Arbeitskreis Energie und Klimaschutz beschäftigt sich mit Auswirkungen des Klimawandels auf die Region

Mehr Hitzetage, mehr Platzregen, eine stärkere Verbreitung invasiver Arten: Dass der Klimawandel gerade in der Ortenau und in Kehl bereits spürbar ist und sich künftig immer deutlicher zeigen wird, hat Daniel Schulz-Engler von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) den Mitgliedern des Arbeitskreises Energie und Klimaschutz in deren Sitzung in der Villa RiWa verdeutlicht. Klimaschutzmanagerin Lea Unterreiner und Energiemanagerin Eva-Maria Löhrmann stellten dem Arbeitskreis vor, an welchen Projekten in Sachen Klimaschutz und Energiemanagement sie derzeit arbeiten.

„Der Klimawandel ist nicht nur am Nordpol und auf den Südseeinseln spürbar, sondern gerade auch hier in der Ortenau“, stellte Daniel Schulz-Engler gleich zu Beginn seines Vortrags klar. Anhand von Grafiken zeigte er, dass es von 1950 bis 2015 immer weniger Frost- und Eistage in Lahr, der Kehl am nächsten gelegenen Messstation des Deutschen Wetterdienstes, gab. Gleichzeitig ist die Temperatur in Baden-Württemberg deutlich gestiegen: Lag die Jahresmitteltemperatur 1956 noch bei 6,7 Grad, so war sie bis 2014 auf 10,1 Grad geklettert. „Die Veränderung ist in der Oberrheinregion besonders deutlich“, betonte der Referent. Denn in den Jahren 1971 bis 2000 habe es landesweit durchschnittlich vier Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad gegeben, in Lahr hingegen zehn. Die zunehmende Hitze belaste sowohl Menschen, vor allem Kleinkinder und Senioren, als auch die Land- und Forstwirtschaft. Zudem fördere sie die Verbreitung invasiver Arten wie der Tigermücke und der stark allergieauslösenden Beifuß-Ambrosie. Landwirt Horst Körkel, der als Stadtrat Mitglied des Arbeitskreises ist, konnte aus eigener Erfahrung bestätigen, dass die Landwirtschaft unter den Folgen des Klimawandels leidet. Dazu gehöre auch eine neue Verteilung der Niederschlagsmengen mit feuchteren Wintern und vermehrtem Platzregen im Sommer, führte er aus. „Auch die Stadtverwaltung ist davon betroffen“, warf Dr. Silke Roder, Leiterin des Bereichs Tiefbau/Grünflächen/Betriebshöfe, ein. Sie müsse sich in Sachen Hochwasserschutz und Aufnahmefähigkeit der Kanalisation auf häufigere Starkregenereignisse einstellen.
Welche Maßnahmen die Stadt darüber hinaus umsetzen sollte, um für den Klimawandel gewappnet zu sein, das sei schwer zu beantworten, räumte Daniel Schulz-Engler ein. „Die Daten, die sich auf ganz Baden-Württemberg beziehen, lassen sich schlecht auf eine Stadt wie Kehl herunterbrechen.“ Nur durch die gezielte Betrachtung kleinklimatischer Bedingungen könnten Kommunen sich anpassen. Deshalb fördert das Land Baden-Württemberg mit dem Programm Klimopass entsprechende Konzepte und Studien. Städte wie Stuttgart und Karlsruhe hätten damit bereits Rahmenpläne zur Klimaanpassung erarbeitet, erläuterte der LUBW-Experte.
„Neben der Anpassung bleibt es sehr wichtig, dass wir gegen die Ursachen des Klimawandels vorgehen“, sagte die städtische Klimaschutzmanagerin Lea Unterreiner, die dem Arbeitskreis gemeinsam mit der Energiemanagerin Eva-Maria Löhrmann vorstellte, welche Bemühungen die Stadt in Sachen Klimaschutz derzeit unternimmt: Die Grundschule Goldscheuer ist im Juli in die Gebäudeleittechnik aufgenommen worden, so dass die dortige Heizanlage vom Arbeitsplatz der Energiemanagerin im Rathaus II aus gesteuert und überflüssiges Heizen vermieden werden kann. Das Gleiche sei für die Albert-Schweitzer-Schule, die Niedereichhalle, die Grundschule und die Mehrzweckhalle in Kork sowie das Gebäude der ehemaligen Werkrealschule Bodersweier und die dortige Mehrzweckhalle geplant, sagte Eva-Maria Löhrmann. 24 städtische Gebäude hat sie gemeinsam mit der Ortenauer Energieagentur daraufhin untersucht, ob noch effizienter geheizt werden kann und wie gut Fenster und Türen isoliert sind. Auf Basis dieser Begehungen wird sie einen Maßnahmenkatalog erstellen, der nach und nach abgearbeitet werden kann. Um klimafreundliche Energie zu erzeugen, ist auf dem Dach der Sporthalle des Einstein-Gymnasiums Ende November eine weitere Photovoltaikanlage in Betrieb genommen worden. „Diese produziert so viel Strom, dass sie den jährlichen Energiebedarf von 25 Haushalten decken könnte“, erläuterte die Energiemanagerin.
Im Bereich Klimaschutz wurde in Zusammenarbeit mit der Ortenauer Energieagentur beispielsweise die Reihe „Ihr Haus unter der Klimalupe“ mit fünf Informationsveranstaltungen organisiert. 55 Hauseigentümer nahmen das Angebot in Anspruch, ihre Gebäude auf Energieeinsparungsmöglichkeiten hin untersuchen zu lassen, wie Lea Unterreiner erläuterte. Mit mehr als 21 000 Euro hat die Stadt zudem über ihr Förderprogramm zur CO2- und Energieeinsparung Immobilieneigentümer darin unterstützt, ihre Gebäude energetisch zu sanieren. „Auch mit dem Repair-Café sind wir erfolgreich“, ergänzte die Klimaschutzmanagerin. Die zwölf Ehrenamtlichen, die jeden dritten Samstag im Monat defekte Geräte, Kleidung und Fahrräder reparieren, seien gefragt: Durchschnittlich würden monatlich 24 Gegenstände repariert. Geplant sei – in Zusammenarbeit mit der BürgerEnergiegenossenschaft – zudem die weitere Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf energieeffiziente LED-Lichter. Um das Klimaschutzmanagement noch besser strukturieren zu können, hat der Gemeinderat im November die Teilnahme am European Energy Award beschlossen, wie Lea Unterreiner den Mitgliedern des Arbeitskreises berichtete. Die Klimaschutzbemühungen in Kehl werden künftig also in ein Qualitätsmanagement eingebettet, das die vielen unterschiedlichen Maßnahmen sicht- und messbar macht. Ihre Umsetzung wird durch einen externen Auditor geprüft und zertifiziert.

Hintergrund:
Der Arbeitskreis Energie und Klimaschutz unter Leitung von Baubürgermeister Harald Krapp trifft sich zweimal pro Jahr. Mitglieder sind Stadträte, Mitarbeiter der Verwaltung sowie Vertreter der Bürgerinitiative Umweltschutz und der BürgerEnergiegenossenschaft.

18.12.2017

 

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