Mit dem Korker Rathaus wurde ein echtes Schmuckstück eingeweiht

236 Jahre alt und technisch auf dem neusten Stand: So lässt sich – stark verkürzt – zusammenfassen, was die Gäste bei der Einweihung des Korker Rathauses am Abend des 9. Januars vorgefunden haben. Oberbürgermeister Toni Vetrano und der Korker Ortsvorsteher Patric Jockers freuten sich, dass die Amtsschaffnei aus dem Jahre 1784 so saniert werden konnte, dass das Haus seinem historischen Vorbild sehr nahe kommt, die Vorgaben des Denkmalschutzes eingehalten wurden, Barrierefreiheit bis ins Dachgeschoss hergestellt ist und das Gebäude, sowohl was die Rathaustechnik, als auch was den Brandschutz angeht, hochmodern ausgestattet ist. Die Wirkung der sogenannten Überdruckanlage, die einer höchst kraftvollen Windmaschine gleicht, konnten Besucherinnen und Besucher im Selbstversuch testen.

Der Rats- und Trausaal im Dachgeschoss mit seinem sichtbaren und original belassenen Dachgebälk gefällt Toni Vetrano so gut, dass er sich gut vorstellen kann, „hier ab und an auch Gäste der Stadt zu empfangen“. Gerade im Dachgeschoss könne man erahnen, welche Tüftelei erforderlich gewesen sei, um den Aufzug in das historische Gebäude einzubauen. Doch ohne Aufzug hätte das Haus nach seiner Kernsanierung nicht mehr Rathaus sein können. Als öffentliche Verwaltung sei man zur Barrierefreiheit verpflichtet, führte der OB aus und ergänzte: in Kork „ist Barrierefreiheit mehr als Verpflichtung – sie ist eine Selbstverständlichkeit“. Kork habe sich in den vergangenen Jahren, auch durch viel ehrenamtliches Engagement, mehr und mehr zu einer inklusiven Ortschaft entwickelt und sei damit Vorbild für die Kernstadt sowie für die übrigen Ortschaften. Die Barrierefreiheit ermöglicht es auch dem städtischen Inklusionsbeauftragten Nicolas Uhl, im Rathaus ein Büro zu beziehen und einen Teil seiner Arbeitszeit dort zu verbringen.

50 bis 70 Besucher fasst der neue Rats- und Trausaal im Dachgeschoss des Korker Rathauses.zoom

Noch stärker als die Barrierefreiheit hätten jedoch die Brandschutzauflagen das städtische Gebäudemanagement und die Architekten Lehmann und Wallner gefordert, berichtete Toni Vetrano. Nur über eine 130 000 Euro teure Überdruckanlage konnten diese erfüllt werden. Was es bedeutet, wenn diese nur koffergroße Anlage Außenluft ansaugt und ins Gebäude drückt, konnten die Gäste bei der Einweihung ausprobieren: Haare und Krawatten flatterten wie bei einem Küstensturm.

Frisch gebacken vom Leiter des städtischen Gebäudemanagements, Michael Heitzmann: Der Schlüssel fürs sanierte Korker Rathaus.zoom

Dass die ursprünglich auf rund 900 000 Euro geschätzte Sanierung nun mit 1,6 Millionen Euro abgerechnet werde, liege auch am Abenteuer Altbausanierung, erklärte der OB, und Ortsvorsteher Patric Jockers beschrieb anschaulich, wie viel schlechter als angenommen die Bausubstanz tatsächlich gewesen ist: So ist Hausmeistergehilfe Jonny Baust vom Obergeschoss durch die Decke ins Erdgeschoss gestürzt – glücklicherweise, ohne sich schwer zu verletzen. Toni Vetrano und Patric Jockers dankten dem Gemeinderat dafür, dass er bereit gewesen sei, die hohen Sanierungskosten mitzutragen.
1,6 Millionen Euro seien sehr viel Geld, sagte Toni Vetrano. Doch gerade weil man in Kehl viel von Identifikation und Zusammengehörigkeitsgefühl spreche, sei es wichtig, dass man mit Gebäuden wie dem Kulturhaus und dem Korker Rathaus Identifikationsmöglichkeiten schaffe: „Identifikation entsteht freilich nicht durch schöne Mauern allein, sie entsteht aber sehr wohl dadurch, dass wir ein schönes, gepflegtes und lebenswertes Umfeld schaffen. Wer in hässlicher Umgebung lebt – das ist längst bekannt – wird kein positives Verhältnis zur Gesellschaft, und in unserem Fall zur Stadtgesellschaft, entwickeln.“ Das Rathaus sei nicht nur ein Gebäude für den Ortsvorsteher und die Verwaltung, sondern ein offenes Haus, „dessen wunderschöner Saal, dessen Besprechungszimmer von Bürgerinnen und Bürgern mit Leben erfüllt werden wird“.

Wie ein Küstensturm lässt die Überdruckanlage im Korker Rathaus Haare und Krawatten fliegen - hier bei Baubürgermeister Thomas Wuttke.zoom

Patric Jockers erinnerte daran, dass der Umbau des Rathauses 20 Jahre lang immer wieder Thema gewesen sei – doch immer seien andere Projekte, wie der Um- und Ausbau der Schule, die Sanierung und Erweiterung der Kindertageseinrichtung oder die Erfüllung der Brandschutzauflagen im Handwerksmuseum, wichtiger gewesen. Vielleicht, meinte er versöhnlich, „war es eine gute Fügung, dass wir es erst jetzt in Angriff genommen haben“, so habe nun auch im Hinblick auf die Digitalisierung neuste Technik eingebaut werden können.

Musikalisch umrahmt wurde die Rathauseinweihung von Branko Kersić.

Branko Kersić umrahmte die Rathauseinweihung musikalisch.zoom

Geschichtlicher Hintergrund:

Das heutige Korker Rathaus gehört – zusammen mit dem Schloss, der alten und der neuen Landschreiberei – zu den Korker Amtsgebäuden, aus dem 18. Jahrhundert, die alle noch erhalten sind. Das Amtshaus wurde in weniger als zwei Jahren errichtet: Im Jahr 1782 begannen die Bauarbeiten, im Frühjahr 1784 waren sie abgeschlossen. Bis 1803 war dort die Amtsschaffnei der Hochfürstlich Hessen-Hanauer-Lichtenbergischen Landgrafen untergebracht. Von 1803 bis 1881 diente es als Sitz des Bezirksamtes, das neben Kork auch für Auenheim, Eckartsweier, Hesselhurst, Hohnhurst, Kehl mit Sundheim, Legelshurst mit Bolzhurst, Neumühl, Odelshofen, Querbach, Marlen, Goldscheuer, Kittersburg, Sand mit Neusand und Willstätt zuständig war.
Nachdem das Bezirksamt 1881 nach Kehl verlegt worden war, diente das Haus bis 1928 als Badisches Forstamt; danach war bis 1962 ein Polizeiposten darin untergebracht. 1964 wurde es von der damals selbstständigen Gemeinde Kork erworben und als Rathaus genutzt.

In einem virtuellen Rundgang kann das Korker Rathaus während der Sanierungsarbeiten erkundet werden. Das Video kann hier abgerufen werden.

09.01.2020

 

Flüchtlingshilfe Kehl

Daten und Fakten zum Thema Flüchtlinge in Kehl sowie Informationen für ehrenamtliche Helfer sind auf der Internetpräsenz www.fluechtlingshilfe.kehl.de zusammengestellt.

Familienbörse

Wer Familien von der anderen Rheinseite kennenlernen möchte, findet hier Kontakte.

Termine

 
 

Stadtverwaltung Kehl · Rathausplatz 1 · 77694 Kehl · Tel.: 07851 88-0 · Fax: 07851 88-1102 · info@stadt-kehl.de