Jugendgemeinderat aus Montmorency zu Gast im Haus der Jugend

Wird der Jugendgemeinderat in Kehl auch gewählt? Wer bestimmt die Mitglieder? Was entscheiden oder besprechen sie? Die Jungs und Mädchen aus dem Jugendgemeinderat der französischen Partnerstadt Montmorency hatten einige Fragen mitgebracht, als sie ihre Amtskollegen und –kolleginnen aus Kehl am Montagabend (19. Dezember) im Haus der Jugend zum ersten Mal besuchten. Das Treffen der jungen Räte und Rätinnen ist im Rahmen eines Straßburg-Ausflugs des Gremiums aus Montmorency zustande gekommen.

Der Sprachbarriere wegen – das komplette Treffen lief auf Englisch ab – waren die Annäherungsversuche der Jugendlichen aus Montmorency und Kehl anfangs noch zögerlich, aber als das Eis gebrochen war, sprudelten die Fragen aus ihnen heraus. Der Jugendgemeinderat in Montmorency sei „nicht so politisch“ wie der in Kehl, bemerkte eine der jungen Besucherinnen aus Frankreich, nachdem Jugendkoordinatorin Binja Frick das Kehler Gremium und seine Aufgaben vorgestellt hatte: Die Räte und Rätinnen aus Montmorency organisierten eher Veranstaltungen und Sportaktivitäten für die Jugend, als dass sie politische Diskussionen mit Gleichaltrigen und Vertretern der Kommunalpolitik führten, erklärte sie. Binja Frick hatte zuvor erläutert, dass die Ratsmitglieder sich diesen Sommer in zwei Politik-Cafés mit Vertreterinnen und Vertretern der Stadtverwaltung und der Ortschaften über Themen ihrer Wahl beraten hatten, wie zum Beispiel über die Einrichtung eines Parkour-Areals in Kehl. Ebenso habe der „richtige“ Gemeinderat die Jugendlichen beauftragt, einen Namen für das gerade entstehende Kultur- und Bildungszentrum zu finden.

Für den Besuch gab’s Pizza: die französischen Gäste mit ihrer Lehrerin (stehend), daneben sitzen Jungs aus dem Kehler Jugendgemeinderat.zoom

Auch im Hinblick auf das Budget gibt es Unterschiede zwischen den beiden Jugendgemeinderäten, stellten die Jungs und Mädchen fest: In Montmorency erhält der Rat seine Ressourcen aus dem allgemeinen Etat des Bereichs „Jugend und Sport“ der Stadtverwaltung, während den Ratsmitgliedern in Kehl ein eigenes Budget in Höhe von 2500 Euro zusteht. Damit werden in Kehl beispielsweise Klausurtagungen finanziert oder die inzwischen schon traditionelle Aktion „Send a Bunny“, bei der sich Schülerinnen und Schüler gegenseitig einen Schokoladengruß schicken können.
Ein weiterer Unterschied zwischen den Gremien ist das Wahlsystem: In der französischen Stadt werden die Jugendvertreterinnen und –vertreter nur in Schulen gewählt – in zwei Collèges und zwei Lycées –; derweil gehen in Kehl sowohl Schülerinnen und Schüler von sechs weiterführenden Schulen an die Wahlurnen als auch die Besucherinnen und Besucher von Jugendtreffs. „Damit wollen wir auch Jugendlichen, die nicht in Kehl die Schule besuchen, eine Möglichkeit geben, mitzubestimmen“, erklärte Binja Frick.
Nachdem sie sich über die Unterschiede zwischen den beiden Räten unterhalten hatten, konnten sich die Jugendlichen bei Pizza und Snacks kennenlernen und sich über alltägliche Dinge austauschen, wie: Wie läuft das mit dem Abi in Deutschland? Wer ist euer Lieblingsfußballspieler? Was denken die Deutschen über die Franzosen – und umgekehrt? Isst man in Deutschland auch so viel Brot wie in Frankreich? Und warum mögen die Franzosen eigentlich Muscheln so gerne?
Das nächste Treffen ist noch nicht geplant, die Jugendlichen aus Montmorency haben die Kehler aber auf jeden Fall in ihre Stadt eingeladen.

Nachdem das Eis gebrochen war, hatten die Jugendlichen sichtlich Spaß.zoom

Info Jugendgemeinderäte

Die Idee für den Jugendgemeinderat, beziehungsweise für den Kindergemeinderat, stammt aus Frankreich – im elsässischen Schiltigheim bei Straßburg wurde 1979 der erste „Conseil municipal des enfants“, der Kindergemeinderat, ins Leben gerufen. Zehn Jahre später entstand in der französischen Stadt auch ein Rat für Jugendliche. In Deutschland wurde der erste Jugendgemeinderat nach Informationen der Landeszentrale für politische Bildung 1985 in Weingarten bei Ravensburg gegründet. Seither sind in ganz Deutschland viele weitere Jugendvertretungen dieser Art entstanden – Baden-Württemberg weist inzwischen mit rund 100 Gremien die höchste Anzahl auf. Den Kehler Jugendgemeinderat gibt es seit 1996, seither wechseln die 13- bis 18-jährigen Mitglieder im Zwei-Jahres-Rhythmus.

20.12.2016

 

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