Europa hat’s möglich gemacht: Kehl ist ein Kompetenzzentrum für europäische Fragen

Kehl ist ein Kompetenzzentrum für europäische Fragen: Während in Straßburg die großen europäischen Institutionen wie der Europarat, das Europaparlament, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte und die Arzneimittelbehörde Pharmakopöe ihren Sitz haben, sind in Kehl die grenzüberschreitenden Einrichtungen angesiedelt. Diese Art von Arbeitsteilung wurde einst zwischen den Oberbürgermeistern Catherine Trautmann (Straßburg) und Detlev Prößdorf (Kehl) vereinbart. Ziel aller grenzüberschreitenden Einrichtungen ist es, den Alltag der Menschen im Grenzraum zu erleichtern. Möglich gemacht hat diese Entwicklung die Förderung durch die Europäische Union – meistens über Zuschüsse aus dem Interreg-Programm.

Die große Zahl von grenzüberschreitenden Einrichtungen macht Kehl zu einem Kompetenzzentrum für europäische Fragen.zoom

Begonnen hat die Entwicklung 1993: Damals wurden – unterstützt durch Gelder aus dem Interreg-Fonds der EU – drei grenzüberschreitende Einrichtungen in Kehl gegründet: die Grenzgängerberatungsstelle INFOBEST, die seit ihrer Gründung rund 110 000 Fragen von Bürgerinnen und Bürgern aus Straßburg und der Ortenau beantwortet hat, die Fortbildungseinrichtung Euro-Institut und die europäische Verbraucherschutzorganisation, die damals den Namen Euro-Info Verbraucher trug und heute zum Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz herangewachsen ist. 2018 verzeichnete das ZEV 116 000 Verbraucherkontakte und bearbeitete 15707 Verbraucherbeschwerden. 74 Prozent der Fälle konnte die Einrichtung zur Zufriedenheit der Verbraucher lösen.

Euro-Institut und INFOBEST wurden damals in der der Stadt Kehl gehörenden Rehfusvilla untergebracht, wo sie noch heute – zusammen mit dem Sekretariat der deutsch-französisch-schweizerischen Oberrheinkonferenz – ihren Sitz haben. Das dreiköpfige Team von Euro-Info Verbraucher war in der Anfangsphase in einem kleinen, eingeschossigen Pavillon an der Ecke Straßburger Straße/Schulstraße untergebracht – heute residiert die auf 46 Mitarbeitende angewachsene Einrichtung schräg gegenüber im auf das Bahnhofshochhaus folgenden Glasbauwerk.
Als Zwischenstation hatte Euro-Info Verbraucher im Torbogengebäude am Rehfus-Platz sein Domizil. Die Stadt Kehl hatte das Gebäude 2003 erworben, um die grenzüberschreitenden Einrichtungen zu einem Kompetenzzentrum für europäische Fragen an einem Ort zusammenzuführen. Auch für die Einrichtung des Kompetenzzentrums flossen damals Interreg-Zuschüsse. Bis heute ist die Stadt Kofinanziererin dieser drei ersten grenzüberschreitenden Einrichtungen.

Seit 1993 eine wichtige Adresse bei Fragen zum grenzüberschreitenden Alltag: die Rehfus-Villa.zoom

2005 gründeten die damalige Stadtgemeinschaft Straßburg – heute Eurométropole –, der Ortenaukreis und die fünf großen Kreisstädte in der Ortenau auf der Basis einer deutsch-französischen Vereinbarung den Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau. In den ersten fünf Jahren hatte dieser zwei Sprecher, also einen französischen und einen deutschen, und dementsprechend auch zwei Geschäftsstellen. Seit der Eurodistrikt Anfang 2010 ein EVTZ, also ein Europäischer Verbund Territorialer Zusammenarbeit nach französischem Recht wurde, befindet sich dessen Sekretariat ebenfalls in Kehl; im Torbogengebäude in den früheren Räumen des heutigen Zentrums für Europäischen Verbraucherschutz.

Das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz sitzt heute am Bahnhofsplatz gegenüber der Tramhaltestelle - zusammen mit der deutsch-französischen Servicestelle der Arbeitsämter.zoom

2010 ist auch das Gründungsjahr von TRION, dem Energienetzwerk der ebenfalls 2010 aus der Taufe gehobenen Trinationalen Metropolregion Oberrhein. TRION sorgt dafür, dass Gebietskörperschaften aus Baden, dem Elsass und der Schweiz in Sachen Klimaschutz und Energiewende voneinander lernen können; der Verein komplettiert das Kompetenzzentrum am Rehfus-Platz mit seinen Büros im Torbogengebäude.

Dass Kehl für grenzüberschreitende Einrichtungen ein prädestinierter Standort ist, zeigt auch der Umstand, dass das 1999 in Offenburg gegründete Gemeinsame Zentrum für deutsch-französische Polizei- und Zollzusammenarbeit 2002 nach Kehl umgezogen ist. Seit 2011 arbeiten auch die deutsche und die französische Wasserschutzpolizei zusammen und haben ihr Hauptrevier in Kehl. Im Februar 2013 hat die damalige Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen die Servicestelle für deutsch-französische Arbeitsvermittlung eingeweiht – im gleichen Gebäude am Bahnhofsplatz, in dem auch das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz seinen Sitz hat.

17.05.2019

 

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