Beitrag zum Klimaschutz: Mit der Abwärme der Server Wasser erhitzen

Wie man mit dem Umstellen von Servern Energie sparen oder mit deren Abwärme Wasser erhitzen kann, erfuhren die Mitglieder der Arbeitskreises Energie und Klimaschutz vom Armin Bosien, Klimaschutzmanager der Stadt Emmendingen und Bernhard Stoll, Geschäftsführer des Raiffeisen Kraftfutterwerks Kehl. Die Stadt wird durch weitere Photovoltaik-Anlagen und den Bau eines Nahwärmenetzes an der Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes weiterarbeiten.

Um die Energieeffizienz der Wärmeversorgung zu erhöhen, werden die Falkenhausenschule und die dazugehörige Turnhalle sowie die Mediathek ab der Heizperiode 2918/2019 über ein Nahwärmesystem von der Stadthalle aus mit Wärme versorgt, berichtete Energiemanagerin Eva-Maria Löhrmann den Mitgliedern des Arbeitskreises. In einem Nahwärmenetz wird die benötigte Energie zentral von einem einzigen Heizgerät bereitgestellt und an mehrere Gebäude verteilt. Überflüssiges Heizen, wie beispielsweise während der Ferien oder an den Wochenenden, kann durch den Einbau moderner Regelungs- und Gebäudeleittechnik vermieden werden. Diese energiesparende Art der Heizungssteuerung wurde bereits in der Albert-Schweitzer-Schule und der Niedereichhalle, der Grundschule und der Mehrzweckhalle in Kork sowie der ehemaligen Werkrealschule und der Mehrzweckhalle in Bodersweier eingeführt.
Die neue Kindertageseinrichtung in Sundheim, ein Passivhaus mit der ersten Eisspeicherheizung in einem städtischen Gebäude, wurde im Mai eröffnet. Mit Hilfe einer Wärmepumpe wird die sogenannte Kristallisationswärme genutzt, die freigesetzt wird, wenn Wasser vom flüssigen in den gefrorenen Zustand übergeht. Ein Passivhaus verbraucht weniger als 15 Watt Energie pro Quadratmeter und Jahr.
Durch weitere Photovoltaik-Anlagen auf städtischen Gebäuden soll außerdem mehr Strom erzeugt werden. „Wir sind dabei, die Zahl der Anlagen zu erhöhen“, sagte die Energiemanagerin. Momentan werde geprüft, ob die Anlage auf dem Dach der Mehrzweckhalle in Auenheim vergrößert werden könne. Eine Anzeigetafel über die aktuelle Leistung, den Tagesertrag und den Gesamtertrag wird Ende des Monats im Foyer der Mehrzweckhalle angebracht. Die bereits installierten Photovoltaik-Anlagen auf städtischen Dachflächen verfügen insgesamt über eine Leistung von rund 642 Kilowatt peak (kWp, Bezeichnung für elektrische Leistung von Solarzellen). Damit können rund 165 Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden.
In der ersten kommunenübergreifenden Hausmeisterschulung am 16. Mai wurden die Themen „Sommerbetrieb der Heizungsanlage“ und „Sommerlicher Wärmeschutz“ behandelt. Teilgenommen haben 25 Hausmeister der Städte Kehl, Offenburg, Lahr, Bühl, Oberkirch, Emmendingen, der Gemeinde Sasbach sowie des Landratsamts Rastatt. In den Workshops hatten sie zusätzlich die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen. „Das Angebot wurde gut angenommen. Wir wollen daher im Winter die Veranstaltungsreihe fortsetzen“, erläuterte die Energiemanagerin.
Momentan werden die Heizungsventile in den Gemeinschaftsbereichen von Schulen und Hallen ausgetauscht und durch sogenannte Behördenventile ersetzt, bei denen die Heizstufe nur vom Hausmeister eingestellt werden kann. Dies soll verhindern, dass beispielsweise Flure, Abstell- oder Umkleideräume geheizt werden, obwohl gleichzeitig das Fenster geöffnet ist. Außerdem läuft derzeit eine Ausschreibung für die Belieferung der städtischen Gebäude mit Erdgas – erstmals mit Biogasbeimischung –, so dass ab 2019 alle städtischen Gebäude mit zehn Prozent Biogas beliefert werden. „Biogas sollte einer der nächsten Schritte der Stadt sein, um ihrer Vorbildrolle für Bürgerinnen und Bürger gerecht zu werden“, meinte Eva-Maria Löhrmann.
Nachdem das Projekt „Nachhaltige Mobilität“ in Zusammenarbeit mit der Hochschule Kehl abgeschlossen wurde, wird diese Zusammenarbeit mit einem neuen Projekt fortgesetzt. Unter dem Titel „Nachhaltige Hochschule“ sollen die Studierenden weiterhin im Bereich Klimaschutz tätig sein. So sollen sie sich beispielsweise mit der Beschaffung von nachhaltigen Büromaterialien beschäftigen. „In dem Projekt arbeiten wir mit den Menschen zusammen, die später in den Verwaltungen arbeiten und die Möglichkeit haben, Klimaschutz im Arbeitsalltag einer Verwaltung umzusetzen“, erklärte Lea Unterreiner. Das Projekt sei somit eine wichtige Ausbildung von Multiplikatoren.
Vom 9. Juni bis 29. Juni haben die Kehlerinnen und Kehler als weiteren Beitrag zum Klimaschutz wieder kräftig in die Pedale getreten: Das Ziel des Wettbewerbs „Stadtradeln“ sind möglichst viele zurückgelegte Fahrradkilometer im dreiwöchigen Aktionszeitraum. Nach dem vorläufigen Ergebnis wurden 93 791 Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt (Stand: 03. Juli 2018); dabei wurden 13318 Kilogramm CO2 eingespart (Berechnung basiert auf 142 Gramm CO2 pro Personen-Kilometer). 307 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in 35 Teams haben sich an der Aktion beteiligt. „Es freut mich sehr, dass dieses Jahr sechs Schulklassen teilgenommen haben“, meinte die Klimaschutzmanagerin.
Zusammen mit den Integrationsbeauftragten der Stadt Kehl und dem Diakonischen Werk Kehl erarbeitet der Bereich Umwelt derzeit das Projekt der „mehrsprachigen Energiespar-Helfer“. Geplant ist ein interkulturelles Informations- und Beratungsangebot zu alltäglichen Klimaschutzthemen für private Haushalte mit Migrationshintergrund. Geflüchtete können dabei den sparsamen Umgang mit Strom und Wasser erlernen, um zu vermeiden, dass sie durch hohe Nebenkostenabrechnungen Schulden anhäufen. Darüber hinaus sollen die Energiespar-Helfer ihren Landsleuten die richtige Mülltrennung vermitteln. Ziel der Beratung ist es, dass mehr Familien mit Migrationshintergrund umweltfreundlicher und nachhaltiger wirtschaften. „Wir wollen so Sprachbarrieren im Klimaschutz abbauen“, sagte Lea Unterreiner.
Armin Bobsien, Klimaschutzmanager bei der Stadt Emmendingen, berichtete dem Arbeitskreis über das Projekt GreenITown der deutschen Umwelthilfe, welches vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie der nationalen Klimaschutz-Initiative gefördert wird. Die Stadt Emmendingen ist eine der acht Modellkommunen, bei denen untersucht wurde, inwieweit durch die Reduzierung von technischem Gerät sowie durch den gezielten Einsatz derselben Energie gespart werden kann. In einem ersten Schritt ermittelten Experten den Strom- und den CO2-Verbrauch aller Geräte, um so passende Lösungen für die Stadtverwaltung zu erarbeiten. Neben dem Austausch der Computer durch energieeffizientere Modelle, beispielsweise durch Laptops, empfahlen die Experten der Stadt Emmendingen, die Serverräume umzustrukturieren. So konnten die einzelnen Server so angeordnet werden, dass nur einzelne Bereiche des Raums gekühlt werden müssen. Beide Vorschläge könnten eine Stromersparnis von jeweils bis zu 20 Prozent bringen, berichtete Armin Bobsien. Besonders die Gestaltung der Serverräume fand bei den Mitgliedern des Arbeitskreises großes Interesse.
Zum Abschluss erläuterte Bernhard Stoll, Geschäftsführer der Raiffeisen Kraftfutterwerk Kehl GmbH, wie bei ihm im Unternehmen die Abwärme der Server mittels Wärmepumpe zur Brauchwassererwärmung genutzt wird. Damit wird der Warmwasserbedarf annähernd abgedeckt und die Klimaanlage zur Kühlung der Server nicht mehr benötigt. Die Firma spart so circa 7000 Kilowattstunden Strom pro Jahr.

04.07.2018

 

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