Wer Bauplätze ausweisen will, braucht Punkte auf dem Ökokonto

Wenn die Stadt ein neues Baugebiet erschließen möchte, braucht sie nicht nur Geld, um Straßen und das Versorgungsleitungsnetz herzustellen, sie braucht auch Punkte auf dem Ökokonto. 382 000 Ökopunkte kostet zum Beispiel das Baugebiet Lummertskeller in Kork, 145 000 Morgenäcker II in Goldscheuer. Für das innerstädtische Baugebiet Schneeflären muss die Stadt 1,538 Millionen Ökopunkte aufwenden. Der Wert ist nur deswegen nicht noch höher, weil auch innerhalb von Schneeflären ökologische Ausgleichsmaßnahmen erfolgen werden.

Wer heute einen Bebauungsplan aufstellt und damit in Natur und Landschaft eingreift, „muss einen Ausgleich schaffen“, erläutert die Leiterin des Bereichs Umwelt bei der Stadt. Dies könne geschehen, indem für jedes Baugebiet direkt ökologische Ausgleichsmaßnahmen vorgenommen würden, „das ist aber nicht so komfortabel“, sagt Sabine Wörner. Die Stadt geht eher den Weg, im Vorfeld ökologisch sinnvolle Maßnahmen umzusetzen und auf diese Weise Punkte zu sammeln, die dann auf dem sogenannten baurechtlichen Ökokonto gutgeschrieben werden. Im Durchschnitt sind, nach den Erfahrungswerten der Stadt, je Quadratmeter Nettobauland acht bis 14 Ökopunkte nachzuweisen – abhängig von der Dichte des Gebiets und davon, ob im Gebiet selbst ökologisch wirksame Maßnahmen – wie etwa Dachbegrünungen – ergriffen werden.
Die im 19. Jahrhundert angewandte und 2009 wiederbelebte und seither jährlich erfolgte Wiesenwässerung in Kittersburg war beispielsweise eine solche Maßnahme: Mit dem systematischen Bewässern der Wiesen im zeitigen Frühjahr werden Nährstoffe aus der Schutter über den Boden gespült, gleichzeitig gelangen dadurch zahlreiche Kleinstlebewesen an die Erdoberfläche, die für viele Vögel ein reichhaltiges Nahrungsangebot darstellen. Durch die Wiesenwässerung konnte eine Ansiedlung feuchtigkeitsliebender Arten wie der Sumpfscharfgabe, der Wiesensilge, des großen Feuerfalters oder des Springfrosches erreicht und das Areal damit langfristig noch weiter ökologisch aufgewertet werden.

Die Wiesenwässerung in Kittersburg ist eine ökologisch wirksame Maßnahme, die auf dem Ökokonto der Stadt gutgeschrieben werden kann.zoom

1,2 Millionen Ökopunkte hat die Stadt für die größte Maßnahme gutgeschrieben bekommen, die sie bislang umsetzen konnte. Weil der Pächter die Flächen darüber hinaus extensiv bewirtschaftet, kamen weitere 1,2 Millionen Punkte aufs Ökokonto. Punkte gab es auch für die Entbuschung der Flächen im Bereich des Korker Forts Bose, die der Pächter übernommen hat.
Allerdings versuche die Stadt, erläutert Sabine Wörner, der Landwirtschaft so wenig Flächen wie möglich zu entziehen. „Die Landwirtschaft ist durch neue Baugebiete ohnehin schon gebeutelt.“ Politik der Stadt sei es daher, in enger Abstimmung mit den Landwirten Ausgleichsmaßnahmen zu finden und zu entwickeln. Ein Beispiel dafür sind die geplanten Amphibientümpel. Fünf, vielleicht auch sechs Teiche sind für das kommende Jahr geplant, losgehen soll es in Zierolshofen. Am Rand von Gräben oder auf einer zuvor von Büschen befreiten Fläche sollen die nur 30 bis 50 Zentimeter tiefen Tümpel entstehen. Die Mulden sind als Laichgewässer vorgesehen; im Sommer werden sie austrocknen, so dass sie von den Landwirten einfach mitgemäht werden können.
Pro Teich rechnet Sabine Wörner mit 40 000 Ökopunkten, sollten der Laubfrosch oder die Kreuzkröte die Mulden zum Laichen nutzen und drei Jahre hintereinander nachgewiesen werden können, dann könnte der Punktestand auf dem städtischen Ökokonto um weitere 80 000 Punkte pro Art und damit auf maximal 200 000 Ökopunkte pro Teich wachsen.
Im Moment sind die für die vom Gemeinderat beschlossenen Bebauungspläne nötigen Ökopunkte auf dem Konto vorhanden. „Wir sind etwa 400 000 Punkte im Plus“, konstatiert Sabine Wörner. Was sich nach einem komfortablen Kontostand anhört, könnte gerade noch ausreichen, um die in Aufstellung befindlichen Bebauungspläne und den in Bodersweier geplanten Neubau der Feuerwehr zu kompensieren – für weitere Vorhaben muss die Stadt ihr Punktekonto alimentieren. Die geplanten Teiche sind eine dieser Maßnahmen.
Zwingend vorgeschriebene Maßnahmen von Bauherren, wie dauerhafte Fassaden- und Dachbegrünungen oder das Anpflanzen von Obstbäumen im Garten verbessern die Eingriffs- Ausgleichbilanz in einem Baugebiet, wie zum Beispiel in Schneeflären, und führen zu einem geringeren Ökopunktebedarf für dieses Gebiet.

13.09.2016

 

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