Minister Hermann: Tram ist ein Vorzeigeprojekt für andere im Land

„Ein Leuchtturmprojekt“, „ein Erfolgsprojekt“, „ein Vorzeigeprojekt für weitere grenzüberschreitende Schienenprojekte im Land“: Als der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann MdL am späteren Dienstagnachmittag (27. August) auf dem Kehler Rathausplatz Station macht, kommt er über die grenzüberschreitende Tram geradezu ins Schwärmen. Schöne Tramzüge gebe es in Frankreich, sagt er und lobt die französische Lohnsummensteuer zugunsten des Nahverkehrs: „Auch wir prüfen, wie die kommunalen Entscheidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten zur Finanzierung des ÖPNV gestärkt werden können.“ Oberbürgermeister Toni Vetrano und der stellvertretende CTS-Präsident Jean-Louis Metzger können berichten, dass sich die Erfolgsgeschichte der Tram fortsetzt: Seit sie bis zum Rathaus fährt, sind die Fahrgastzahlen um 15 Prozent gestiegen – schätzungsweise werden bis Ende November etwa 3,5 Millionen Einzelfahrten stattgefunden haben.

Für den baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann (Mitte) ist die grenzüberschreitende Tram ein Erfolgsmodell, wie er gegenüber OB Vetrano betont. Mit ihm zu Besuch in Kehl ist der GRÜNEN-Landtagsabgeordnete Thomas Marwein.zoom

Im Rahmen seiner Sommertour holt der Minister nach, was im vergangenen Dezember nicht geklappt hat: Aufgrund anderer Termine hatte er die Einweihung der neuen Endhaltestelle der Tram und des Bus-Rendezvous am 8. Dezember verpasst. An die Jungfernfahrt der Tram über den Rhein am 28. April 2017 erinnert er sich indes noch gut. OB Vetrano erläutert Minister Hermann und dem GRÜNEN-Landtagsabgeordneten Thomas Marwein das Stadtbussystem mit Rendezvous am Rathaus, bevor die Gruppe, zu der auch Stadträtinnen und Stadträte gehören, in die Tram steigt.

Jean-Louis Metzger, stellvertretender Betriebsleiter der CTS, und Guillaume Febvay, Betriebsleiter für die Tram in Kehl, nehmen den Minister mit in den Führerstand des Tramzuges, der Besucher, OB und Stadträte nach Straßburg bringt.zoom

Mit 2,5 Millionen Einzelfahrten hatten die Partner Straßburg und Kehl vor der Verlängerung der Linie D in ihren Verträgen kalkuliert. Bevor die Linie D ihre Endstation in Kehl hatte, habe sie in der Rangliste der Straßburger Tramlinien auf Platz vier gestanden, berichtet Jean-Louis Metzger dem Minister, jetzt sei sie – nach der Innenstadtlinie A – die Tramstrecke mit den zweithöchsten Fahrgastzahlen.
Als die Tram in die Haltestelle Kehl Bahnhof einfährt, weist Toni Vetrano den Minister auf die Gefahren hin, die der mit 50 Stundenkilometern fließende Autoverkehr für die (auch wegen der Tram) sehr stark frequentierten Fußgängerüberwege über die B 28 darstellt. Die Stadt wünsche sich für diesen Abschnitt ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern. Winfried Hermann kann dies gut nachvollziehen. Die Zahl der Verkehrsunfälle könne nur verringert werden, „wenn wir den Verkehr verlangsamen“.

Vortrag über die Entwicklung Straßburgs hin zum Rhein im Point COOP im Straßburger Rheinhafenviertel für den Minister und die Besucher aus Kehl.zoom

Im Point COOP im Straßburger Rheinhafenviertel lassen sich Minister Hermann, OB Vetrano und Abgeordneter Marwein sowie die Mitglieder des Kehler Gemeinderats die Stadtentwicklung auf den Flächen Citadelle, Starlette und im COOP-Areal, auch am Modell, erläutern. Bis 2030 wird hier Wohnraum für rund 20 000 Menschen entstehen – die Bauarbeiten sind bereits im Gange. Auch die entsprechende Infrastruktur – wohl bis zu drei neue Grundschulen, Flächen für Gewerbe, Dienstleister und Nahversorgung – ist bereits in Planung. Die Baustoffe sollen zum Großteil und soweit möglich auf dem Wasserweg angeliefert werden, um damit Lkw-Kilometer und die Belastung der Anwohner anderer Stadtviertel zu reduzieren.

Straßburger Stadtentwicklung am Modell im Point COOP veranschaulicht; das Mobilitätskonzept für die neuen Stadtquartiere erläuterte der Straßburger Beigeordnete Jean-Baptiste Gernet.zoom

Jean-Baptiste Gernet, Beigeordneter der Stadt Straßburg und zuständig für Mobilität, erklärt das Verkehrskonzept für die neuen Stadtteile: Autos werden in zentralen Parksilos gesammelt und dürfen nicht im Straßenraum abgestellt werden; in den neuen Quartieren sollen sich Bewohnerinnen und Bewohner möglichst zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen.
Minister Winfried Hermann interessiert in diesem Zusammenhang, wie mit dem Lieferverkehr und hier besonders mit dem Paketservice umgegangen wird und denkt dabei an Modellstädte, die bereits Robotertaxen testen. Die Parksilos würden zu Mobilitätsstationen ausgebaut, antwortet Jean-Baptiste Gernet – dort könnten dann auch Pakete angeliefert und von den Bewohnern abgeholt werden. Außerdem sollen Carsharing und Fahrradverleih ebenso integriert werden wie die Möglichkeit, Fahrräder zu reparieren.
Ob denn die Tramlinie D ausreiche, um die neuen Stadtquartiere zu versorgen, lautet eine weitere Frage aus der Gruppe. Flächen für die Verlängerung der Linie F vom Place d’Island (derzeitige Endhaltestelle) über die Entwicklungsflächen und in Richtung Kehl würden zwar freigehalten, erklärt Alice Frémeaux von der Entwicklungsgesellschaft SPL de Deux Rives, in naher Zukunft sei der Bau einer solchen Strecke jedoch nicht vorgesehen.
Oberbürgermeister Toni Vetrano nutzt die Erläuterungen zur Straßburger Entwicklung hin zum Rhein, um einmal mehr darauf hinzuweisen, dass Kehl in Stuttgart immer noch als ländlicher Raum betrachtet werde, obwohl die Stadt natürlich zum Ballungsraum Straßburg gehöre.

28.08.2019

 

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