Biotoppflege im Naturschutzgebiet Roßwörth

Gestufte, reich strukturierte Waldränder und Feldhecken sind wertvolle Biotope, die durch eine große Artenvielfalt gekennzeichnet sind. Um Lebensräume wie diese auf Kehler Gemarkung zu erhalten, werden im Oktober im Auftrag der Stadtverwaltung bereits zum zweiten Mal rund 100 angehende Forstwirte aus dem forstlichen Ausbildungszentrum Mattenhof vier Tage lang einen Vegetationsstreifen im Naturschutzgebiet Roßwörth nahe der Ortschaft Leutesheim pflegen.

„So muss das aussehen: verschiedene Ebenen und alles schön dicht bewachsen– hier fühlen sich die Tiere wohl“, freut sich Förster Markus Gutmann und zeigt dabei auf einen Feldheckenstreifen, der von den Mattenhof-Azubis im vergangenen Jahr gepflegt worden ist. Obwohl der Streifen intensiv zurückgeschnitten worden sei, habe er sich bereits vollständig regeneriert und biete wieder einen hochwertigen Lebensraum für bis zu 900 verschiedene Tierarten.

 (von links) Die Ausbilder Markus Göppert und Volker Herbst mit Förster Markus Gutmann bei der Besichtigung des Vegetationsstreifens, den die Mattenhof-Azubis pflegen werden. zoom

„Ohne unser Eingreifen würde auf der gesamten Freifläche irgendwann Wald entstehen“, erklärt Markus Gutmann. Denn könnten die Bäume und Sträucher ungehindert nach oben wachsen, sei es kleineren Pflanzen nicht möglich, in ihrem Schatten zu überleben. Sie würden nach und nach verschwinden, sodass den dort lebenden Tieren mit der Zeit auch ihre Nist- und Brutplätze sowie die Möglichkeit, sich vor Witterung und Raubtieren zu schützen, genommen werden. Die Stadtverwaltung lege jedoch Wert darauf, in den Naturschutzgebieten möglichst vielfältige Biotopflächen zu schaffen und zu erhalten. Spätestens alle zehn Jahre sei ein solcher Eingriff in die Natur daher unumgänglich.

Bei den Kopfweiden müssen die Weidenruten allesamt entfernt werden, damit der Baum wieder neu austreiben kann und so den Unterbereich der Hecke verdichtet. zoom

„Weil die Pflege der einzelnen Vegetationsstreifen sehr viel Arbeit bedeutet, profitiert das Naturschutzgebiet enorm vom Einsatz der Azubis“, berichtet Markus Gutmann. „Durch diese Kooperation gewinnen alle“, betont Ausbilder Volker Herbst, der mit seinen Schülern die professionelle Gehölzpflege an dem knapp 500 Meter langen Abschnitt üben wird. Derartige von Artenreichtum geprägte und großzügige Trainingsflächen gebe es nur sehr selten im Umkreis von Gengenbach, wo sich das Ausbildungszentrum befindet und in dem alle Azubis des ersten und zweiten Lehrjahres von Lörrach im Süden bis Heidelberg im Norden ausgebildet werden. Ziel des Blockunterrichts sei es, die mehrstufig strukturierten Vegetationsstreifen im Naturschutzgebiet professionell zurückzuschneiden, so dass die Sträucher und Bäume wieder neu austreiben können und die Pflanzen im unteren Bereich nicht verdrängt werden.

Obwohl dieser Vegetationsstreifen im Roßwörth im vergangenen Jahr intensiv zurückgeschnitten worden ist, hat er sich bereits vollständig regeneriert und bietet mit seinen verschiedenen Ebenen wieder einen hochwertigen Lebensraum für bis zu 900 verschiedene Tierarten. zoom

Im Roßwörth stoßen die angehenden Forstwirte dabei auch auf Pflanzen, die sie bisher noch nicht zu Gesicht bekommen haben. „Bei unserem letzten Einsatz haben wir sogar einen Kreuzdorn gefunden“, erinnert sich Volker Herbst. Dieser sei mindestens ebenso besonders wie die wertvollen Kopfweiden, deren professioneller Schnitt er mit seinen Lehrlingen nur selten üben könne. Diese bestehen nach ihrem fachmännischen Rückschnitt nur noch aus dem Stamm und einigen Aststümpfen. Die Weidenruten müssen allesamt entfernt werden, damit der Baum wieder neu austreiben kann und so den Unterbereich der Hecke verdichtet. „Es wird alles stark zurückgeschnitten, nur alle 30 bis 50 Meter lassen wir einen der Solitärbäume stehen“, erläutert Markus Gutmann. Bevorzugt würden dabei vor allem die rustikalen Eichen, an die bis zu 800 Kleinstlebewesen gebunden seien.

08.10.2018

 

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