Jeder kann Fledermäuse schützen: Stadt bittet Bürgerinnen und Bürger um Mithilfe

Sie fliegen mit den Händen, sehen mit den Ohren und schlafen mit dem Kopf nach unten: Fledermäuse sind faszinierende Geschöpfe – und stark gefährdet. Um die Tiere besser schützen zu können, bittet die Stadtverwaltung Bürgerinnen und Bürger, Fledermausquartiere zu melden, denn durch das zu dieser Jahreszeit auftretende auffällige Schwarmverhalten können die Quartiere der kleinen Flugakrobaten leicht ausfindig gemacht werden. Mit leicht aufzuhängenden Fledermauskästen kann jeder, der möchte, Nisthilfen anbieten.

Elegant sausen die kleinen Jäger auf der Suche nach Nahrung durch die Dunkelheit und flattern lautlos vor ihrem Winterquartier im Dachgebälk eines alten Wohnhauses umher: Fledermäuse können jetzt wieder vermehrt gesichtet werden, denn sobald die Tage kürzer werden und die ersten Blätter fallen, ist für sie die Zeit gekommen auszuschwärmen, sich zu paaren und mit ihrem Flügelschlag direkt vor der eigenen Haustür Jungtiere auf das mögliche Winterquartier aufmerksam zu machen. Weil auch der Mensch an diesem Verhalten leicht erkennen kann, wo sich die bedrohten Tiere angesiedelt haben, hofft Sarah Koschnicke vom Bereich Stadtplanung/Umwelt auf die Mithilfe der Kehlerinnen und Kehler: „Für den Schutz der Fledermäuse wäre es gut, einschätzen zu können, wo die Tiere ihr Quartier haben, wie viele es sind und welche Arten im Kehler Stadtgebiet leben“, erklärt die Umweltreferentin.

Zwei sogenannte "Mausohren" beim Einfliegen in ihr Quartier - Urheber: Karl Kugelschafterzoom

Sämtliche der 23 in Baden-Württemberg heimischen Fledermausarten seien mittlerweile stark gefährdet, weil viele Bauvorhaben ihre Lebensräume vernichteten: „Bei Sanierungs- und Renovierungsarbeiten oder Neubauten wird in der Regel jede auch noch so kleine Fuge verschlossen.“ Damit werde den Tieren die Möglichkeit genommen, in die Gebäude zu gelangen und diese als Unterschlupf zu nutzen. Weil sich die Nachtschwärmer in kleinen Spalten, Schiefer- und Holzverkleidungen, hinter Fensterläden, in Kellern oder auf Dachböden ansiedelten, seien sie allerdings genau darauf angewiesen.
„Wer ein Fledermausquartier bei sich zuhause entdeckt, hat viele Möglichkeiten, ohne hohe Kosten oder aufwändige Renovierungen die eigenen Ansprüche mit denen der Fledermäuse zu vereinen“, versichert Sarah Koschnicke. Denn Gebäude fledermausfreundlich zu bauen oder zu sanieren und dadurch Lebensräume für die bedrohten Tiere zu schaffen und zu erhalten sei bereits mit einfachen Mitteln umzusetzen – beispielsweise mit Fledermauskästen, Einflugöffnungen oder schlichtweg dem Nichtbenutzen von Fensterläden, wenn sich Fledermäuse dahinter eingenistet haben.
Zudem haben Hausbewohner mit Fledermäusen im eigenen Garten einen entscheidenden Vorteil: „Eine einzige Zwergfledermaus frisst pro Nacht bis zu 4000 kleine Mücken“, argumentiert Sarah Koschnicke. Darüber hinaus fräßen Fledermäuse auch Spinnen, Tausendfüßler oder schädliche Käfer. Fledermauskot enthalte darum lediglich unverdaute Insektenreste und sei trocken und geruchslos. Bei kleineren Fledermauskolonien in Dachböden genüge es daher, die Kotreste einmal im Jahr zu entfernen. „Bei größeren Kotmengen und über Fenstern, Türen oder Terrassen helfen Kotbretter oder Kotabweiser“, führt Sarah Koschnicke aus.

Mausohren in ihrem Quartier - Urheber: Karl Kugelschafter

Letztere seien nach unten abgeschrägte Brettchen oder Bleche, welche den aus dem Quartier fallenden Kot von Wänden oder Fenstern ablenkten. Waagerechte Kotbretter dienten zudem zum Auffangen der Kotpellets, die dann gelegentlich entfernt und als Pflanzendünger genutzt werden könnten.
„Auch vor Gebäudeschäden brauchen Hausbesitzer keine Angst haben“, weiß Sarah Koschnicke. Denn die Fledermäuse richteten sich ihre Quartiere nicht selbst her, sondern nutzten ausschließlich vorhandene Strukturen – die Gefahr, dass tragende oder überhaupt irgendwelche Bauteile beschädigt werden, bestehe daher nicht.
Eine Fledermauspopulation von 200 bis 300 Tieren, die sich im Stadtgebiet angesiedelt hat, ist Sarah Koschnicke bereits bekannt: Im Giebelbereich des Kehler Hallenbads haben sich die selten vorkommenden Mückenfledermäuse eingenistet. Weil das Hallenbad nur dann baulich verändert werden darf, wenn sich keine Fledermäuse darin befinden, wurde ein Gutachterbüro damit beauftragt zu ermitteln, ob das Gebäude von den Tieren ganzjährig oder nur zu bestimmten Jahreszeiten als Quartier genutzt wird – mit den Ergebnissen ist im kommenden Jahr zu rechnen.
„Vor jedem städtischen Bauvorhaben müssen wir uns die Frage stellen, ob und wie das Gebäude oder die Fläche von Fledermäusen genutzt wird“, erklärt die Umweltreferentin. Um die bedrohten Tiere zu schützen, müsse darauf geachtet werden, möglichst wenig Lebensraum zu zerstören und gegebenenfalls Ausgleichsflächen zu schaffen oder bestehende Quartiere aufzuwerten.

Bürgerinnen und Bürger, die Fledermausquartiere im Stadtgebiet entdecken, werden gebeten, diese dem Bereich Umwelt unter der Telefonnummer 07851 88-1198 oder per E-Mail an s.koschnicke@stadt-kehl.de zu melden. Wer Fragen zur Gestaltung und zum Erhalt von Fledermausquartieren im eigenen Zuhause hat, kann sich ebenfalls an die Mitarbeiter des Bereichs Stadtplanung/Umwelt wenden.

22.09.2017

 

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