse, zahllose Käfer und andere Insekten zerstören.

Förster Markus Gutmann zeigt einen Roteichensämling im Korker Wald.zoom

20 Prozent mehr Holz als in gewöhnlichen Jahren wurde im vergangenen Jahr im Stadtwald bedingt durch das Eschentriebsterben geschlagen. In Absprache mit den Ortschaften setze man da an, „wo wir noch etwas bewirken können“, sagt Markus Gutmann. Entnommen werden einzelne Eschen möglichst so, dass Lichtschächte entstehen, in denen Sämlinge im Halbschatten aufgehen können. Auf einem Waldstück auf Korker Gemarkung zeigt Markus Gutmann winzige Ahornbäumchen, Linden, Roteichen, Flatterulmen, Hainbuchen und auch junge Eschen. Ein Stückchen weiter, wo die Sonne ungehindert auf den Waldboden brennt, wächst indes nur Gras, das den Baumsämlingen keine Chance lässt.

Ahornbäume werden in der Vegetationsperiode von den Waldarbeitern gezielt abgeknickt, damit die durch die Naturverjüngung nachwachsenden Eichen eine Chance bekommen.zoom

An einer anderen Stelle verjüngt sich der Wald genauso, wie es sich Markus Gutmann wünscht: Dort sind Rot- und Stieleichen bereits bis auf Hüfthöhe herangewachsen. Mit ihren Pfahlwurzeln kommen die Eichen auf dem nassen Standort mit seinem schweren, lehmigen Boden gut zurecht. Das entspricht exakt dem Ziel, den Anteil der Eichen im Stadtwald zu erhöhen. Dass sich hier die Naturverjüngung so gut entwickeln kann, ist „ein Verdienst der Jäger im Korker Wald“, lobt der Förster, „sie setzen um, was wir gefordert haben“. Seit die Jäger mehr Rehwild erlegen, „sehen wir den Erfolg“, sagt Markus Gutmann und berichtet, wie er schon ein Reh samt Kitz gesehen hat, das im Dickicht der Naturverjüngung Deckung gesucht hat – unweit des nächsten Waldweges.

Grüne Kronen können über den wahren Zustand der Eschen hinwegtäuschen: Im Kehler Stadtwald sind inzwischen alle krank.zoom

Auch die Selbstwerber können einen Beitrag dazu leisten, dass sich der Wald selber regenerieren kann: Wenn Reisig und dünne Äste als Geflecht liegen bleiben, dann finden junge aufstrebende Bäumchen darunter Schutz vor dem Rehwild. Markus Gutmann weist auf Ahornbäume hin, die seine Mitarbeiter in der Vegetationszeit bewusst geknickt haben, damit „die Eichen den Konkurrenzkampf gewinnen können“.
Dennoch können diese positiven Waldbilder nicht darüber hinwegtäuschen, dass das rasche Absterben der Eschen sich weiter beschleunigt: Zwar hat der heiße und trockene Sommer 2015 dazu beigetragen, dass die Pilzinfektion geringer ausgefallen ist und die Eschen teilweise wieder ausgetrieben haben, doch grüne Kronen täuschen häufig über den wahren Zustand der Bäume hinweg: Weil der Pilz, der das Eschentriebsterben verursacht, auch die Baumrinde beschädigt, kann der Hallimasch dort eindringen und das Holz zersetzen. Betroffene Eschen können dann unvermittelt umstürzen – eine große Gefahr vor allem für die Waldarbeiter. Längst sind vom Eschentriebsterben nicht mehr nur junge Bäume betroffen, sondern auch einst starke ältere: Der Sturm am Fastnachtsmontag und –dienstag hat deutlich mehr Eschen umgerissen, als Markus Gutmann vermutet hätte.

Anschauungsunterricht für Waldarbeiter: Vom Hallimasch zersetzt, von der Stockfäule befallen: Das Arbeiten in Waldbeständen mit Eschen ist gefährlich, weil selbst alte und vermeintlich starke Bäume einfach umstürzen können.zoom

Die Wurzelfäule und der Umstand, dass die Stämme der Eschen teilweise von unten her bereits durch Stockfäule infolge der Überalterung ausgehöhlt sind, macht die Arbeit der Waldarbeiter sehr gefährlich. Sie klopfen auf den Stamm und kratzen die Wurzeln an, bevor sie die Säge ansetzen. Außerdem sind die Arbeiter zu ihrer eigenen Sicherheit angehalten, ein höheres Stammstück stehen zu lassen und beim Fällen weiter oben am Stamm anzusetzen.

Wie schlecht es auch um große Eschen steht, zeigt dieser Wurzelballen: Wurzelfäule und Pilzbefall haben den Baum zum Umstürzen gebracht.zoom

07.09.2016

 

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