Elf neue Straßennamen für Kehl, darunter ein Nobelpreisträger – Das Baugebiet Schneeflären

Wer hätte gewusst, dass Kehl einen Medizin-Nobelpreisträger vorzuweisen hat? Im Zuge der Erschließung des Baugebiets Schneeflären in unmittelbarer Nachbarschaft des Kehler Wasserturms wurden 2015 elf Straßen- und ein Platzname neu vergeben. Der Gemeinderat hat sich dafür entschieden, für diese Wege und Straßen die Namen von berühmten verstorbenen Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Medizin zu verwenden, die als Vorbilder dienen können. Besonders hervor sticht dabei die Georges-Köhler-Straße, die im Gewann Mosrin im Nordwesten des Gebietes Schneeflären liegen wird.

Wenig bekannt dürfte sein, dass Georges Jean Franz Köhler (1946-1995) ein Kehler Nobelpreisträger ist. Der früh verstorbene Biologe besuchte in Kehl ab 1954 die Falkenhausenschule und anschließend das heutige Einstein-Gymnasium, wo er sein Abitur ablegte. 1984 erhielt er für bahnbrechende Entdeckungen auf dem Gebiet der Immunologie gemeinsam mit zwei Kollegen den Nobelpreis für Medizin und Physiologie.
Bei der Neuvergabe der Straßennamen für das Gebiet Schneeflären orientierte sich die Stadt an dem östlich angrenzenden Gebiet Wolfsgrube. Denn dort wurde bei der Benennung der Straßen auf bekannte Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben zurückgegriffen. So finden sich dort etwa die Straßennamen René-Schickele-Straße, Robert-Schuman-Straße und Albert-Schweitzer-Straße, alles Persönlichkeiten, die durch ihre deutsch-französischen Biographien Symbolwert für Kehl besitzen. Um diese Praxis fortzuführen und darüber hinaus eine einheitliche Benennung von Straßen innerhalb eines Stadtviertels einzuhalten, wurden alle elf Straßen im Gebiet Schneeflären mit Eigennamen benannt. Nur der Platz in diesem Baugebiet, der nordwestlich neben dem Wasserturm liegen wird, wurde nach dem alten Gewannnamen Schneeflären-Platz benannt, um diese historische Bezeichnung nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.                                          

Georges Köhler, gemalt von seinem Bruder Max Köhler, 1994. Digitalisat von Christian Liedtke. Aus der Sammlung des Hanauer Museums in Kehl.zoom

Die Neuvergabe der Straßennamen – die erste in der Kernstadt seit 2003, als zwei Gewannnamen als Straßennamen übernommen worden sind – wurde in der Sitzung des Kehler Gemeinderats vom 30. September 2015 diskutiert und mehrheitlich beschlossen. Vorausgegangen war eine Vorberatung im Technikausschuss. Aufgrund einer Expertise der Historikerin Ute Scherb, Leiterin des Hanauer Museums sowie des Kehler Stadtarchivs, entschied sich der Gemeinderat für neun Schriftstellerinnen und Schriftsteller, eine Politikerin (Marta Schanzenbach) und einen Biologen (Georges Köhler). Vier von diesen Persönlichkeiten haben einen konkreten Bezug zur Region: Neben dem bereits erwähnten Georges Köhler sind dies Alfred Döblin, deutscher Psychiater und Schriftsteller, der das Ende des Ersten Weltkriegs als Arzt in Straßburg erlebte und ab 1945 Literaturinspektor der französischen Militärregierung im Land Baden war, Marta Schanzenbach, SPD-Politikerin, die zwischen 1949 und 1972 Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Offenburg war, und schließlich André Weckmann, der als elsässischer Schriftsteller und Dialektdichter Kehl häufig besuchte und ein engagierter Verfechter der deutsch-französischen Freundschaft war. Aus der Gemeinderatsvorlage von Regina Rehsöft-Lehmann, Verwaltungsleiterin des Gebäudemanagements der Stadt Kehl, geht hervor, dass die Stadt Kehl neben diesem Aspekt der Regionalverortung bewusst darauf achtete, Frauennamen miteinzubeziehen, um die im Kehler Stadtbild bislang fast vollständig fehlenden Frauennamen als Straßenbezeichnungen verstärkt zu berücksichtigen. Letztlich wurden fünf berühmt gewordene Frauen ausgewählt, die als Namenspatinnen im Baugebiet dienen werden. Neben der bereits erwähnten Politikerin Schanzenbach handelt es sich dabei um die Schriftstellerinnen Ingeborg Bachmann, Doris Lessing, Astrid Lindgren sowie Nelly Sachs. Die Entscheidung für allgemein bekannte Berühmtheiten aus Kultur, Politik und Medizin erfolgte auch vor dem Hintergrund, dass eine positive Identifizierung der zukünftigen Bewohner mit ihren Wohnstraßen möglich wird, so Regina Rehsöft-Lehmann. Ergänzt wird das Ensemble von elf Persönlichkeiten, die alle aus dem späten 19. und dem gesamten 20. Jahrhundert stammen, von den Schriftstellern Elias Canetti, Kurt Tucholsky sowie Joachim Ringelnatz.

Der Schneeflären-Platz, im Hintergrund der Kehler Wasserturm
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Info
Das Baugebiet Schneeflären zeichnet sich durch seine zentrale Lage innerhalb Kehls aus – es liegt nur einen Kilometer südlich des Stadtzentrums. Dabei handelt es sich um das letzte große unbebaute Areal inmitten von Kehl. Im Osten grenzt das zukünftige Wohngebiet Schneeflären an die Wolfsgrube, im Westen, Richtung Rhein, schließt sich das Gebiet Kronenhof an.
Insgesamt ist das Baugebiet 6,4 Hektar groß. Vollständig bebaut wird es Platz für 800 Bewohnerinnen und Bewohner bieten. Am 30. Juli 2015 war Spatenstich für den ersten Bauabschnitt, 2018 soll der zweite Abschnitt folgen. Anfang September 2016 wurde mit dem Bau der ersten beiden Gebäude im Gebiet begonnen, die bis Ende 2017 fertig sein sollen.

20.01.2017

 

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