Neue Rheinbrücken und ein grenzüberschreitendes Wohngebiet? Stadtspaziergang mit OB Vetrano

Weitere Brücken über den Rhein könnte er sich vorstellen oder auch ein grenzüberschreitendes Wohngebiet direkt am Fluss: Beim mit 35 Teilnehmenden ausgebuchten Stadtspaziergang am Freitagnachmittag (11. Oktober) erlaubt sich Oberbürgermeister Toni Vetrano auch etwas zu träumen. Mobilität und Identifikation sind die Themen, die er an allen drei Stationen anspricht: im neuen Kulturhaus, auf der Trambrücke mit Blick auf den Zollhof und im Point COOP im Straßburger Rheinhafenviertel, wo es um Stadtentwicklung der Großstadt vor Kehls Haustür geht.

„Gefällt mir“, „schön geworden“, kommentieren Stadtspaziergängerinnen und -spaziergänger auf dem Rundgang durchs Kulturhaus Eingangshalle, Treppenhaus, Flure und den neuen Kultursaal, in dem bereits der Steinway-Flügel auf der Bühne steht. „Ich kann leider nicht Klavier spielen“, bedauert Toni Vetrano, bevor er dem hochwertigen Instrument dann doch recht klangvolle Tonfolgen entlockt. Die Idee, für die Anschaffung des Flügels eine Spendenaktion zu lancieren, „habe ich von Offenburg abgekupfert“, räumt er freimütig ein, ihm sei es dabei mehr um die Identifikation der Spender mit dem Kulturhaus, dem neuen Saal, der Kultur in Kehl und mit der Stadt gegangen, sagt er, als nur ums Geld. Rund 32 000 Euro (von 66 000 Euro Anschaffungskosten) sind bis Freitagnachmittag zusammengekommen – „das Delta legt die Stadt drauf“.
Mit einem Rundgang durch das neue Kulturhaus hat der Stadtspaziergang von Oberbürgermeister Toni Vetrano mit 35 Bürgerinnen und Bürgern begonnen.zoom

Dass auch das Kulturhaus eine Stange Geld gekostet hat, verschweigt Toni Vetrano bei aller Begeisterung für das sanierte und unter Denkmalschutz stehende Gebäude im Art-Déco-Stil nicht: Bei 6,3 Millionen Euro hatten die Kostenschätzungen gelegen, zehn Millionen Euro sind – einschließlich Außenanlage – am Ende zusammengekommen. 4,4 Millionen Euro schießt das Land zu, der Rest kommt aus dem städtischen Haushalt.

Dass das Kultur-Café noch geschlossen ist, bedauert der OB: Ein potentieller Pächter sei in letzter Minute abgesprungen. Jetzt suche man mit einer Agentur nach einem Café-Betreiber. "Wir wollen nicht irgendeinen, sondern einen, der zum Haus passt", erklärt er. Das Café sei so gebaut, dass auch dort kleinere Kulturveranstaltungen möglich seien.

Dass ein hochwertiger Flügel, Bühnentechnik und moderne Beleuchtung mit darüber entscheiden, ob Künstler in einer Stadt auftreten oder nicht, erklärte Toni Vetrano im neuen Kultursaal des Kulturhauses.zoom

„Es war die richtige Entscheidung, das Kulturhaus zu machen“, zieht er sein Fazit, nachdem er den Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Stadtspaziergang die lange Geschichte bis zum Baubeginn erläutert hat, die weit hinter seinen Amtsantritt zurückreicht. Als er berichtet, dass ein Investor in der alten Tulla, wie das Kulturhaus viele Jahre lang genannt wurde, ein Hotel mit Wellness-Center unterbringen wollte, regt sich Heiterkeit. Das Kulturhaus, in dem die Musikschule nach 32-jähriger Odyssee durch verschiedene Schulgebäude, den Stadthallenanbau und Räumen über dem Treff-Markt in der Hauptstraße ebenso eine dauerhafte Bleibe gefunden hat, wie die Volkshochschule, das städtische Kulturbüro und eine Außenstelle der Kunstschule Offenburg (Atelier Kehl), werde zur Identifikation der Kehlerinnen und Kehler – auch aus den Ortschaften – beitragen, ist Toni Vetrano sicher. Für ihn relativieren sich dadurch auch die Kosten: „Identifikation und Wir-Gefühl kann man nicht bezahlen.“

Auf der Trambrücke mit Blick auf den Zollhof erläuterte OB Vetrano, wie der Investorenwettbewerb für dieses ganz besondere Grundstück geplant ist. Den Zollhof soll bekommen, wer das beste Konzept hat.zoom

„Man darf nicht nur in Einnahmen und Ausgaben denken“, wiederholt er, als die Gruppe auf dem Treppenabgang von der Trambrücke in Richtung Zollhof steht. Dieses einmalige Grundstück, das es nur in Kehl und noch ein zweites Mal auf der gegenüberliegenden Rheinseite in Straßburg gebe, sei „ein Filetgrundstück“, ein besonderer Ort. Daher müsse sich die Stadt ganz genau überlegen, wem sie das Grundstück anvertraue. Ziel des Investorenwettbewerbs, den die Stadt vorbereite, sei daher nicht, dass es der Meistbietende bekomme, „sondern der mit dem besten Konzept“. Das Rheinufer verspricht er, werde für die Kehlerinnen und Kehler auf jeden Fall zugänglich bleiben – eine Privatisierung komme hier nicht infrage. Auch an diesem besonderen Ort geht es für Toni Vetrano um Identifikation.

Über die Trambrücke gingen die Spaziergänger ins Straßburger Rheinhafenviertel und dort in den Point COOP.zoom

Die Brücken – die Passerelle des deux Rives und die Trambrücke – sind für den OB Identifikationspunkte in Kehl. Am liebsten hätte er noch mehr davon, „wie in Köln“, sagt er und ist beim Thema Mobilität angelangt. Drei Millionen Einzelfahrten über den Rhein im ersten Betriebsjahr der Tram bis zum Bahnhof. 1,64 Millionen waren im Vertrag mit Straßburg bis zum Bahnhof kalkuliert, 2,5 Millionen bis zum Rathaus. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor, aber die CTS geht von einer Steigerung der Fahrgastzahlen um 15 Prozent aus, seit die Endhaltestelle der Tram am Rathaus liegt.

Am Model veranschaulichte Corinna Ewald von der Entwicklungsgesellschaft SPL (in weißen Pulli neben OB Vetrano) die Planungen für Wohnraum für 20 000 Menschen bis 2030 oder 2035.zoom

Welche Herausforderung die Straßburger Stadtentwicklung in Richtung Rhein mit sich bringt, wird den Stadtspaziergängerinnen und -spaziergängern klar, als Corinna Ewald von der Straßburger Entwicklungsgesellschaft SPL am Modell im Point COOP veranschaulicht, was bis 2030 geplant ist. Ende Januar/Anfang Februar wird mit dem Bau von rund 200 Wohnungen begonnen, 2030 bis 2035 wird auf den Entwicklungsflächen zwischen dem Parc de l’Etoile und dem Rheinufer Wohnraum für rund 20 000 Menschen entstanden sein.
„Das kann einem schon etwas Angst machen“, meint eine Teilnehmerin und fürchtet, dass der Verkehr in Kehl dann komplett zusammenbrechen könnte. Weil in den neuen Straßburger Wohnquartieren vor allem auf Mobilität ohne eigenes Auto gesetzt wird, die Menschen sich also zu Fuß, mit dem Rad, mit Tram und Bus fortbewegen sollen, äußert ein Stadtspaziergänger auch die Sorge, dass man von Kehl mit dem Auto nur noch schlecht in Straßburger Stadtviertel gelangen könnte, die bislang auch mit der Tram nur bei einem sehr hohen Zeitaufwand erreichbar seien. Andere Teilnehmende sind der Ansicht, dass jetzt schon zu bestimmten Zeiten der Takt der Tram nicht mehr ausreiche und – wie samstags – jeder und nicht nur jeder zweite Tramzug nach Kehl durchfahren müsse.

Auch darin zeigt sich für Toni Vetrano die Qualität der Zusammenarbeit mit Straßburg: "dass ich mich auf französischem Boden hinstellen und Stadtentwicklung erklären kann".zoom

Wie die Lösung am Ende aussehen wird – zusätzliche Brücken, eine neue Europabrücke, einen durchgehenden Sieben-Minuten-Takt für die Tram –, kann Toni Vetrano nicht vorhersagen. Nur soviel: „Technisch sind wir dafür gerüstet, dass die Tram im gleichen Takt wie in Straßburg auch in Kehl fahren kann.“

Info:
Stadtspaziergänge sind ein neues Format, das Oberbürgermeister Toni Vetrano seit August anbietet. Was sich in Kehl verändert, möchte er Bürgerinnen und Bürgern vor Ort zeigen, erklären und mit ihnen diskutieren. Damit dies möglich ist, ist die Zahl der Teilnehmenden auf 35 beschränkt. Ziel der Stadtspaziergänge ist es auch, „dass wir im Dialog bleiben“, sagt Toni Vetrano. Der nächste Stadtspaziergang ist am Freitag, 13. Dezember, wieder von 15 bis 17 Uhr vorgesehen.

12.10.2019

 

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