Die EU hat’s möglich gemacht: Luftreinhaltung im Ballungsraum Straßburg-Kehl

Trambrücke, Passerelle des deux Rives, Europäisches Zentrum für Verbraucherschutz, Grenzgängerberatungsstelle INFOBEST, deutsch-französische Kinderkrippe, deutsch-französisches Feuerlöschboot oder Luftreinhaltung: Über die Jahre hat die Europäische Union grenzüberschreitende Projekte in Kehl und für Kehl mit mehr als 11,4 Millionen Euro gefördert. So manche von ihnen wären ohne die Millionen aus Brüssel wohl nicht verwirklicht worden; die meisten haben bis heute positive Auswirkungen für die Einwohnerinnen und Einwohner im Grenzraum. In lockerer Folge werden bis zur Europawahl am 26. Mai die bedeutendsten Interreg-Projekte vorgestellt. Heute: Luftreinhaltung.

Als sich 1987 in Kehl der Widerstand gegen die von der Landesregierung geplante Sondermüllverbrennungsanlage im Kehler Hafen formierte und sich den Demonstrationen auch Bürgerinnen und Bürger aus Straßburg anschlossen, reichte das konzertierte Engagement bis in die Straßburger Stadtspitze hinein. Das es auch die damalige Oberbürgermeisterin, spätere Europaabgeordnete und heutige Vizepräsidentin der Eurométropole Catherine Trautmann mobilisierte, war umso erstaunlicher, weil noch ein Jahr zuvor so getan wurde, als respektierten Schadstoffe in der Luft die französische Staatsgrenze. Während nämlich in Folge der Kernschmelze im Reaktorblock 4 im russischen Tschernobyl der Salat auf der deutschen Rheinseite untergepflügt wurde, konnte dieser jenseits des Rheins offenbar bedenkenlos verzehrt werden.
Nachdem der Kampf gegen die Sondermüllverbrennung das Thema Luftverschmutzung in den Vordergrund gerückt hatte – Kehl galt damals als die Stadt mit der am höchsten belasteten Luft in Baden-Württemberg – begann die Zusammenarbeit der Städte Straßburg und Kehl 1990 folgerichtig in einer Arbeitsgruppe für Umwelt. Erstes großes gemeinsames Projekt war der Luftreinhalteplan Straßburg-Ortenau, der von der Stadt Kehl und der Stadtgemeinschaft Straßburg (CUS) initiiert und vorbereitet wurde. Im April 1993 unterzeichneten das französische Umweltministerium, das Umweltministerium des Landes Baden-Württemberg, die Stadtgemeinschaft Straßburg, der Ortenaukreis, die Stadt Offenburg und die Stadt Kehl den Vertrag über die Erstellung des Luftreinhalteplanes. Das 800 000 Mark teure Projekt wurde zur Hälfte von der Europäischen Union mit Mitteln aus dem ersten Interreg-Fonds kofinanziert. Für die Stadt Kehl und die CUS war es das erste Interreg-Projekt – am Oberrhein gehörte der Luftreinhalteplan zu den ersten grenzüberschreitenden Projekten überhaupt.

Die B28 gehört im Stadtgebiet von Kehl zu den Bereichen mit der höchsten Luftbelastung (und das nicht nur zu Zeiten, in denen sich der Verkehr staut oder als die Tramtrasse zwischen Bahnhof und Rathaus gebaut wurde). Das hat das Projekt „Atmo Idee“ deutlich gemacht.zoom

Dass dieses grenzübergreifende Vorhaben zur damaligen Zeit außerordentlich war, zeigte sich auch daran, dass der ehemalige Kehler Beigeordnete Jörg Armbruster den Luftreinhalteplan zusammen mit dem späteren Präsidenten zunächst des elsässischen Regionalrates und dann des Rates der Région Grand Est, Philippe Richert (er war damals Präsident der elsässischen Luftreinhalteorganisation ASPA, heute Atmo Grand Est), im französischen Parlament in Paris vorstellen durfte. Ziel des Luftreinhalteplanes, der 1995 vorgelegt wurde, war es nicht nur, flächendeckend Immissionserhebungen für die hauptsächlichen Luftschadstoffe vorzunehmen, sondern auch Maßnahmen zu entwickeln, welche die Luftqualität verbessern sollten. Nachdem der Straßenverkehr als ein wesentliches Problem identifiziert worden war, vereinbarte man, Straßenbauvorhaben genau auf ihre Auswirkungen auf die Luftbelastung zu prüfen (die heutige Pflimlin-Brücke war damals ein kontrovers diskutiertes Projekt), alle Möglichkeiten zu nutzen, um den öffentlichen Nahverkehr zu fördern (die erste Straßburger Tramlinie A war im November 1994 eröffnet worden) und Bürgerinnen und Bürger für die durchs Autofahren verursachten Probleme zu sensibilisieren (Jobticket, Fahrgemeinschaften, mehr Wege mit dem Rad zurücklegen).

Aufgrund der vorherrschenden Windrichtung gelangt ein Teil der Luftschadstoffe, die von Straßburger Industriebetrieben abgegeben werden, auch nach Kehl.zoom

Nachdem in den Folgejahren Ansiedlungen von neuen Betrieben auf beiden Rheinseiten immer wieder zu neuen Diskussionen über deren Bedeutung für die Luftqualität im Ballungsraum Straßburg-Kehl geführt hatten (Straßburg hatte in einem Fall sogar den Klageweg beschritten), war die konsequente Fortsetzung des Luftreinhalteplans im Jahre 2012 das Interreg-Projekt „Atmo Idee“. Ziel des Projektes unter Federführung von Atmo Grand Est war es, eine gemeinsame und grenzüberschreitende Datenbasis für Emissionen und Immissionen zu erstellen. Auf dieser Grundlage wurden die Auswirkungen der bestehenden Luftverschmutzung aus den lokalen Quellen, also von Industrie, Verkehr und Haushalten, bewertet. In einem dritten Schritt sollte das Simulationsmodell dazu dienen, die Auswirkungen von zusätzlichen Luftverschmutzern, also beispielsweise neuen Industrieansiedlungen, darstellen zu können. An diesem Interreg-Projekt mit einem Umfang von 742 000 Euro war die Stadt Kehl mit 30 000 Euro beteiligt. Weitere Projektpartner waren neben Atmo Grand Est die Eurométropole de Strasbourg, der Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau, die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, die Universität Straßburg und die NUMTECH Clermont-Ferrand.
Die Fortsetzung des Projekts unter dem Titel „Atmo Vision“ wurde auf den gesamten Oberrhein ausgedehnt und hat sich die Luftreinhaltung unter Einbeziehung zahlreicher Partner (Verbände, Institutionen, Experten für Luftqualität sowie Bürgerinnen und Bürger) in Deutschland, Frankreich und der Schweiz zum Ziel gesetzt. Einige Tramzüge auf der Linie D waren beispielweise temporär mit Ministationen zur Messung von Feinstaub und Stickstoffdioxid versehen worden. Dadurch erhofft man sich neue Erkenntnisse darüber, wie sich die Luftqualität im Straßenraum verändert.

11.05.2019

 

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