Unternehmerforum: Wie deutsche Firmen von französischen Arbeitskräften profitieren

Im gesamten Oberrheingebiet pendeln Tag für Tag rund 93 000 Franzosen über die Grenze, um in deutschen Firmen ihrem Beruf nachzugehen. Vor allem die Einwohner der Eurométropole Straßburg zieht es dabei auch nach Kehl. Den ansässigen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern bietet das viele Vorteile – zumindest dann, wenn sie die damit einhergehenden bürokratischen Hürden zu nehmen wissen. Wie der deutsche Arbeitsmarkt von französischen Arbeitskräften profitiert und an wen man sich bei Fragen wenden kann, darüber wurden knapp 80 Unternehmerinnen und Unternehmer auf Einladung von OB Toni Vetrano und Wirtschaftsförderin Fiona Härtel beim Unternehmerforum informiert.

„Bienchezsoi“ oder auf Deutsch „wohnfühlen“ – mit diesen zwei Schlagworten wirbt die Bürstner GmbH & Co. KG für ihre Wohnmobile, Wohnvans und Wohnwagen. Nicht von ungefähr fand das Unternehmerforum zum Thema grenzüberschreitende Zusammenarbeit darum in den Räumen des Bürstner Service Centers in Neumühl statt: „Unsere Firma hat zwei Heimatmärkte – Deutschland und Frankreich“, betonte Geschäftsführer Jens Kromer. Neben dem Standort in Wissembourg beschäftige das Unternehmen auch in Kehl viele Arbeitskräfte – 40 Prozent davon seien Franzosen und pendelten jeden Tag über die Grenze. „Wir profitieren stark von beiden Kulturen“, versicherte Jens Kromer. Das Unternehmen definiere sich über beide Länder und habe es dadurch geschafft, einer der wichtigen Hersteller von Wohnmobilen, Wohnwagen und Wohnvans in Europa zu werden.

Im Bürstner Service Center in Neumühl wurden rund 80 Unternehmerinnen und Unternehmer darüber informiert, wie deutsche Arbeitgeber von französischen Mitarbeitern profitieren.zoom

Dass grenzüberschreitende Zusammenarbeit für beide Seiten Vorteile hat – also sowohl für arbeitssuchende Franzosen, als auch für deutsche Unternehmer – das hoben auch Dr. Pierre Horn, Referent des AFPA-Fortbildungsinstituts in Straßburg, und Barbara Hölscher-Busam vom Sprachenzentrum Interparla hervor. „Wir machen arbeitssuchende Franzosen für den deutschen Arbeitsmarkt fit“, erklärte Barbara Hölscher-Busam. Jede zweite Firma klage mittlerweile über Fachkräftemangel, deutsche Arbeitgeber könnten darum von den Aus- und Weiterbildungen und den Umschulungen enorm profitieren, die französische Arbeitssuchende für den Job in Deutschland qualifizieren. Kommunikation sei dabei allerdings der Schlüssel, darum werde Wert darauf gelegt, die potentiellen Arbeitskräfte intensiv beim Erwerb der deutschen Sprache zu unterstützen.
Weil nicht nur die Sprache, sondern auch zahlreiche bürokratische Hürden vielen Arbeitnehmern und -gebern Probleme bereiten, rundeten Isabel Parthon und Audrey Schlosser von der deutsch-französischen Beratungsstelle INFOBEST Kehl/Strasbourg die Veranstaltung mit einigen Beispielfragen zum grenzüberschreitenden Alltag ab: „Unsere erste Anfrage nach der Gründung 1993 hätte auch die Firma Bürstner betreffen können“, erzählte Isabel Parthon. Damals habe sich ein Franzose gefragt, ob er seinen in Frankreich zugelassenen Hänger an ein in Deutschland zugelassenes Auto anhängen dürfe. Schon diese erste Anfrage zeige deutlich, dass die Beratungsstelle jedem Grenzgänger helfe – egal, um welches grenzüberschreitende Thema es sich handele. Und der Bedarf an grenzüberschreitender Hilfestellung sei hoch. Fragen wie: „Ich bin Franzose und arbeite in Deutschland, wo bezahle ich meine Steuer?“, „Habe ich Anspruch auf Familienleistungen im Ausland?“ oder „Ich bin nach Frankreich gezogen. Darf ich meinen deutschen Führerschein in Frankreich behalten?“ seien kein Einzelfall – die INFOBEST erhalte rund 5000 derartiger Anfragen pro Jahr. „Hauptsächlich beantworten wir Fragen zu Steuern, Versicherungen, Umzügen oder zur Erwerbsunfähigkeit“, berichtete Audrey Schlosser und ermunterte die Kehler Unternehmerinnen und Unternehmer, bei Fragen auf das Know-How der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Beratungsstelle zurückzugreifen.

29.03.2018

 

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