Städtische Blumenwiesen machen ortenauweit Furore

Mehr und mehr Grünflächen werden von den Mitarbeitern des Betriebshofs in artenreiche Blumenwiesen oder Wildstaudenbeete umgewandelt: Aktuell blüht es bereits auf mehr als vier Hektar; ab September kommen an vier weiteren Stellen im Stadtgebiet noch Flächen hinzu. Möglich macht dies eine Förderung in Höhe von 15 000 Euro, welche die Stadt Kehl beim Wettbewerb „Natur nah dran“ gewonnen hat. Aber auch über Grünanlagen hinaus werden stetig weitere Maßnahmen zum Naturschutz verwirklicht.

Vier Hektar nehmen die Wildblumenwiesen bisher im Stadtgebiet ein; ab September kommen an vier weiteren Stellen noch Flächen hinzu.zoom

„Ist das nicht absolut überwältigend, dass sich auf so einer kleinen Fläche so viele Insekten tummeln – und das auch noch mitten in der Stadt?“ Die Freude ist Frank Wagner, Leiter der Abteilung Grünflächenmanagement beim städtischen Betriebshof, sichtlich ins Gesicht geschrieben, als er vor der kleinen Wildblumenwiese an der Kreuzung gegenüber des City Centers in Richtung Hafengebiet steht. Auf knapp vier Quadratmetern Fläche wurde dort im Frühjahr 2019 eine Wildblumenmischung mit 80 Sorten ausgesät. Gemessen an den insgesamt vier Hektar, die bereits in Fläche für Blumen umgewandelt wurden, ist der Grünstreifen neben dem Fahrradweg sehr klein. „Aber auch er trägt seinen Teil zu einer grüneren Stadt bei“, betont Frank Wagner. 2017 haben die Betriebshofmitarbeiter damit begonnen, städtische Randstreifen und Verkehrsinseln mit den Blumenmischungen zu versehen, denn: „Dies ist nicht nur ein effektiver Beitrag zur Förderung von Insekten, sondern auch mit weniger Pflegeaufwand verbunden.“ Zwischendurch werden die Staudengewächse einmal vollständig abgemäht. Die Samenkörner in den Blumen werden dabei in der Erde verteilt und im Herbst kommt es so erneut zu einem „Blumenzauber“, freut sich Frank Wagner.

Die verwendete Wildblumenmischung besteht aus 80 verschiedenen Sorten an Blumen.zoom

Mit diesem Konzept der Umwandlung von Grünflächen sei Kehl sehr erfolgreich und erhalte inzwischen Anfragen von Städten aus der Region, die sich daran orientieren und dies ebenfalls umsetzen möchten. Auch im Wettbewerb „Natur nah dran“ konnte Kehl damit überzeugen und erhält als Fördersumme 15 000 Euro. Ziel des Wettbewerbs ist es, durch die Gestaltung und das Management von öffentlichen Grünflächen im Siedlungsraum Tieren und Pflanzen einen Lebensraum im Wohnumfeld des Menschen zu bieten. Mit dem Preisgeld werden ab September in der Vogesenallee in der Nähe des Kindergartens, der Hebelschule und der Tulla-Realschule sowie entlang der Richard-Wagner Straße weitere Anlagen mit Wildblumen geschaffen.
Wie dieses Ergebnis der Begrünung am Ende ausschauen kann, zeigen bereits umgesetzte Projekte: Am Sundheimer Kreisverkehr in der Nähe der Kita blühen sowohl mehrjährige Stauden, als auch viele verschiedene Arten von Wildblumen. Direkt daneben am Festplatz wurde im Frühjahr eine Wildblumenwiese angelegt, die von einer Reihe aus 60 Büschen eingefasst ist. „Dass sich die Pflanzen gut entwickeln, kann man zum Beispiel an deren Wachstum sehen. Die Sonnenblumen sind bereits so groß wie ich selbst“, erklärt Frank Wagner und zeigt stolz auf die großen Blüten. Auf dem im vergangenen Jahr angepflanzten hinteren Bereich des Lägers werden Passanten ebenfalls von meterhohen Sonnenblumen begrüßt. Dass es in direkter Nähe zur stark befahrenen B 28 grünt und blüht, liegt unter anderem an den guten Wachstumsbedingungen für die Blumen: „Dort stehen bereits mehrere größere Bäume, die den kleinen Pflanzen im heißen Sommer ausreichend Schatten bieten können.“ So sei die Erde weniger stark ausgetrocknet und die Pflanzen größer als ihre Nachbarn direkt daneben auf der stärker von der Sonne bestrahlten Seite.

Auf dem im vergangenen Jahr angepflanzten hinteren Bereich des Lägers werden Passanten ebenfalls von meterhohen Sonnenblumen begrüßt.zoom

„Und auch die 50 gepflanzten Bäume wachsen gut an“, berichtet Frank Wagner. Auf insgesamt einem Hektar befinden sich Amerikanische Roteichen, Gold-Robinien, Silber-Linden, rotblühende Esskastanien, Blutbirken, Tulpenbäume und Ahornblättrige Platanen – und dies sind nur einige der Baumsorten. Das öffentliche Interesse an einer begrünten Stadt hat laut Frank Wagner in letzter Zeit stark zugenommen. „Vor allem in der heißen Zeit haben wir häufig Kehlerinnen und Kehler gesehen, die mit der Gießkanne unterwegs waren, um die frisch angepflanzten Wiesen zu wässern.“ Dieser Einsatz sei zwar vorbildlich, aber im Falle der Wildblumenwiesen nicht notwendig, da die Pflanzen auch von alleine gut anwachsen.
Bei der Stadtbegrünung geht es auch nicht überall rein um den ästhetischen Aspekt: „Auf der Freifläche zwischen Europabrücke und Trambrücke haben wir im Mai eine Wohlfühloase für die geschützten Eidechsen angelegt und dazu verschiedene Kräuter, Gräser und Wiesenmischungen gesät.“ Einzelne Sorten benötigten für den Keimvorgang aber erst einen Winter mit Frost, um ihren Wuchsprozess überhaupt zu aktivieren. „Für uns steht der ökologische Wert dieser Maßnahme im Vordergrund, der gestalterische Wert wird sich in den nächsten Jahren noch zeigen.“

In der Nähe der Kita Sundheim blühen sowohl mehrjährige Stauden, als auch viele verschiedene Arten von Wildblumen. zoom
Den Arten- und Naturschutz fördern wolle man auch mit den Bauarbeiten im Baugebiet Schneeflären, mit denen vergangene Woche begonnen wurde. Hier sind neben dem Anlegen von Blumenwiesen und der Pflanzung von Bäumen und Sträuchern auch Insektenhotels vorgesehen. Nistkästen für Vögel und Schutzeinrichtungen für Amphibien erweitern das Angebot für Tiere. Aber auch für die Anwohner soll Natur erlebbar gemacht werden: Gelenkte Rundwege durch die angelegten Grünflächen gehören ebenso dazu, wie Naschgärten, in denen leckere Früchte von Bäumen und Sträuchern gepflückt werden dürfen.

06.08.2019

 

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