Stadtspaziergang mit OB: Multimediale Klassenzimmer, große Herausforderungen und ein verwandeltes Wohngebiet

Wie Schülerinnen und Schüler in einem Multimedia-Klassenzimmer lernen, wie sich die Kreuzmatt verändert hat und was die Stadt mit 23,8 Millionen Euro in den Kehler Schulen macht, das erfahren die Teilnehmenden am dritten von Oberbürgermeister Toni Vetrano angebotenen Stadtspaziergang aus erster Hand. Auf dem Weg vom Einstein-Gymnasium zur Josef-Guggenmos-Schule kommt die Gruppe auch am geschlossenen Hallenbad vorbei: „Der Neubau kostet mehr als die Sanierung der Schulen“, kommentiert der OB auf Nachfrage, „für die Schulen bekommen wir 6,4 Millionen Euro Zuschuss – fürs Hallenbad vermutlich nichts“.

Oh, ein Fehler in der Präsentation? Kein Problem: Mit dem Finger fährt Arne Bleckmann über das Smartboard – und die Wortteile sind in der richtigen Reihenfolge. An seinem Touch-Bildschirm am Pult fügt der Lehrer seiner Präsentation Anmerkungen hinzu – wie von Zauberhand erscheinen sie für die Stadtspaziergänger sichtbar auf dem großen Smartboard hinter ihm. 15 Klassenzimmer des Einstein-Gymnasiums hat das städtische Gebäudemanagement in den Sommerferien 2018 und 2019 komplett saniert und auch medientechnisch auf den neusten Stand gebracht. Jetzt fehlt noch WLAN – dann können auch Schülerinnen und Schüler von ihren Plätzen aus über ihre Tablets direkt ans Smartboard schreiben. Wie viele Lehrer am Einstein-Gymnasium so versiert mit der neuen Technik umgehen können, fragt einer der Teilnehmer. 15 Kolleginnen und Kollegen seien es im Moment, antwortet Arne Bleckmann, wenn erst alle Klassenzimmer multimedial ausgestattet seien, „dann nutzen das auch alle“, ergänzt Schulleiter Dominikus Spinner. Wenn man sich mit der Technik vertraut gemacht hätte, erleichtere sie die Arbeit sehr, erklärt Arne Bleckmann, er könne seine Tafelbilder jetzt zu Hause vorbereiten.
Welche Herausforderung das Schulsanierungsprogramm für die Stadt bedeutet, erläutert OB Toni Vetrano anhand einer angesichts der Medienausstattung im Klassenzimmer fast altmodisch anmutenden PowerPoint-Präsentation: Zwölf Schulen in städtischer Trägerschaft sind in das Sanierungsprogramm aufgenommen worden – an allen Schulen musste am 1. Juli 2019 mit den Bauarbeiten begonnen sein. Abgeschlossen sein müssen die Arbeiten am 31. Dezember 2022. „Es sind ja nicht nur wir, die in diesem Zeitraum ihre Schulen sanieren, das machen alle Städte und Kommunen im ganzen Land“, gibt er zu bedenken, und das heiße, dass man um Architekten, Baufirmen und Handwerksbetrieb konkurriere und damit rechnen müsse, auf die eine oder andere Ausschreibung gar kein oder nur ein überteuertes Angebot zu bekommen.

Erste Station beim Stadtspaziergang mit OB Toni Vetrano: eines der multimedialen Klassenzimmer im Einstein-Gymnasium.zoom

Auf die Frage eines Stadtspaziergängers, was mit der Wilhelmschule passiere, entfuhr Toni Vetrano zunächst ein „oh je“. Noch bis im Herbst sei die Guggenmos-Grundschule darin untergebracht; danach bedürfe es eines klugen Managements: „Wir wissen um die großen Herausforderungen, vor welche die Ganztagsbetreuung der Grundschüler die Stadt stellen wird.“ In der Grundschule kämen jetzt die Kinder der Eltern an, welche eine ganztägige Betreuung ihres Nachwuchses von der Kindertageseinrichtung gewohnt seien. „In vielen Familien müssen oder möchten beide arbeiten.“
Auch deswegen werden in der kernsanierten und erweiterten Guggenmos-Schule nicht nur acht Klassenzimmer geschaffen, um auf die nicht zuletzt durch das Wohngebiet Schneeflären steigenden Schülerzahlen zu reagieren, sondern auch zwei Betreuungsräume (einer davon wird als Experimentierraum gestaltet). Auf einen möglicherweise kommenden Rechtsanspruch auf Betreuung der Grundschüler ist die Stadt damit aber auch dort noch nicht vorbereitet, schränkt Michael Heitzmann, der Leiter des städtischen Gebäudemanagements ein: „Dann müssen wir erneut reagieren und anbauen.“ Den Stadtspaziergängern zeigt OB Vetrano bei der Baustellenbesichtigung auch die sogenannten Leseinseln – lichtdurchflutete Vorbauten mit bodentiefer Verglasung, die als gemütliche Ecken gestaltet werden, in die sich die Grundschüler mit einem Buch zurückziehen können.
Geheizt wird die Schule nach dem Umbau mit Fernwärme, die LED-Beleuchtung wird über Bewegungsmelder gesteuert und reagiert auf die Lichtverhältnisse im Freien: Ist es dort entsprechend hell, dimme sich die Beleuchtung im Klassenzimmer automatisch, erläutert Baubürgermeister Thomas Wuttke. Das Dach werde begrünt und für eine Photovoltaikanlage vorbereitet. Die Stadt rechnet mit Baukosten in Höhe von 3,9 Millionen Euro, plus weiteren 675 000 Euro für die Außenanlage. Den Mehrzweckraum teilt sich die Schule mit der baulich verbundenen Kindertageseinrichtung und dem Wohnquartier Kreuzmatt: „Wir müssen zusehen, dass wir unsere Räume möglichst optimal nutzen und nicht den halben Tag leer stehen lassen“, begründet Toni Vetrano warum der Raum einen separaten Zugang hat.

Leuchtet in unterschiedlichen Farben: das sanierte Musikatrium im Einstein-Gymnasium.zoom

Dem Abstecher in den Jugendtreff Kreuzmatt, der sich in einer Containeranlage befindet, die im nächsten Herbst in die unmittelbare Nähe der Guggenmos-Schule versetzt wird und um eine Außenanlage mit Bolzplatz für 348 000 Euro ergänzt wird, folgt ein dem regnerischen Wetter geschuldeter nur kurzer Rundgang durch die Kreuzmatt. Doch der reicht bereits aus, um einige der Stadtspaziergänger zu verblüffen: Wer das Viertel aus früheren Zeiten kenne, der staune über den Wandel, pflichtet Toni Vetrano den Bürgerinnen und Bürgern bei. Mehr als 20 Millionen Euro habe die Städtische Wohnbaugesellschaft in den vergangenen Jahren in die Kreuzmatt investiert, berichtet deren Geschäftsführer Jurij Kern auf dem Weg in die Villa RiWa, wo die Teilnehmenden sich bei Kaffee, Tee und Weihnachtsgebäck wärmen, während der OB einen kurzen Abriss über die Geschichte des Viertels gibt: 385 der fast tausend Wohnungen im Besitz der Städtischen Wohnbau befinden sich in der Kreuzmatt. 1990 bietet der Bund der Stadt die sogenannten Besatzungsbauten aus dem Jahre 1959 zum Kauf an, in denen französische Offiziere mit ihren Familien gelebt hatten. Stadt und Landkreis brachten darin zunächst Aussiedler unter. Weil diese nur Anspruch auf vier Quadratmeter Wohnfläche pro Person hatten, lebten damals zwischen 2000 und 3000 Menschen in der Kreuzmatt – heute sind es etwa die Hälfte.
Die Wohnungen hat die Wohnbau saniert; ein Großteil ist inzwischen mit Vollwärmeschutz und Balkonen ausgestattet – eine Aufwertung, die nicht zu Lasten der Mieter ging, wie Toni Vetrano betont: Was die Wohnbau an Miete erhöhen musste, sparten die Mieter durch geringere Energiekosten wieder ein. Die durchschnittliche Quadratmetermiete liege bei 5,30 Euro, ergänzt Jurij Kern. Doch nicht nur die Wohnungen, auch das Umfeld in dem Stadtteil, der über die großzügigsten Grünflächen in der ganzen Stadt verfügt, sollten schöner werden: Vier Millionen hat die Wohnbau in den vergangenen Jahren ausgegeben, um die Grünräume – nach gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern erarbeiteten Plänen – zu gestalten, die Parkflächen zu ordnen und Carports zu errichten, in denen im hinteren Teil Fahrräder und Kinderwagen untergebracht werden können. Die Stadt hat die Beethovenstraße saniert und mit Radstreifen versehen sowie ein Platzfläche angelegt, welche den motorisierten Verkehr abbremst.

Bei Kaffee und Kuchen berichtet Oberbürgermeister Toni Vetrano den Stadtspaziergängerinnen und -gängern von der Geschichte und dem Wandel der Kreuzmatt.zoom

Auch in der Villa RiWa, wo im Stadtteil-Café der Abschluss des Stadtspaziergangs stattfindet, wohnten einst französische Offiziere. Die Wohnungen seien durch ihre Größe von 135 bis 180 Quadratmetern prädestiniert gewesen, um in den 1990er-Jahren öffentliche Einrichtungen aufzunehmen, erläutert Toni Vetrano – das Frauen- und Mütterzentrum sei vor 28 Jahren als erstes eingezogen. 2015/2016 ist die Villa RiWa durch die Wohnbau für 2,7 Millionen Euro saniert und durch Aufzüge in den Treppenhäusern barrierefrei gemacht worden – seither präsentiert sie sich als Zentrum sozialer Einrichtungen und Vereine, als Treffpunkt für Kehlerinnen und Kehler aller Nationalitäten, die sich austauschen oder fortbilden wollten, fasst Claudia Mündel, Leiterin der Gemeinwesenarbeit zusammen.

Der nächste Stadtspaziergang mit Oberbürgermeister Toni Vetrano findet am Freitag, 20. März, wieder von 15 bis 17 Uhr statt. Eine Anmeldung ist erforderlich: telefonisch unter 07851 88-1001 oder per E-Mail an b.senkel@stadt-kehl.de.

14.12.2019

 

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