Neues Stadtbussystem Thema beim Unternehmerfrühstück in Auenheim

76 Unternehmen sind im Gewerbegebiet in Auenheim ansässig – im Ortskern selbst sind es 48. Um mit dieser Vielzahl an Firmen in einen Dialog zu treten und Optimierungsmöglichkeiten zu besprechen, laden Oberbürgermeister Toni Vetrano, Wirtschaftsförderin Fiona Härtel und Ortsvorsteherin Sanja Tömmes regelmäßig zum Unternehmerfrühstück ein. Thematisiert wurde beim vergangenen Treffen neben dem Breitbandausbau und dem noch immer bestehenden Müllproblem auch das neue Bussystem, das am 9. Dezember startet und die Ortschaft sowie das Gewerbegebiet an den Regional- und Nahverkehr anbindet.

„Mit dem Anruf-Linien-Taxi, kurz ALT, und zwei neuen Haltestellen wird das Gewerbegebiet an den Bahnhof und an den Hafen angeschlossen“, erklärte der städtische Geschäftsbereichsleiter ÖPNV Andreas Müller. Der einzige Unterschied zu gewöhnlichen Bussen bestehe darin, dass das Taxi spätestens 30 Minuten vor der regulären Abfahrtszeit telefonisch geordert werden müsse, damit es die Route bedient. Genutzt werde es dann mit dem normalen Busticket – einen speziellen Fahrpreis wie beim Anruf-Sammel-Taxi gebe es nicht. Besonders praktisch: Wer das ALT an mehreren Tagen hintereinander nutzen möchte, könne das auch gebündelt mitteilen. „Wir rechnen mit einer schwankenden Nachfrage und wenigen Fahrgästen –darum wird die Route mit dem ALT bedarfsgerecht bedient“, erläuterte Andreas Müller. In der jetzigen Planung könne die K4-Linie, die von Leutesheim über Auenheim in die Innenstadt fährt, die zusätzliche Schleife wegen der dichten Taktung am Rendezvous-Halt am Rathaus nicht in ihre Linienführung integrieren. Werde das Angebot stark genug frequentiert, sei es allerdings möglich, das Gewerbegebiet nachträglich durch eine gesonderte Stadtbuslinie anzubinden.
Im Ortskern selbst werde die Anbindung ebenfalls verbessert, versicherte Ortsvorsteherin Sanja Tömmes den Firmenvertretern. Während das Gewerbegebiet stündlich angefahren werde, sei innerhalb der Ortschaft zwischen 6 und 18 Uhr eine halbstündige Taktung vorgesehen. Außerdem werden nicht nur im Gewerbegebiet, sondern auch entlang der Hauptstraße jeweils zwei neue Haltestellen gebaut. Im Ortskern werden damit künftig insgesamt vier Haltestellen angefahren.

Vermüllung des Gewerbegebietes ist ein Problem

Neben dem neuen Bussystem wurde auch der Müll thematisiert, der die Unternehmer im Gewerbegebiet plagt. Über die Hinterlassenschaften der Lastwagenfahrer, die in ihren geparkten Lkw die Nacht verbringen oder Wartezeiten zwischen Aufträgen überbrücken, hatten die Unternehmer schon bei vergangenen Treffen geklagt. Der städtische Betriebshof erhöhte daraufhin seinen Reinigungsturnus: Zweimal pro Woche sammelt ein Mitarbeiter dort den Müll ein. Zusätzlich finden nach Bedarf größere Reinigungsaktionen statt, bei denen Straßen und Grünflächen von Unrat befreit werden. Behoben sei das Problem damit allerdings noch immer nicht, bemängelten die Unternehmer beim Frühstück. „Es ist ein untragbarer Zustand“, klagte einer von ihnen – und die anderen Firmenvertreter pflichteten ihm bei. Sie bezogen sich damit nicht nur auf klassischen Abfall wie Verpackungsmaterial, Dosen, Flaschen, Zigarettenpackungen und Taschentücher: Zusätzlich werde das Gewerbegebiet auch dadurch verunreinigt, dass Lkw-Fahrer ihre Notdurft im Freien verrichteten.
Um eine Lösung des Problems bemüht, hatte Wirtschaftsförderin Fiona Härtel bereits vor zwei Jahren eine Umfrage gestartet, welche Firmen sich an den Kosten für eine gemeinsame öffentliche Toilette beteiligen würden. Die meisten Unternehmen hatten jedoch abgelehnt, überwiegend mit der Begründung, dass ein Mehr an Infrastruktur noch weitere Lkw-Fahrer aus der Umgebung anziehen könnte, die das Gewerbegebiet Auenheim selbst gar nicht beliefern.

Abgestellte Lkw belasten Unternehmer

Ebenso wie die Hinterlassenschaften der Fahrer sind die im öffentlichen Straßenraum abgestellten Lkw selbst eine Belastung für die Unternehmer. „Wir nehmen Ihre Anliegen ernst und werden versuchen, sie schnell anzugehen, auch wenn nur kleine Schritte möglich sind“, versicherte OB Toni Vetrano. So wurden im Gewerbegebiet bereits absolute Halteverbote eingeführt. Im Zuge des Radverkehrskonzepts sei in der Otto-Hahn-Straße zudem beidseitig ein Radweg geplant – das Parken sei dort dann ebenfalls nicht mehr erlaubt. „Wenn sich die Lkw-Fahrer den Verboten widersetzen, können wir nicht viel mehr tun“, bedauerte Sanja Tömmes. Es werden zwar regelmäßige Kontrollen durchgeführt, aber sobald die Polizeibeamten weg seien, werde wieder an denselben Stellen geparkt. „Dann muss Gartner die Laster eben auf dem eigenen Grundstück stehen lassen, so handhaben wir anderen das ja auch“, forderte ein Unternehmer. Denn fast alle Lkw, die manchmal tagelang auf den Straßen im Gewerbegebiet abgestellt sind, seien der Auenheimer Niederlassung der Spedition Gartner zuzuordnen. Ein Vertreter von Gartner war nicht zum Frühstück gekommen, Wirtschaftsförderin Fiona Härtel sagte aber zu, mit dem Geschäftsführer der Firma erneut in den Dialog zu treten.

Breitbandausbau kommt

Auch über die Internetanbindung in Auenheim äußerte sich ein Unternehmensvertreter kritisch. Manchmal müsse er die Mitarbeiter mittags nach Hause schicken, da sie im Homeoffice bessere Verbindungen haben, bemängelte er. OB Toni Vetrano kündigte den Ausbau an, es gebe bereits die Zusage für eine Förderung in Höhe von rund zwei Millionen Euro – dadurch sei die Erschließung der unterversorgten Gebiete durch private Telekommunikationsunternehmen möglich. Das Verfahren werde allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen: „Wir haben Mitte Oktober eine flächendeckende Ausschreibung für eine schnellere Internetverbindung in allen unterversorgten Gebieten gestartet“, berichtete OB Toni Vetrano den anwesenden Unternehmern. Die Vergabe erfolge voraussichtlich im Januar.

06.11.2018

 

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