Kehler Einzelhändler sollen „mehr Selbstbewusstsein zeigen“

Die Kehler Einzelhändler können stolz auf ihre Geschäfte und auf ihre Stadt sein: Das ist die zentrale Botschaft, die Wirtschaftsförderin Fiona Härtel beim ersten großen Treffen der Kehler Einzelhändler in diesem Jahr vermitteln wollte. „Durch die Tram geraten wir in eine Pole-Position, die wir nutzen müssen“, sagte sie. Dass die Jahre 2017 und 2018 für viele Einzelhändler vermutlich aber auch eine Geduldsprobe bedeuteten, betonte angesichts der fortdauernden Arbeiten an der Trambaustelle sowie der noch bis Ende Juli 2017 verlängerten Grenzkontrollen OB Toni Vetrano. „Wir werden auf die Betroffenen zugehen und versuchen, individuelle Lösungen zu finden“, versprach er.

Mit einer Führung durch die Essigbrauerei von Theo Friedrich Berl in Marlen begann der Einzelhandelsdialog, zu dem die Stadtmarketing- und Wirtschaftsförderungs-GmbH alle Kehler Geschäftsinhaber eingeladen hatte. Auch der OB hatte sich Zeit genommen, die Essigmeisterei zu besichtigen und danach mit den in Kehl ansässigen Einzelhändlern ins Gespräch zu kommen.
„Wir machen diese Führung auch, um ein Beispiel dafür zu zeigen, was Kehl alles zu bieten hat“, begrüßte Fiona Härtel die rund 40 Einzelhändler, die zu dem Treffen in der Essigmeisterei gekommen waren. Das Unternehmen in Marlen, das 1868 gegründet wurde, bezeichnet sich als das „erste deutsche Essigbrauhaus“ und ist ein Traditionsbetrieb, wie er im Buche steht: Friedrich Berl, der Urgroßvater von Theo Friedrich Berl, hatte im 19. Jahrhundert ein landwirtschaftliches Gut mit angeschlossener Gastwirtschaft gegründet. Die Lebensmittel, darunter auch Essig, wurden für den Eigengebrauch sowie für die Gäste angebaut und verarbeitet, so wie es damals üblich war. Als Friedrich Berl zu alt war, um den Betrieb alleine zu führen, übernahm sein Sohn – und so wurde das Zepter anschließend von Generation zu Generation weitergereicht. Heute führt Theo Friedrich Berl den Betrieb in vierter Generation.

Theo Friedrich Berl (in Rot) erklärte den Einzelhändlern, wie die Essigproduktion funktioniert.zoom

Er setzt weiterhin auf die aufwendige Produktion von Essig nach der Tradition des Handwerks – in Zeiten, in denen billig und schnell produzierte Ware den Markt bestimmt. „ Die Essigproduktion ist ein hartes Geschäft“, erklärte Theo Friedrich Berl den Gästen seiner Führung, bevor er sie in die Geheimnisse der Braukunst einweihte. Die Billig-Konkurrenz sei groß, und vor allem: Die Verbraucher wüssten zu wenig über die Qualitätsmerkmale eines natürlichen Essigs. „Ein ‚Balscamico di Modena‘ ist zum Beispiel nicht gleich ein ‚Balsamico di Modena tradizionale‘“, führte er aus: „Eines ist Industrie, eines ist Handwerk.“ Das aufwendige handwerkliche Verfahren zur Herstellung von Balsamico, das ohne technische Zusatzstoffe auskommt, werde nur noch selten praktiziert, berichtete Theo Friedrich Berl. Der Reifeprozess dauere lange, die ausgesuchten Zutaten seien teuer – kurzum: gute Qualität kostet Geld. 96 Prozent der Essigprodukte, die heute in den Supermärkten verkauft werden, seien reine Industriefabrikate, mit Wasser gestreckt, mit künstlichen Aromen und Farbstoffen versehen und mit Konservierungsmitteln haltbar gemacht. Sie würden innerhalb weniger Stunden unter Zugabe von Nährstoffen in Stahlfässern hergestellt.
Theo Friedrich Berl ist der Meinung, dass ein guter Essig seine Zeit braucht, „und am besten reift er im Freiluft-Speicher in Holzfässern.“ So geschieht es in der Essigmeisterei in Marlen: Der Balsamico reift zwei Jahre lang in luftdurchlässigen Barrique-Fässern, hergestellt wird er aus Früchten wie Holunder. Das „erste deutsche Essigbrauhaus“ beliefert heute mehr als 1000 Filialen, berichtete der Geschäftsführer, ebenso wie Sterneküchen in Hotels und sogar Raumfahrtunternehmen. 14 Angestellte arbeiten inzwischen für die Firma.

Auch OB Toni Vetrano und Wirtschaftsförderin Fiona Härtel (roter Mantel) machten sich ein Bild vom „ersten deutschen Essigbrauhaus“ in Marlen.zoom

Der Gastronom, der Küchenchef im „Wilden Mann“ in Marlen gewesen war, bevor er sich voll und ganz der natürlichen Lebensmittelproduktion widmete, konnte seine Leidenschaft im Familienbetrieb verwirklichen – und ist mit dem neuen Geschäftskonzept erfolgreich: „Im vergangenen Jahr ist das Unternehmen um 30 Prozent gewachsen“, berichtete Theo Friedrich Berl. Menschen wie den Marlener, die den Mut haben, ihre Geschäftsideen zu verwirklichen, brauche Kehl, betonte OB Toni Vetrano. „Und wir benötigen engagierte Unternehmer, die sich nicht nur mit ihrem Beruf, sondern auch mit ihrer Stadt identifizieren“, fügte er hinzu. Dafür, dass die Einzelhändler einigen kommunalpolitischen Entscheidungen nicht zustimmten, zeigte er Verständnis und unterstrich, dass in Gesprächen Lösungen für Probleme gefunden werden könnten. „Lassen Sie uns im kritischen Dialog bleiben“, forderte er die Einzelhändler auf. Er lobte die Unternehmer und bedankte sich bei Ihnen für den Beitrag, den sie leisten zur „Dynamik, die wir aktuell in Kehl erleben“.
Auch Fiona Härtel, die Geschäftsführerin der Stadtmarketing- und Wirtschaftsförderungs-GmbH, befand: „Kehl hat ziemlich viel zu bieten.“ Im vergangenen Jahr habe es so viele private und öffentliche Investitionen gegeben „wie noch nie“, sagte die Wirtschaftsförderin: „Die Stadt hat einen großen Schritt nach vorne gemacht.“ Zahlreiche Neugründungen und Neuansiedlungen seien geschehen: das Café Alonso und das Château Champagne am Marktplatz, ein großer Bio-Laden, das Unterwäschegeschäft Hunkemöller, das „Oh Julia“ in Sundheim sowie drei neue Unternehmen, die ins Gewerbegebiet ba.sic gezogen sind. Der „Motor Tram“ würde Kehl noch weiter vorne positionieren. Was ihr fehle, sei das Selbstbewusstsein der Einzelhändler in Kehl: „Sie sollten stolz sein auf ihre Geschäfte und auf ihre Stadt.“ Kehl müsse sich in Zukunft noch „stärker und selbstbewusster positionieren“, zum Beispiel mit Aktivitäten wie dem Lieferdienst „Kehl bringt’s“. An diesem beteiligen sich zehn Kehler Einzelhändler. Sie liefern Kunden auf Wunsch Ware bis zu einem Gesamtgewicht von 15 Kilogramm für 2,99 Euro nach Hause.

01.02.2017

 

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