OB Vetrano kämpft im Krankenhausausschuss des Kreises für Kehler Klinik

Oberbürgermeister Toni Vetrano hat sich mit einem engagierten Statement im Krankenhausausschuss des Kreistags für den Erhalt des Kehler Klinikums über 2030 hinaus eingesetzt. Er kämpfte vor allem um eine Vertagung der Entscheidung über den vierten Klinik-Standort, der in Achern vorgesehen ist: Über die geografische Lage des nach Offenburg, Lahr und Wolfach vierten Krankenhaus-Standorts könne erst entschieden werden, wenn sicher sei, auf welcher Fläche in Offenburg das neue Großklinikum der Maximalversorgung entstehe, argumentierte er. Der Krankenhaus-Ausschuss stimmte mit 18 Ja- und sechs Nein-Stimmen für die Schließung der stationären Kliniken in Kehl, Oberkirch und Ettenheim nach 2030. Die endgültige Entscheidung soll am 24. Juli im Kreistag getroffen werden.

Die Stellungnahme von OB Toni Vetrano im Wortlaut:

"Angetreten sind wir mit einem klaren Ziel: Wir wollen die bestmögliche Krankenhausversorgung für unsere Bürgerinnen und Bürger im gesamten Ortenaukreis, also eine Versorgung auf hohem medizinischem Niveau ebenso wie eine flächendeckend gut erreichbare medizinische Versorgung im Notfall. Die Diskussion um die Agenda 2030 und damit um ein finanzierbares Konzept sollte uns diesem Ziel näherbringen.

Doch die ergebnisoffene Diskussion, die ich mir gewünscht habe und die einem Projekt von einer solchen Dimension angemessen wäre, ist schnell einem massiven Konkurrenzgerangel gewichen, das mit politischer Seriosität nicht mehr viel gemein hat.

Es ist noch nicht einmal ein ganzes Jahr vergangen, seit wird das Modell Landrat und damit eine Stärkung der vorhandenen Klinikstandorte beschlossen haben. Obwohl das Modell Landrat erst zum 1. Januar 2019 überhaupt umgesetzt wird, sind wir bereits dabei, es zu demontieren.

Versetzen Sie sich doch einmal in die Lage der Ärzte und des Pflegepersonals: Noch bevor der Wechsel der Orthopädie von Gegenbach nach Kehl überhaupt erfolgt ist, ist schon eine Diskussion im Gange, wo sie danach wohl hinkommt. Und wann ist danach? Tatsächlich 2030? Oder vielleicht doch schon früher?

Als wir im Juli 2017 das Modell Landrat beschlossen haben, haben wir den Beschäftigten in den Häusern des Ortenau-Klinikums eine Orientierung gegeben. Doch wer sich darauf verlassen hat, erlebt nun, dass immer wieder nachjustiert wird, dass immer wieder neue Eventualitäten in den Raum gestellt werden.

Die Folge: Wir zerstören die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter; hören Sie sich in den unterschiedlichen Häusern doch um: Das Klima ist desaströs.
Und gerade in Kehl brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn Ankündigungen nicht mehr viel Wert sind: Kehl wurde eine Kompensation versprochen, wenn die Geburtshilfe abgegeben wird – eingelöst wurde dieses Versprechen jedoch nicht. Die gut aufgestellt Gynäkologie sollte gestärkt werden, das genaue Gegenteil ist erfolgt.

Was Wunder, dass die Überprüfungsklausel bei dieser Vorgeschichte ebenfalls in den Verdacht gerät, nur eine Mogelpackung zu sein:
Ob das Modell Landrat Erfolg hat und die bestehenden Klinik-Standorte stärkt, hängt doch vor allem davon ab, welche Fälle diesen Standorten dann tatsächlich zugewiesen werden. Und es hängt auch davon ab, ob Chefarztstellen wieder besetzt werden, wenn die aktuellen Stelleninhaber vor 2030 in Rente gehen oder aus anderen Gründen den Arbeitsplatz wechseln sollten. Man kann – genau das haben wir bei der Gynäkologie erlebt – einen Standort auch einfach ausbluten lassen.

Wir fordern für Kehl 2025 für die Überprüfung der Ergebnisse des Modells Landrat ein eigenes Gutachten. Kehl ist nämlich das einzige Haus, das bislang nicht begutachtet wurde – und dessen neue Struktur im Gutachten Lohfert und Lohfert auch nicht abgebildet ist. Die Überprüfungsklausel ist für den Standort Kehl in ihrer bisherigen Form nicht ausreichend.

Sehr geehrter Herr Keller: Vom 1. Januar an müssen Sie also beweisen, dass es Ihnen tatsächlich ernst ist, mit der Umsetzung des Modells Landrat. Wenn ich die Vorlagen durchgehe, nährt das bei mir den Verdacht: Sie machen mit uns, was Sie wollen. Die Patientinnen und Patienten aus Kehl sind für Sie vor allem Verschiebemasse, die mal da, mal dort die Auslastung der Klinik-Standorte verbessern sollen. Ihre wohnortnahe Versorgung scheint dabei eine stark untergeordnete Rolle zu spielen.

Sie mögen diese Bemerkungen für zynisch halten, doch was sollen Kehler Bürgerinnen und Bürger aus einem Beschlussvorschlag anderes schließen, der da – verkürzt – lautet:
Kehl wird dem Klinik-Neubau einverleibt und zwar unabhängig davon, ob dieser schließlich nördlich von Windschläg – also für Kehl verkehrsgünstig und gut erreichbar – oder nordwestlich von Holderstock – also von Kehl aus deutlich schlechter erreichbar – errichtet wird.

Soweit meine Vorbemerkungen.

Kommen wir zum Gutachten von Lofehrt & Lofehrt:

Darin wird uns erklärt, dass eine Maximalversorgung für unsere Bürgerinnen und Bürger eine Zentralisierung der Krankenhausstandorte erfordert. Das ist nachvollziehbar.
 
Gleichzeitig wird uns vorgerechnet, dass vier Standorte kaum mehr kosteten als drei. Das ist für mich angesichts von hochtechnisierten Einrichtungen wie Krankenhäusern nicht nachvollziehbar. Wenn wir es aber so stehen lassen, muss doch die Frage erlaubt sein: Was bitte kosten dann fünf Standorte? Warum ist diese Zahl nicht berechnet worden?

Gehen wir unter der Prämisse der Zentralisierung der Maximalversorgung – die dann für alle Kreisbewohnerinnen und –bewohner zumindest ähnlich gut erreichbar sein muss – von vier Standorten aus, dann können wir – wenn wir es ehrlich meinen – die Entscheidung für die Lage des vierten Standorts, also für Achern, 2018 nicht treffen.

Die Gründe liegen auf der Hand:
Der Bau eines neuen Großklinikums mit Maximalversorgung mit erheblichen Zuschüssen des Landes ist eine einmalige Chance zur Optimierung unserer Krankenhaus-Struktur. Um diese Chance optimal nutzen zu können, muss der Standort sorgfältig gewählt werden. Diese Standortdiskussion ist in Offenburg noch nicht mal richtig angelaufen.

Wenn die Standort-Diskussion abgeschlossen ist, muss das Baurecht erwirkt werden, müssen die finanziellen Rahmenbedingungen festgeklopft sein, das heißt: Die Zuschuss-Zusage des Landes muss auf dem Tisch liegen. Das dauert seine Zeit – Zeit, die wir haben, um die Entscheidung für die geografische Lage und die Ausstattung des vierten Klinik-Standorts sorgfältig zu planen und vorzubereiten.

Denn erst wenn klar ist, wo genau das neue Großklinikum errichtet wird, steht fest, welches Einzugsgebiet, welche Teile des Kreises es abdecken kann. Und erst dann kann entschieden werden, wo der vierte Klinik-Standort im Sinne einer möglichst optimalen Versorgung der Bevölkerung unseres Kreises verortet sein soll.

Schauen wir uns doch nur die beiden jetzt bekannten Szenarien an:

Szenario 1: Der neue Klinikstandort Offenburg ist nördlich von Windschläg. Dann stellt sich doch die Frage, ob wir überhaupt einen vierten Standort brauchen? Windschläg ist für Achern, Oberkrich und Kehl gleichermaßen gut erreichbar.


Szenario 2: Der neue Klinikstandort Offenburg ist am Holderstock. In diesem Fall muss das Klinikum Kehl erhalten bleiben oder der vierte Standort muss im Norden die Achse Kehl, Oberkirch und Achern gleichermaßen bedienen.
Vielleicht werden in den nächsten Monaten noch weitere Szenarien entwickelt – wer weiß?

Deshalb sage ich es ganz deutlich: Zum jetzigen Zeitpunkt halte ich eine Entscheidung für die geografische Verortung eines vierten Standorts für fahrlässig und stelle die Behauptung in den Raum, dass dabei vor allem die Marktverteidigung in den Blick genommen wird.

Der Standort Achern wird doch mit dem Argument favorisiert, dass Patienten von Bühl nach Achern kommen. Es funktioniert doch aber umgekehrt genauso: Es gibt doch auch Patienten aus Achern, die sich in Bühl behandeln lassen.

Was ist das für eine Diskussion? Wollen wir in Achern ein neues Krankenhaus bauen, um Patienten aus Bühl anzuziehen und zu versorgen und dafür gleichzeitig die Patienten aus der drittgrößten Kreisstadt vernachlässigen?

Der Landkreis gibt mehr als eine halbe Milliarde Euro für die Agenda 2030 aus und zielt damit mehr auf die Patienten aus anderen Landkreisen, verbessert die Versorgung für die Ränder anderer Landkreise zu Lasten seiner eigenen Bevölkerung?

Das kann ja wohl nicht sein. Bei dieser Standort-Entscheidung wird sich zeigen, ob es am Ende nur um die Wirtschaftlichkeit oder tatsächlich um die bestmögliche Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner des eigenen Landkreises geht.
Nur als Nebenbemerkung: Die Stadt Kehl zahlt aktuell 14,5 Millionen Euro Kreisumlage; Achern 8,5.

Zusammengefasst bedeutet dies:
Der Klinik-Standort im nördlichen Ortenaukreis muss nach übergeordneten Kriterien der Erreichbarkeit, des Einzugsgebietes, der Förderfähigkeit und der Kooperationsmöglichkeiten mit Bühl und Straßburg sorgfältig geplant werden.
Einen entsprechenden Antrag kündige ich hiermit für die Sitzung des Kreistages bereits an."

12.06.2018

 

Flüchtlingshilfe Kehl

Daten und Fakten zum Thema Flüchtlinge in Kehl sowie Informationen für ehrenamtliche Helfer sind auf der Internetpräsenz www.fluechtlingshilfe.kehl.de zusammengestellt.

Familienbörse

Wer Familien von der anderen Rheinseite kennenlernen möchte, findet hier Kontakte.

Termine

  • Energiesparen im Haushalt

    Wie man mit ganz einfachen Mitteln im Haushalt Energie sparen kann, wird bei einem Vortrag am Donnerstag, 18. Oktober, um 17.30 Uhr in der Mehrzweckhalle Kork in der Oberdorfstraße 6 erklärt. mehr...

  • Ortsverwaltung Hohnhurst geschlossen

    Urlaubsbedingt bleibt die Ortsverwaltung Hohnhurst von Montag, 15. Oktober, bis einschließlich Freitag, 19. Oktober, geschlossen. mehr...

  • Fundsachenversteigerung

    Die Stadt Kehl versteigert wieder ihre Fundsachen im Internet: Ab Donnerstag, 18. Oktober, um 17 Uhr können zehn Tage lang rund 30 Fundstücke ersteigert werden. mehr...

  • Einschränkungen beim Parken

    Wegen Instandsetzungsarbeiten in der Tiefgarage Centrum am Markt müssen sich Autofahrer von Montag, 22. Oktober, bis Freitag, 26. Oktober, auf Einschränkungen beim Parken einstellen. mehr...

  • Vortrag zur Finanzierung der Pflege

    Der Arbeitskreis Demenz und die Bürgerstiftung Kehl laden am Dienstag, 16. Oktober, um 18.30 Uhr zu einem Vortrag zur Finanzierung der Pflege in den Sitzungssaal der Stadthalle ein. mehr...

  • Sperrung Blumenstraße

    Aufgrund von Pflasterarbeiten ist die Blumenstraße im Abschnitt zwischen der Straße „Am Läger“ und der Kinzigstraße von Mittwoch, 10. Oktober, bis Freitag, 30. November, voll gesperrt. mehr...

  • Das Abschiedsdinner

    „Das Abschiedsdinner“, ein Theaterstück über wahre Freundschaft, ist am Montag, 22. Oktober, um 20 Uhr in einer Produktion der Komödie am Kurfürstendamm in der Stadthalle Kehl zu sehen. mehr...

  • Baustellenführungen durch Kehl

    Einen direkten Eindruck von den größten städtebaulichen Projekten in Kehl können sich die Besucherinnen und Besucher im Rahmen der trinationalen Architekturtage Oberrhein bei zwei kostenlosen Baustellenführungen verschaffen. mehr...

  • Info-Stände zum neuen Bussystem

    Was ändert sich konkret mit der Inbetriebnahme des neuen Stadtbussystems? Zu welchen Uhrzeiten fährt der Bus wohin? Antworten auf derartige Fragen erhalten Interessierte in den kommenden Monaten an Informationsständen in der Kernstadt und den Ortsteilen. mehr...

  • Kunstausstellung in der Mediathek

    Insgesamt 28 bunte Kunstwerke schmücken derzeit den langen Flur des Obergeschosses der Mediathek. Die Bilder sind dort noch bis Mittwoch, 14. November, zu sehen. mehr...

  • Gästeführungen in Straßburg

    Gästeführer Dr. Stefan Woltersdorff bietet die Führung „Literatencafés und Künstlerkneipen“ zusätzlich am Donnerstag, 18. Oktober, an. Noch einige Restplätze verfügbar sind am Samstag, 20. Oktober, wenn Gästeführerin Irmi Dillenbourg unter dem Motto „Straßburg sportlich gehend entdecken“ Straßburgs unentdeckte Ecken präsentiert. mehr...

  • Förderung von Kulturprojekten

    Wer im kommenden Jahr in Kehl ein Kulturprojekt auf die Beine stellen möchte, kann ab sofort beim Kulturbüro einen Antrag auf Förderung stellen. mehr...

  • Energiespar-Helfer gesucht

    Energiespar-Helfer sollen ihren Mitbürgern ohne sprachliche oder kulturelle Barrieren beim Energiesparen helfen. Bei dem Ausbildungsangebot werden mehrsprachige Personen an zwei Workshop-Tagen jeweils samstags, am 20. und am 27. Oktober, von 9 bis 13 Uhr fortgebildet. mehr...

  • Kinderkleidung- und Spielzeugbasar

    Gebrauchte Baby- und Kinderkleidung, Spielzeug oder Kinderwägen können Schnäppchenjäger am Samstag, 27. Oktober, erwerben. mehr...

  • Bürgersprechstunde

    Wer mit Oberbürgermeister Toni Vetrano persönlich sprechen möchte, hat dazu am Dienstag, 16. Oktober, von 14 bis 18 Uhr Gelegenheit. mehr...

 
 

Stadtverwaltung Kehl · Rathausplatz 1 · 77694 Kehl · Tel.: 07851 88-0 · Fax: 07851 88-1102 · info@stadt-kehl.de