Gemeinsam Biodiversität schaffen

Der Garten der zwei Ufer könnte zwölf Jahre nach der grenzübergreifenden Landesgartenschau eventuell bald wieder Schauplatz eines deutsch-französischen Gartenprojektes werden: Bei der jüngsten Sitzung der grenzüberschreitenden Umwelt-Arbeitsgruppe Kehl-Straßburg hat dies Christel Kohler, die Beigeordnete des Straßburger Oberbürgermeisters Roland Ries für den Bereich Umwelt, OB Toni Vetrano vorgeschlagen. Die Aktion könne im Rahmen des Straßburger Aktionsplans zum Thema Biodiversität verwirklicht werden, sagte sie. In Rahmen des Aktionsplans sollen in der elsässischen Metropole bis 2020 mehr Grünflächen angelegt werden, Gemeinschaftsgärten entstehen und bisher brachliegendes oder ungenutztes Terrain als Lebensraum für Pflanzen und Tiere umgestaltet werden.

Als „eine regionale Antwort auf eine globale Herausforderung“ bewirbt die Stadt Straßburg den Aktionsplan, welcher 2015 in Kooperation mit Bürgern, Unternehmen und Vereinen erarbeitet wurde. „Das Biodiversitäts-Programm ist der nächste Schritt nach dem Pestizidausstieg 2008“, sagte Suzanne Brolly, die bei der Eurometropole Straßburg für die Themen Biodiversität und Pestizidverzicht zuständig ist, am Dienstag (6. Dezember) beim Treffen der Arbeitsgruppe im Bürgersaal des Kehler Rathauses. An der Umsetzung des Aktionsplans sollen nicht nur die Vertreter aus Politik und Verwaltung mitwirken – auch Bürger, Unternehmen, Vereine und Schulen werden mit einbezogen. Die Stadt will mehr Hausdächer und Fassaden begrünen; in Schulen sollen mit Kindern und Jugendlichen Gärtnerprojekte verwirklicht werden. Geplant ist außerdem die Einrichtung einer Website, auf der Bürger anhand einer Kartierung geeignete Plätze für Gemeinschaftsgärten und kleine Pflanzbeete ausfindig machen können. Einige solcher Gärten sind im Rahmen des Aktionsplans bereits entstanden, so etwa auf einem Schulgelände im Stadtteil Cronenbourg und in den Stadtteilen Krutenau, Koenigshoffen und Wacken.

Überreichte OB Toni Vetrano die Broschüre zum Aktionsplan "Strasbourg Grandeur Nature": Christel Kohler, Beigeordnete des Straßburger Oberbürgermeisters Roland Ries für den Bereich Umwelt.

Den Umstieg der Stadt Kehl von Pestiziden auf umweltschonende Methoden zur Bekämpfung von Schädlingen, der im Herbst 2015 vollzogen wurde, lobte Suzanne Brolly. Frank Wagner, Leiter des Bereichs Grünflächen am städtischen Betriebshof, hatte vorher darüber berichtet, was seit der Gemeinderatsentscheidung für den Pestizidausstieg vor drei Jahren passiert ist: Alternative Methoden zur chemischen Unkrautbekämpfung wurden herausgestellt und das Gärtner-Team des Betriebshofs um sechs Saisonarbeitskräfte aufgestockt. Anstelle der lange Zeit verwendeten einjährig blühenden Pflanzen hat man in den städtischen Beeten Stauden gepflanzt: Die Krautgewächse können bis zu 30 Jahre alt werden und brauchen weniger Pflege als ihre kurzlebigen Artgenossinnen. Auch ihr Wasserbedarf ist wesentlich geringer. Über ganz Kehl verteilt gibt es auf den insgesamt 1,5 Millionen Quadratmeter umfassenden städtischen Grünflächen inzwischen 150 Staudenbeete und -kübel mit insgesamt 20 000 Pflanzen und 80 verschiedenen Sorten. Die Stadt sei stets bemüht, bestehendes Grün zu erhalten und neue Grünflächen zu schaffen, betonte Frank Wagner auch im Zusammenhang mit den für den Trambau notwendigen Verpflanzungen von Bäumen, die auf dem Mittelstreifen der B 28 gestanden hatten. Sie wurden mitsamt ihrer Wurzeln ausgehoben und an verschiedenen Orten im Stadtgebiet neu eingepflanzt. Für neues Grün entlang der Tramschienen werde gesorgt, kündigte Frank Wagner an: Eine mit speziellen Substraten versorgte Grasfläche, die wenig Pflege bedarf und speziell für die Begrünung der Tramtrasse konzipiert wurde, soll dort angelegt werden.
Auch Christel Kohler, Beigeordnete der Stadt Straßburg für Umwelt, gratulierte Frank Wagner für diese Arbeit. Sie regte an, dass Straßburg und Kehl in Sachen Biodiversität kooperieren und beispielsweise ein gemeinsames Projekt im Garten der zwei Ufer organisieren: „Biodiversität ist grenzenlos“, sagte sie, „und wir sind dankbar, dass wir einen eigenen grenzübergreifenden Garten haben“. OB Toni Vetrano zeigte sich von der Idee angetan, „gemeinsame Projekte entlang der Tramlinie D“ zu verwirklichen und schlug vor, sich in einer der nächsten Sitzungen der Arbeitsgruppe mit konkreten Vorhaben zu beschäftigen.

Suzanne Brolly stellte den Mitgliedern der Arbeitsgruppe den Aktionsplan zur Schaffung von mehr Biodiversität vor.

Ein weiteres Thema, dem sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe – dazu zählen OB Toni Vetrano, Baubürgermeister Harald Krapp, Mitarbeiter der Stadtverwaltungen von Straßburg und Kehl, der Eurometropole und des Eurodistrikts sowie neuerdings auch Stadträte – künftig häufiger widmen werden, ist die grenzübergreifende Lärmbelastung. Über diese referierte am Dienstag Stadtplaner Matthias Kaufhold vom Bereich Stadtplanung/Umwelt: Bei einem Treffen von Vertretern der Stadt Kehl, der Eurometropole Straßburg, der französischen Regionalbehörde DREAL sowie des SPPPI (Sekretariat zur Vermeidung von Umweltverschmutzung aus der Industrie) habe man sich kürzlich über die Bewertung und Berücksichtigung des grenzüberschreitend wirkenden Gewerbe- und Verkehrslärms ausgetauscht. Obwohl sich die rechtlichen und technischen Vorschriften beiderseits des Rheins voneinander unterschieden, müsse ein Weg gefunden werden, wie gerade Bewohner am Rheinufer adäquat geschützt werden könnten, betonte Matthias Kaufhold. Gleichzeitig dürfe dabei die Gewerbeentwicklung nicht in unangemessener und unzulässiger Form behindert werden. Um geeignete Lösungen zu finden, seien weitere Treffen mit den bereits genannten Einrichtungen geplant.
OB Toni Vetrano lobte, dass die Bürgerinitiative Umweltschutz in Sachen Lärmbelastung grenzüberschreitend schon viel bewegt habe und führte als positives Beispiel für ein umweltbewusstes Kehler Großunternehmen die Badischen Stahlwerke (BSW) im Hafen an: Dort wurde dieses Jahr eine neues Walzwerk in Betrieb genommen, das wesentlich leiser ist als das alte. „Die Stahlwerke sind sehr bemüht, die Anliegen der Bürger zu berücksichtigen“, sagte der OB, betonte aber, dass es nicht möglich sei, „den Lärm ganz auf null zu reduzieren“.
In der nächsten Sitzung der Arbeitsgruppe im Mai steht auf der Tagesordnung das Thema Abfall. Die Umwelt-AG wird sich – einem im gemeinsamen Gemeinderat geäußerten Wunsch folgend – in Zukunft häufiger treffen. Ziel ist es, sich nicht nur über aktuelle Projekte und Entwicklungen beidseits des Rheins auszutauschen, sondern darüber hinaus auch konkrete gemeinsame Aktionen zu planen.

09.12.2016

 

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