Firmen im Straßburger Hafen nutzen Synergien und optimieren Stoff- und Energieströme

Eine Premiere gab es beim Unternehmer-Forum in den Räumen der Badischen Stahlwerke: Zum ersten Mal stellten dabei eine französische Firma und eine Mitarbeiterin des Straßburger Hafens ein Projekt vor, das darauf abzielt, dass unterschiedliche Unternehmen mit verschiedenen Produktpaletten gemeinsam ihre Stoff- und Energieströme optimieren und sich daraus ergebende Synergien nutzen. 22 im Straßburger Hafen angesiedelte Firmen beteiligen sich inzwischen an dem 2013 gestarteten Projekt, erfuhren rund 70 Kehler Firmenchefs von Emilie Gravier, die beim Straßburger Hafen als Entwicklungsmanagerin angestellt ist.

Der Straßburger Hafen, der etwa dreimal so groß ist wie der Kehler Nachbar, möchte den CO2-Ausstoß reduzieren, seinen ökologischen Fußabdruck optimieren und zum andern die Attraktivität des Hafengebiets steigern. Der Hafen als lokales Industriegefüge soll gleichzeitig als funktionierendes Ökosystem wahrgenommen werden. Zu Beginn des Projektes, das sowohl vom Hafen Strasbourg, der ADEME (Klimaschutzagentur), der GUP (Gruppierung der Hafennutzer),der Eurométropole de Strasbourg als auch von der Region unterstützt und von idée alsace begleitet wird, wurden rund 1000 Material- und Energieströme von 25 Unternehmen unter die Lupe genommen. Während die Untersuchung noch komplett mit öffentlichen Mitteln finanziert wurde, liegt der Finanzierungsbeitrag der Unternehmen mittlerweile bei 20 Prozent, bis 2019 sollen die Firmen die Hälfte der Projektkosten tragen.

Tauschten sich über die Optimierung von Stoff- und Energieströmen und die Nutzung von Synergien aus: Vertreter des Straßburger und des Kehler Hafens, der Badischen Stahlwerke, der Mälzerei Cargill sowie Wirtschaftsförderin Fiona Härtel und OB Toni Vetrano.zoom

Erste Ergebnisse dieser Bestandsaufnahme waren, dass inzwischen alle Firmen das Altpapier, das bei ihnen anfällt, direkt an den Kartonhersteller Blue Paper im Straßburger Südhafen liefern und eine Spedition ihre Lkw-Waschanlage für andere Unternehmen geöffnet hat. Ein weiteres Unternehmen konnte 200 000 Euro einsparen, indem es anstelle von Holzabfällen die Biomasse verbrennt, die es von anderen Firmen im Hafen bekommen kann. Auch in Produktionsprozessen entstehender Wasserdampf oder Abwärme konnten anderen Unternehmen zugänglich gemacht werden.
Heute, berichtet Emilie Gravier den Kehler Unternehmern, werden bereits sieben der 24 identifizierten Synergien umgesetzt; die beteiligten Firmen sparten dadurch 294 000 Euro jährlich; weitere 200 000 Euro mussten nicht in neue Anlagen investiert werden, weil bei anderen Unternehmen bereits vorhandene mitgenutzt werden konnten. Die Umwelt hat ebenfalls profitiert: So wurde zum Beispiel der CO2-Ausstoß deutlich reduziert; der Wasserverbrauch um 41 000 Liter gesenkt und 3300 Tonnen Papierabfälle konnten verwertet werden. In der nächsten Projektphase können weitere Unternehmen eingebunden werden – vorstellbar wäre für die französischen Partner auch die Einbindung der deutschen Nachbarn.
Dass durch das Projekt auch neue Firmen für eine Ansiedlung im Straßburger Hafen gewonnen werden konnten, stellte Gilles Lazar, Direktor der Mälzerei Cargill, dar: In der Mälzerei fällt sowohl nährstoffreiches Wasser als auch Abwärme an – beides wird inzwischen von einem Algenzuchtbetrieb genutzt. Geld fließe zwischen den beiden Partnern nicht, erklärte Gilles Lazar, Cargill profitiere von der Kooperation schon allein dadurch, dass deutlich weniger Abwasser über die Kläranlage entsorgt werden müsse.
Beeindruckt von dem Projekt zeigten sich nicht nur Kehler Unternehmer, sondern auch Oberbürgermeister Toni Vetrano: Wenn es gelinge, eine Balance zwischen Ökonomie und Ökologie zu finden, dann komme das der Stadt zugute, „weil es den Menschen zugutekommt“. Dass Oberbürgermeister und Wirtschaftsförderung zum Unternehmer-Forum zu den Badischen Stahlwerken (BSW) eingeladen hätten, sei kein Zufall, betonte auch Wirtschaftsförderin Fiona Härtel: „Wir haben den Ort im Kehler Hafen mit Bedacht gewählt.“
In einem kurzen Abriss stellte der kaufmännische BSW-Geschäftsführer Markus Menges den Firmenchefs die aktuelle Situation der Badischen Stahlwerke vor, die 851 Mitarbeiter beschäftigen. Nimmt man die ausgelagerten Firmenteile hinzu, ist die BSW-Gruppe mit rund 1400 Beschäftigten der größte Arbeitgeber in Kehl.

Von links: Gilles Lazar (Direktor Mälzerei Cargill), Emilie Gravier (Entwicklungsmanagerin Straßburger Hafen), Uwe Köhn (Hafendirektor Kehl), Markus Menges (kaufmännischer Geschäftsführer BSW), Wirtschaftsförderin Fiona Härtel, OB Toni Vetrano und Frédéric Doisy (stellvertretender Hafendirektor Straßburg)zoom

Im Kehler Stahlwerk wurden im vergangenen Jahr 2,2 Millionen Tonnen Stahl produziert. Die Zahl der Tagestonnen ist seit Ende der Achtziger Jahre von rund 3700 Tonnen auf rund 7800 Tonnen angewachsen. Der technische Geschäftsführer Michel Hamy und er, sagte Markus Menges, seien sich sicher, dass die Marke von 8000 Tagestonnen in den nächsten drei bis vier Jahren überschritten werden könne.
Weil das Thema Ausbildung immer schwieriger werde hätten die Badischen Stahlwerke den Halbkreis auf 360 Grad aufgeweitet und mit Rève ein Projekt gestartet, mit dem arbeitslose französische Jugendliche für ein Einstiegsqualifizierungsjahr angeworben würden, das bei erfolgreichem Abschluss in eine Ausbildung münden könne. Der erste Jahrgang sei noch etwas schwierig gewesen, den zweiten und dritten könne er jedoch als erfolgreich bezeichnen, erklärte Markus Menges.
Dass die BSW sich ihrer Verantwortung für die Umwelt bewusst seien, zeigte Markus Menges an mehreren Ansatzpunkten auf: Bei allen Emissionen – das gelte besonders für die hochgiftigen Dioxine und für Stäube – bleibe das Stahlwerk deutlich unter den Grenzwerten. Im Kehler Hafen liege man eigentlich in einem Touristengebiet zwischen Straßburg und dem Schwarzwald, weshalb es gut sei, dass die BSW immer noch „Entstaubungsweltmeister“ seien, stellt Markus Menges fest. Auch der Lärmpegel unterschreite die geltenden Grenzwerte erheblich – auf dem vor allem für die Auenheimer Bevölkerung eingerichteten Lärmmeldetelefon habe es in diesem Jahr gerade mal einen Anruf gegeben.
Seinen hauptsächlichen Rohstoff, den Schrott, bekommen die Stahlwerke zu 60 Prozent per Schiff, zu 33 Prozent per Bahn und nur zu sieben Prozent mit dem Lkw. Die Fertigprodukte verlassen das Kehler Werk zu 61 Prozent mit der Bahn, zu 32 Prozent mit dem Schiff und wieder zu sieben Prozent mit dem Lkw. An- und Auslieferung allein per Lkw abzuwickeln, sei für die BSW nicht denkbar und würde für die Stadt eine kaum vorstellbare Belastung bedeuten, erklärte Markus Menges.

01.12.2016

 

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