Französisch-deutsche Gruppe poliert in Kehl Stolpersteine

63 Stolpersteine sind in der Kehler Innenstadt verlegt und markieren die Orte, wo einst Kehlerinnen und Kehler jüdischen Glaubens gelebt haben oder zur Schule gegangen sind. Bereits zum zweiten Mal ist am Donnerstag (8. November) eine Gruppe von Straßburgerinnen und Straßburgern nach Kehl gekommen, um die Stolpersteine zu polieren. In diesem Jahr waren auch Mitglieder der jüdischen Gemeinde Straßburgs mit dabei, begleitet von ihrem Oberrabiner Harold Avraham Weill. Oberbürgermeister Toni Vetrano hat die Gäste aus Frankreich auf dem Bahnhofsvorplatz willkommen geheißen: "Ich kann kaum in Worte fassen, was ich dabei empfinde, dass Menschen von der anderen Rheinseite zu uns kommen, um gemeinsam mit uns den Opfern der deutschen Nazi-Schergen zu gedenken."

Mit der Tram kamen die französischen Gäste nach Kehl und trafen auf dem Bahnhofsvorplatz mit den Kehlerinnen und Kehlern zusammen, die gemeinsam mit ihnen in zwei gemischten Gruppen durch die Innenstadt gehen wollten, um die Stolpersteine wieder zum Glänzen zu bringen. "Wir werden in zwei Bogen gehen, die zusammen ein Herz formen", erläuterte der Mitinitiator der Aktion, David Gümbel.

Friedrich Peter und Dr. Ute Scherb, Leiterin des Archivs und des Hanauer Museums, berichteten an jeder Station über die grausamen Schicksale, welche die jüdischen Familien aus Kehl erleiden mussten.

Auf dem Bahnhofsvorplatz begrüßt Oberbürgermeister Toni Vetrano den Straßburger Oberrabiner Harold Avraham Weill.zoom

Zuvor dankte Oberbürgermeister Vetrano der Gruppe und sprach von der Scham, die er empfinde, "wenn ich daran denke, dass heute Menschen jüdischen Glaubens mithelfen möchten, die in Kehl verlegten Stolpersteine zu säubern und zu polieren. Dass so etwas einmal möglich sein würde, hätte ich – und hätten wahrscheinlich alle deutschen Staatsbürger, die hier anwesend sind – nicht für möglich gehalten".

Er erinnerte kurz an den Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 2010, nach dem die Recherchen zu den Wohnorten und den Leidensgeschichten der jüdischen Opfer beginnen konnten. "Mit den Stolpersteinen wollten wir in Kehl den ehemaligen Mitbürgerinnen und Mitbürgern wenigstens posthum ein klein wenig Würde zurückgeben, in dem wir ihnen ihre Namen zurückgeben."

Eine Gruppe von Straßburger und Kehler Bürgerinnen und Bürgern, darunter auch Mitglieder der jüdischen Gemeinde Straßburgs, polieren am 8. November gemeinsam die Stolpersteine in Kehl.zoom

An den Stolpersteinen auf dem Bahnhofsvorplatz erinnerten Ute Scherb und Friedrich Peter an die Geschichte der vierköpfigen Familie Bodenheimer - allein die ältere Tocher Ruth überlebte den Nazi-Terror knapp und aufgrund von glücklichem Umständen. Vater Heinrich Bodenheimer, Mutter Elsa und die jüngste Tochter Martha Nelly wurden in Auschwitz ermordet. Martha Nelly wurde 21 Jahre alt.

08.11.2018

 

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